Hallo liebe Langnasen und chinesischen Kollegen vom Internet Abfangdienst "Polit & Porno" (Autsch, das hätte ich nicht sagen dürfen, jetzt sind wir schon wieder auf der Liste…)

Heute berichte ich wieder exklusiv aus Tianjin, der Stadt wo man beim Einkauf am Samstagvormittag, bei 38° Celsius und 75° Lufteuchtigkeit, bei 12 Leuten pro Quadratmeter, hupenden Taxis, hupenden Nicht-Taxis, und fluchenden Radfahrern erst richtig kennenlernt, wie sich das Fan-Zao Symptom anfühlt (Fan Zao=nervöse Reizbarkeit. "Nerrrrvöse Rrrrrreizbarkeit? Von wegen! Du hast wohl das "Po Men1" offen. Ich hau Dir eine rein, dann weißt Du was über REIZBARKEIT, du alter…" etc. etc.pp.).

1=Pò Mén: Tor, durch das der Geist austritt (Nei Jing). Ehrlich, fragt Wiseman (mir glaubt das ja wieder keiner).

Steht meist für den POpo, aber auch für SchweissPOren. Ob hier ein Zusammenhang besteht ? Sinologen, Linguisten: Ans Werk! Laßt Eure Köpfe rauchen und den Geist austreten ("austreten?" Etwa durch die Poren, oder gar.. hmm. Schon wieder eine sprachliche Synchronizität… die Realität ist doch immer noch die beste Satire.)

Auch Lao Nei, unser aller großer Mufti hat sich von seinem Europaurlaub zurückgemeldet und macht uns wieder das Leben schwer ("Yuan Chu… ich will ja nicht drängen, aber wolltest Du nicht weiter am Su Nü Jing arbeiten? Du kannst doch nicht die letzten 5 Monate nur angeln gewesen sein…") Hat der eine Ahnung, wie schwer es ist, die Köder für vegetarisch lebende Fische zu finden…

Doch zum Glück hat er mir ja auch etwas mitgebracht: 30 Millionen Grippebakterien (R.I.P., mein Wei-Qi ist doch immer noch ganz gut in Form…) und die neuesten Nachrichten aus der europäischen TCM-Welt (bloß läppische 4 oder 5).

Außerdem erzählte er mir ein paar lustige interkulturelle Schwänke für die "Humor"-Abteilung. Fangen wir also damit an.

West meets East

1.

Aus Spanien z.B. die folgende lustige Begebenheit, die in einer TCM-Schule in Barcelona stattfand, wo die Taxis ja bekanntlich in schwarz-gelb durch die Straßen fahren.

Diagnoselehrer: Ein gelber Zungenbelag weist also meist auf einen Hitze-Zustand hin, wohingegen der eher seltene schwarze Belag ein Zeichen sowohl für extreme innere Hitze aber auch für starke Kälte sein kann. Was bedeutet es nun aber, wenn ich gelb mit schwarzen Streifen erkennen kann?"

Schüler (vorsichtig): "Taxi ?"

2.

Eine Gruppe amerikanischer Studenten brachte von ihrem Besuch in Kunming (Yunnan) eine Handvoll edler traditionelle chinesischer Kleider mit, darunter seidene Chang Pao u.a. in der VR schwer zu kaufende Kleider. Lao Nei, der sich gerne solchen altmodischen Fummel anzieht, war natürlich begeistert, da er solche Kleider bislang nur Taiwan und auch dort eher selten gesehen hatte. Er frage also nach dem Geschäft, da er auch öfters in Kunming weilt und es entwickelte etwa sich folgender Dialog:

Lao Nei: Woow, I must really go and take a look when I am in Kunming next time, Can you give me the address ?

Amerikanischer Student: I don’t quite remember the name, but it was in the small old road of the Province hospital for Chinese Medicine.

Lao Nei (nachdenklich): Really ? Then it must be new, coz I have been there every day last Summer and I didn’t see a traditional clothes store.."

Amerikanischer Student: Oh it was a very small store with no cabins and the people wouldn’t allow us to try the clothes on. We all had to guess our sizes.

2. Amerikanischer Student: In the beginning they asked us for whom they were and they didn’t even want to sell us the clothes.

Lao Nei (irritiert): That’s strange, I’ve never met any shop were they didn’t want me to buy their things, and I’ve been in in China for about 11 years...(Lao Nei wächst um 2 cm)

Amerikanischer Student: Probably they were ordered for somebody else. Anyway they finally sold us all 12 sets they had. I can read a little Chinese and I remember the shops name said something like "shenma..shema..Yi", you know "Yi", means "clothes".

Lao Nei (echauffiert): Yea, I know "Yi"means clothes, but what was the first name ?

2. Amerikanischer Student (hilfreich): I think it meant "lucky" or "happy" or something…

Amerikanischer Student (aufgeregt) : No! No! Now I remember: It meant "long life". It’s a very difficult character reading "Shou". "Shou Yi", Long-Life Clothes. That’s the name!!

Lao Nei (drohende Ohnmacht mühsam abwehrend zu sich selbst murmelnd): Oh, Scheeeei… Die haben die "letzten Gewänder" für "zu bestattende Chinesen" vom Beerdigungsshop gekauft. (Stöööhn).

Auch diese Geschichte ist allzu wahr. Soweit also zur interkulturellen Kommunikation. Aber auch umgekehrt hab ich wieder was zu lästern: Den neuen Autismus des chinesischen Internets.

3. Akupunkturanleitung aus einem Akupunkturtextbuch aus Hong Kong:
Also behaupte ja immer wieder, daß die chinesischen Ärzte den Westlern nix zutrauen, aber entweder halten die uns nun für völlig blöde, oder da hat einer den Anatomieunterricht und einiges mehr geschwänzt. Na, falls ich mal unter unerträglichem Menstruationsschmerz leiden sollte, versuche ich's vielleicht doch mal beim Autors des Buches...

East Meets…East?

Zahl der Internet-Nutzer in China verdoppelt

(Reuters) Peking, 15 Jul - In der Volksrepublik China hat sich die Zahl der Internet-Nutzer einer Umfrage zufolge seit Ende 1998 auf vier Millionen verdoppelt. Rund 1.46 (sic!) Computer seien inzwischen an das weltweite Datennetz angeschlossen, teilte das Chinesische Internet-Informationszentrum am Donnerstag in Peking als Ergebnis einer Umfrage mit.

1.46? Achso. Und wir dachten schon, unser TCM-Internet-Computer wäre der Einzige im ganzen weiten Net…. Wie wir aus der obigen Umfrage erkennen können, muß es also doch noch einen zweiten Computer im chinesischen Internet geben, zumindest fast einen halben davon. Gut das es Reuters gibt.

Aber Spaß beiseite: Wie Lao Nei schon in der neuen Einleitung dieses Updates erklärt, hat sich unser geliebtes Gastland wieder aus der Net-Welt verabschiedet und bleibt –wie anno dazumal, bevor unsere bösen Vorfahren kamen, um das Land der Mitte in die Neuzeit zu ballern- von der (Internet) Welt isoliert. Dieser selbstgewählte Dornröschenschlaf mit wahrscheinlich allzubaldem bösen Erwachen (MARK MY WORDS, GUYS), resultiert aus:
bullet Verdopplung der Net-Benutzer in sechs Monaten (von 2 auf 4 Millionen in 6 Monaten) kaum dreht man den Nettern mal für ein paar Monate den Rücken zu, schon verdopplen sie sich wie wild. Wo bleibt denn da die Überbevölkerungspolitik, hä?
bullet Verminderung des Intelligenzquotionten um die Hälfte bei den staatlichen Abhör-, Lausch- und Lesediensten, durch deren fleißige Händchen all die bösen ausländischen Bits kommen und gehen und handverlesen weitergegeben werden.
bullet Gleichbleibend enges Bottleneck der Netserver in der Hauptstadt, wo alle Stränge zusammenlaufen.
Fatale Folge: Im TCM-Internet-Computer stapeln sich die Artikel und die Leser sehen seit zwei Monaten dieselbe öde Seite, weil hierzulanden selbst die email langsamer ist als ich zu Fuß.

Zur rührigen Ehrenrettung des chinesischen Nets muß man zumindest zugestehen, daß die Geschwindigkeit innerhalb der Landesgrenzen ganz gut funktioniert. Nur die bösen ausländischen Teufel haben wieder das Nachsehen ("hähääää, das habt ihr nun davon"). China hat somit seinen Quasi-Austritt aus dem Internet dingfest gemacht, und ist nicht mehr international.

TCM-Internet, Deutschlands beste Chinesische Homepage mit Server in den USA, schlägt daher nach den bekannten Sprachmustern aus anglisiertem Deutsch "Schampu" (Shampoo), "Scheiniis" (Chinese) und "Tredischenel Scheiniis Mäddisin" (TiSiEm) nun für das landeseigene autistisch-chinesische Netzwerk als neuen Namen "Scheiniis Self-Suffischent Network" vor, was künftig statt dem überholten Terminus "International Network" (InterNet) verwendet werden kann. Die ordungsgemäße Abkürzung lautet dann selbstverständlich "ScheiSSNet".

Bitte, gern geschehen!

Unser ehem. Mitarbeiter Yuan Chu meldet sich voraussichtlich wieder, sobald er seinen Urlaub im Arbeitslager am "World-‘Po’-Men" abgeleistet hat.

Der Red. (Die Red., seine Frau war leider ebenfalls unabkömmlich)