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Die Antworten der 10000 einfachen Fragen

(Wan Su Wen) und die Zerstörung der 100 Mythen (Bai Hu Shuo)

Interwiew mit Yuan Chu, dem bösen Buben der Chinesischen Medizin

Frage : Sind Sie ein echter Taoistischer Eremit ?

Yuan Chu: Natürlich bin ich das! Außerdem bin ich der einzige AUTHENTISCHE Taoistische Eremit der im Besitz der Steine des Weisen ist...

Frage: Sie meinen wohl Stein der Weisen ?

Yuan Chu: Nein, den kenne ich nicht. Aber den Weisen hab ich einmal auf dem Fischmarkt in Kunming (Yunnan) getroffen. Er hat seinen Stein dort an der Straße auf dem Gehsteig verkauft. Ein altes Erbstück aus der Zeit der Streitenden Reiche. Ich habe ihn gefragt, ob er denn keine Angst habe, eine kulturelle Antiquität von vor '49 offen am Straßenrand zu verkaufen, wo es doch durch Politbüro und Zoll strafbar ist, aber er sagte er verkaufe den Stein das schon seit der Kulturrevolution, und sei noch nie erwischt worden.

Außerdem bot er mir noch einige innen bemalte Schnupftabaksfläschlein aus der Yuan-Dynastie an (eines sogar, das Dschingis Khan gehört hatte) und eine AUTHENTISCHE Haarlocke von Buddha. Ich fragte ihn, ob Buddha nicht wie alle Buddhisten einen Kahlkopf hatte, und er antwortete, daß die Locke noch aus Buddhas Jugend stamme, als er den Buddhisten noch nicht beigetreten war.

Das überzeugte mich schließlich, und ich kaufte ihm alle seine Weisen-Steine (er hatte noch eine Kiste voll dabei wie sich herausstellte) gegen einen Sonderpreis ab, und noch ein paar andere Antiquitäten wie die persönliche Teekanne des Gelben Kaisers mit Filtereinsatz, und den AUTHENTISCHEN Sattel von Lao-Tses Esel mit dem er über den Kunlun-Paß geritten war...

Frage: War das nicht ein Wasserbüffel ?

Yuan Chu: Ha, das glauben Sie ? Ein reiner Mythos. Im Himalaya gibt es doch auf 4000m Höhe gar keine Büffel. Das ist wie mit Buffalo Bill, dem einzigen Büffeljäger, der nur Bisons zu sehen bekam.

Frage: Apropos Gelber Kaiser (2698-2589 v.d.Z.), aus welcher Zeit stammt denn nun das Nei Jing eigentlich ? Aus der Zeit des Gelben Kaisers selbst oder aus der Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v.Z.) wie meist angegeben ? Kürzlich habe ich gelesen, das die heutige älteste Kopie des Nei Jing erst viel später, nämlich aus dem 8.Jh stammt.

Yuan Chu: Also erstmal zum Gelben Kaiser, der ist nämlich gar nicht so alt wie alle glauben. Ich habe Zuhause eine Nachrichten-Bambusrolle aus der Zeit der fünf Kaiser (26.-22. Jh.v.Z.) die zeigt den Kaiser an seinem 10. Geburtstag auf dem Titelblatt und was glauben Sie was das Datum ist ? Es zeigt den ersten Tag des vierten Monats des Jahres 2808 vor der Zeitrechnung, also hundert Jahre später als angenommen. Außerdem war der gelbe Kaiser eher rothäutig mit einem Stich ins grüne. Sie sollten also nicht alles glauben was sie in China so zu lesen bekommen. Oft sind die Autoren beschönigende Anhänger des Tao von Mao...

Frage : Ahem. Wie heißt es denn nun eigentlich im Richtig ? Die fünf Elemente oder Wandlungsphasen oder Wandlungszustände oder wie sonst ?

Yuan Chu : Zustände! Zustände bekomme ich immer wenn ich lese "auch fälschlich Elemente genannt" o.ä. wie in einer gewissen deutschen Aku-Homepage. Der Streit um des gelben Kaiser Bart sage ich.

Auf Chinesisch heißt das fälschlich Wu Xing, in Wahrheit aber muß es WU HANG heißen, da das Zeichen auch so gelesen werden kann. Die Wu Hang (Fünf Händel) sind Yin Hang (Goldhandel), Hua Hang (China-Luftfahrt-Handel), Hang Ten (Kleiderhandel), Hang Zhou (Tourismus) und Hang Downyerheadtomdooley (Musikindustrie). Aber was kümmert einen Taoisten schon diese Zahnseidenspalterei ?

Frage : Ein gewisser Herr Flaus, der Chef vom Verlag für blaue Opiumsamenkapseln (Blow Puppies) in der neuen Welt behauptet, die TCM sei eine moderne Stilrichtung der chinesischen Medizin und ein historischer Professor aus München meinte sogar, sie sei ein Konstrukt aus den postrevolutionären Zeiten. Auch habe ich gehört, daß die Ba Gang erst seit dieser Zeit angewendet wurden. Stimmt das ?

Yuan Chu: Die chinesische Medizin war schon immer eklektisch und heterogen. Sie ist es auch heute noch, in aller Unschuld. Punkt. Die verschiedenen Ansätze und Theorien wurden zwar in den 50ern -das ist richtig- zu einer an Hochschulen unterrichtbaren Theorie zusammengefaßt, die einheitlich aussieht, was ihrer Eklektizität aber keinen Abbruch tut. Wenn Ihnen das Probleme macht, gehen Sie doch nach drüben, Mann.

Frage: Stimmt es, daß die Chinesischen Arzeimittel keine Nebenwirkungen haben ?

Yuan Chu: Im Prinzip ja, aber nur bei Amöben und anderen unkomplizierten Organismen. In einem etwas komplexen System wie dem unseren ist es eher wie die Buddhisten sagen, "man zieht an einem Grashalm und der Rest des Universums bewegt sich mit." Allerdings muß eine Wirkung die neben der Hauptwirkung existiert nicht unbedingt eine schlechte Nebenwirkung sein.

Wer aber auf Nummer sicher gehen will, für den gibt es schon seit längerer Zeit in Hong Kong gewisse Produzenten chinesischer Arzneimittel, die aus Rettichwurzeln Ginseng herstellen und aus Kehricht Moschuspulver. Diese Art Fertigarzneimittel haben meist keine Nebenwirkung, da sie auch keine Hauptwirkung haben.

Frage: Was genau sind denn die Unterschiede zwischen Sifu und Shi Fu, und was ist ein taoistischer Großmeister ?

Yuan Chu : Shifu heißt auf kantonesich und taiwanesisch, also im Süden Sifu, weil sie dort kein "SCH" aussprechen können. Es bedeutet einfach (Lehr-)Meister und ist heutzutage im Norden eine höfliche Anredeform, so wie z.B. in Tianjin jeder Kohlenlieferant, Taxifahrer oder Müllmann, d.h. jeder der mit den Händen arbeitet als Shifu angeredet wird, und wie jeder Weißkragenarbeiter mit Laoshi (Lehrer) und jede im Service tätige weibliche Menschin dort mit Dajie (Große Schwester) tituliert wird.

Zu Kaisers Zeiten gab es zwei Schreibweisen für Shifu eine mit FU (=Meister) nach Shi (Lehrer), also Lehrmeister, die die heute gebräuchliche Form (s.o.) ist. Die andere Form verwendete das Zeichen FU für Vater, (also im Sinne von Doktorvater, Lehrvater) was also eine Schüler-Lehrer-Beziehung nahelegte.

Ich selbst bin ja nun ein Meister in Lebensgröße oder noch größer. Sagen Sie am besten Überlebensgroßmeister zu mir! Was die deutsche Bezeichnung Meister angeht, so gibt es in China kein Patent darauf. Jeder darf sich Meister nennen, wie er lustig ist, oder auch Großmeister oder "Riesengroßmeister", meinetwegen sogar GRÖMAZ (Größter Meister aller Zeiten)...

Frage: Mir ist zu Ohren gekommen, daß früher jeder Chinese im Westen ein Chinarestaurant aufmachte, egal wie gut oder schlecht er kochen konnte. Neuerdings sei es aber so, daß jeder Chinese (oder auch chinesisch aussehende Ceylonese) eine Akupunkturpraxis aufmachen würde, egal wie schlecht...

Yuan Chu: Also momentmal. Sie wollen doch nicht etwa behaupten, daß es auf der Welt auch nur einen Chinesen gibt, der schlecht akupunktiert ? Das ist ja Rassismus! Sie wissen wohl gar nicht, daß das Akupunktieren und Verschreiben von Kräuterrezepturen jedem Chinesen in die Wiege gelegt ist, ebenso wie jeder Amerikaner mindestens mit Mittelstufekenntnissen in Baseball geboren wird und jeder Schweizer mit einem Jodler auf die Welt kommt...

Frage: (Schluck) Woran erkenne ich denn dann einen guten Taoisten, Qi-Gong   Meister oder Akupunkteur, wenn nicht an seiner Hautfarbe ?

Yuan Chu: Ganz einfach. Halten Sie Ausschau nach Leuten die DAS TAO™ oder TCM© auf die Stirn tätowiert haben, zumindest aber auf dem T-Shirt. Sie erkennen Sie auch leicht daran, daß sie Ihnen gerne bestätigen, daß sie die einzig WAHRE Stilrichtung beherrschen, wohingegen alle andern nur UNWISSENDE Stümper sind. Der Informationsfluß dieser Leute ist offensichtlich ausschließlich semipermeabel.

Wenn sie diese Leute und ihren Standort genau ausgemacht haben, stellen Sie sich diese als das gedachte Zentrum eines Kreises vor, und schätzen Sie wie weit der Kreisbogen vom Zentrum entfernt ist. Multiplizieren sie diese Distanz mit 3,14 und schlagen sie in dieser Entfernung einen gedachten GROSSEN Kreisbogen um diese Leute.

Der Rest der außerhalb dieser Bögen befindlichen Leute ist in der Regel recht umgänglich und bereit mit Ihnen Informationen in beide Richtungen auszutauschen. Tauschen Sie und Sie werden was lernen ! Nicht das ich was gegen professionelle Arroganz habe...

Frage: Welche Ausbildung in China würden Sie einem ernsthaft an TCM interessierten Therapeuten empfehlen?

Yuan Chu: Drei Semester Bürokratie, im Nebenfach Intrigenstategie und Nepotismus und einen Abschluß als Millionär um die hungrigen Mäuler der TCM-Schulen zu stopfen. Oder aber lernen sie einen seltenen Dialekt und kaufen ein gefälschtes Dauervisum und assistieren drei Jahre in der Landpraxis eines lokalen Dorfarztes, der ihnen von den Einheimischen empfohlen wurde, dann lernen Sie zumindest etwas handfestes... Da fällt mir ein, da Sie so nett zu mir sind, kann ich Ihnen ja auch einen Gefallen tun. Ich bringe Ihnen nächstes Wochenende DIE CHINESISCHE MEDIZIN bei, und gebe Ihnen noch eine handvoll Diplome mit den echten Stempeln von Deng, Peng und Meng dazu. Alles für nur USD 1999.- Interesse ?

Frage: (Ächtz) Ist es demnach also besser die Ausbildung im Heimatlande bei einer der TCM-Gesellschaften zu machen, statt die Kosten und Zeit aufzuwenden nach China zu fahren ?

Yuan Chu: Hm, das kann ich reinen Herzens jedem empfehlen, der gute Erfahrungen mit dem Telekolleg "Appendiktomie I und II (Jetzt auch als Internetkurs) nur DM 1999.-" gemacht hat.

Frage: Sie scheinen weder Ausbildung für Ausländer in China noch die in Deutschland besonders zu empfehlen, wenn ich das richtig verstehe. Was soll ein strebsamer TCM-Student also tun, um wirklich gute chinesische Medizin zu lernen ?

Yuan Chu: Meinen Sie das im Ernst?

Antwort: Ja, natürlich. Und ich würde mich sehr über eine klare Antwort freuen!

Yuan Chu: Na gut, dann will ich Ihnen mal eine Freude machen: Zuerst sollte man sich "gute" Übersetzungen und Literatur zur TCM verschaffen, die Auswahl in dieser Homepage kommt schon in etwa hin. Die ganzen theoretischen Grundlagen, Diagnose, Akupunkturpunkte, Arzneimittel, Rezepturen und die Therapie muß man dann –daran führt kein Weg vorbei– pauken, pauken, und nochmals pauken, bis man sie größtenteils intus hat. Das kann alles zuhause geschehn oder in Osterhauderfehn. Dann sollte man sich für mindestens zwei Jahre die Zeit nehmen praktisch am Krankenbett unter einem erfahrenen TCM-Arzt arbeiten –egal ob aus Grönland, Gustavsburg oder Guanzhou und die Theorie mit der Praxis verquicken. DANN und erst dann, darf sich meiner Meinung nach einer als TCM-Therapeut bezeichnen. Das ist ein großer Aufwand und ein langer Weg, aber deshalb gibt es ja auch nur ein paar davon...

Frage: Nun nochmals im Ernst, bitte, Herr Wan: Wen halten Sie denn für die besseren Akupunkteure, die Ärzte oder die Heilpraktiker ?

Yuan Chu: Der Genosse Deng Xiao-Ping hat einmal gesagt: BU GUAN, SHI HEI MAO HUO SHI BAI MAO, NENG ZHUA LAOSHU DE MAO, JIU SHI HAO MAO. (Nichts macht, ist schwarz Katz oder ist weiß Katz, kann fangen Maus die Katz, genau das ist gut Katz).

Hingegen ist ja wohl jedem ganz klar, daß von beiden Geschlechtern nur eines durch dessen superiore Intelligenz bessere Voraussetzungen zum Ausüben der Akupunktur mit und ohne Berufung hat. Das andere ist ziemlich doof, auch in der Akupunktur, jawoll.

Frage: Was? Meinen nun die Frauen oder die Männer ?

Yuan Chu: Genau. Ich sehe, Sie verstehen meinen Vergleich.

Frage: Aha. Und welche Therapieform ist denn nun effektiver in der Therapie: Akupunktur oder Arzneimittelverschreibung ?

Yuan Chu: Das kommt darauf an. Wenn Sie links vom Eingang stehen, ist Akupunktur besser und wenn Sie recht davon stehen, würde ich Ihnen eher zur Arzneimittelverschreibung raten.

Frage: Was denn für ein Eingang ?

Yuan Chu: Exakt. Ich sehe, Sie denken auch hier wieder mit.

Frage: Woher nehmen Sie eigentlich die Frech...'tschuldigung - Freiheit, sich als Meister der Chinesischen Medizin herauszustellen, der offenbar die Weisheit derselben mit Löffeln gefressen hat ?

Yuan Chu: Von Zhuang-Zi, Wai Pian, Qiu Shui (Teil "Äußere Kapitel", Kapitel Wasser des Herbstes), Abschnitt Sechs. Schauen Sie doch mal nach....

Frage: Sind Sie eigentlich als taoistischer Eremit nicht an Schweigen gebunden ?

Yuan Chu: Bin eigentlich ich als eremitischer Taoist an irgendwas nicht gebunden ? (...Schweigen)

Frage: Ich habe kürzlich in einem deutschen Buch über chinesische Medizin Fallbeispiele gelesen, die u.a. schreiben "TCM-Anamnese: Konstitution leptosom (xu, Leere),...Hämorrhoiden (Blut wird von Milz nicht beherrscht, pi bu tong xue),... leicht ermüdbar (Milz-Zeichen)" usw. Ein anderer Autor schreibt gar "Eisenmangelanämie (Leberstauung)" Ist das nicht etwas zu stark vereinfacht als TCM vs. Schulmedizin-Entsprechung ?

Yuan Chu: Kommt daruf an. Wenn Sie z.B. finden, daß eine Aussage wie "Die Lösung des Welthungerproblemes liegt darin, den Leuten mehr zu Essen zu geben." ebenfalls als stark vereinfacht empfinden, dann würde ich unbedingt bejahen.

Sie können auf eine Liste schreiben "George Bush (USA)" ohne fehlzugehen, schreiben sie aber "G.N. , geboren im März (Widder)" so ist das schon nicht mehr so sicher, weil es noch eine Möglichkeit gibt, nämlich Fische. Schreiben Sie aber James Bond (Sean Connery), so ist das nur noch unter bestimmten Bedingungen richtig, es könnte ja auch Roger Moore oder Pierre Brosnan heißen. Ebenso könnten Hämorrhoiden auch durch Hitze oder Nässe und Ermüdbarkeit auch durch Nässe entstehen ätzetera...

Ergo: Wenn in einem als Lehrbuch ausgewiesenem Buch etwas steht wie "Patient ist kräftig gebaut (shi)" dann ist das ziemlich irreführend, da man eine Beziehung herstellt, die gar nicht existiert. Heißt das nun, das alle Dicken unter Fülle-Zuständen leiden, oder das alle Leptosomen der Leere zuzuordnen sind ? Oder Schlimmer noch: Hat nun jeder mit dem Muster einer Leber-Stauung auch eine Eisenmangelanämie ? Solche gefährlichen Vereinfachungen sind die Schnellstraßen zur Kochbuchakupunktur (man nehme...) und zum völligen Fehlverständnis der Diagnosefindung. Wenn einer unbedingt seine gesammelten Krankenakten auslegen will, sollte er sich vielleicht lieber auf Aussagen wie "akute gelbe Leberdystrophie (ungesund)" beschränken und die Interpretation entweder näher erklären oder dem Leser gänzlich selbst überlassen. Mei, bin ich heute wieder ernst...

Frage: Halten Sie die Chinesische Medizin eigentlich für wissenschaftlich ?

Yuan Chu: Hmm. Diese Frage erinnert mich an ein Frühwerk Needhams in dem er schrieb, daß das Yi-Jing (auch I-King, I-Ging oder meinetwegen Du-Gingst) als Hemmschuh dafür verantwortlich zu machen seie, daß sich die chinesische Wissenschaft nicht auf die gleiche schöne forschend-faustische Weise weiterentwickelt habe, wie die westliche. Ich würde sogar noch einen Schritt gehen und sagen, daß die sture Weigerung der Chinesen ordentlich deutsch miteinander zu reden wie wir alle, dafür verantwortlich ist, daß sich die Sinologen einen abbrechen müssen, wenn Sie in Peking auf dem Gemüsemarkt Möhren kaufen wollen und dann doch wieder nur Rettich bekommen.

Verstehen Sie was ich meine ?

Frage: Nein... ?

Yuan Chu: Dachte ich mir. Also ganz im Ernst: Wenn ich heute die Spielregeln dafür, was richtig ist und was falsch, selber aufstelle und sage: Alles was nach meiner Definition wissenschaftlich ist, ist wahr und gut edel und was die anderen sagen, paßt nicht da rein und ist demnach falsch und böse und stinkt, dann ist es ja wohl kein Wunder, wenn ich immer als Spielgewinner hervorgehe, oder ?

Die kausalanalytische Denkweise wie sie in der Wissenschaft benutzt wird, ist zwar in vielem nützlich und effektiv, das heißt aber noch lange nicht, daß z.B. eine induktiv-synthetische, also vernetzte Denkweise wie in der TCM benutzt, weniger gut ist, sie ist nur anders.

Im heutigen China mühen sich viele Wissenschaftler ab, die ganzen Arzneimittel nach pharmakologischen Gesichtspunkten zu analysieren, die klinischen Wirkungen statistisch zu erfassen und alles noch im Tierversuch nachzuweisen. Das ist so, als würden Sie Picassos Bilder statistisch analysieren und nach logischen Gesichtpunkten von einem Computer neu malen lassen. Sicher beides geht natürlich, und stopft auch die Mäuler der westlichen Frager, die zur TCM immer nur zu sagen haben: "Ist das denn auch wissenschaftlich ?" Als sei Wissenschaftlichkeit die unantastbare allgegenwärtige heilige Kuh, der sich alles unterwerfen muß.

Es gibt aber unter den TCM-Ärzten in China auch das andere Lager, die Tierversuche damit ablehnen, daß sie sagen: Jetzt hast Du im Tierversuch also beweisen, daß du Karnickel aus dem Schockzustand holen kannst, wenn Du nur mit der Akunadel kräftig genug den Ren-Zhong stimuliert (LG 26, Mitte des....Hasen?) und deutlich den Blutdruck erhöhen kannst. Na, toll. Das wußte der gelbe Kaiser aber auch schon vor 2000 Jahren. Bloß - unser Objekt ist und bleibt der Mensch, auch wenn du jetzt eine Karnikelklinik aufmachen könntest. Wozu also die Mühe ?

Euer Paracelsus hat ja auch schon gesagt: Wer heilt hat recht. Die Empirik kann zwar nicht erklären, wieso, aber für den Kranken und seinen Behandler, steht ja wohl erst mal die Genesung im Vordergrund, und zwar des Menschen und nicht des Kaninchens, oder nicht ?

Frage: Sie scheinen ja für die Tiere nicht viel zu empfinden, wenn Sie sie als so unwichtig darstellen. Wie stehen Sie denn dann zu dem entsetzlichen Abschlachten der Nashörner, Tiger und Moschusochsen ?

Yuan Chu: Hier wurde mal wieder das Kind mit dem Bademeister ausgeleert. Diese Schwarzweißmalerei ist typisch für die westlichen Intellektuellen! Erstmal wird ist der Moschusochse kein Ochse sondern eine Art Rehwild, dessen männliches Mitglied jedes Jahr eine Duftdrüse bildet, um die Weibchen zu becircen. Da diese leicht entfernt werden kann, und sich dennoch jährlich neu bildet, werden schon lange keine Moschushirsche mehr umgebracht. Punkt.

Was Tigerknochen und Nashornhörner angeht, so bin auch ich dagegen, diese Tierarten zu gefärden oder auszurotten, nur weil ein paar reiche alte Knacker der chinesischen Community aus Hong Kong, Taiwan, Thailand oder Singapur glauben als was teuer ist, ist gut für die Potenz.

Traditionell wurden Tigerknochen bei schmerzhaften rheumatischen Erkrankungen und Nashörner bei hohem Fieber und Schlaganfällen eingesetzt, was auch jahrhundertelang keine Probleme erzeugte. Durch die Massentötungen mit moderen Waffen aus der ersten Welt, die Geldgier der Händler und die Dummheit der Käufer wurden diese Tierarten innerhalb von wenigen Jahrzehnten dezimiert. Das sollte gestoppt werden, richtig. Es ist aber nur die eine Seite, die Sie immer wieder zu hören bekommen.

Die andere Seite ist, daß wenn radikale Tierschützer und deren Organisationen die Regierungen in Peking und Taipei zu solchen öffentlichen Show-Verbrennungen dieser nunmehr illegalen Arzneimittel zwingen, dann werden die Händer noch mehr neue Tiere töten um für Nachschub zu sorgen, die bereits toten werden auch nicht davon lebendig und im Dschungel der Grenzgebiete zu Burma und Vietnam, wo keine modernen Fiebermittel hingelangen, sterben dafür Kinder an Fieber und deren alte Väter an Schlaganfällen. Aber das sieht ja keiner und erzählt Ihnen auch keiner.

Hätte man diese Arzneimittel stattdessen unter staatlicher Aufsicht in deren Einsatzgebieten belassen, und als verschreibungspflichtige Notarzei aufbewahrt, dann wären damit Menschenleben zu retten gewesen anstatt nur ein paar intellektuelle Mütchen zu kühlen. Gleichzeitig hätte man eine Aufklärungskampagne machen können, um vorallem die reichen Käufern im Ausland zu überzeugen, daß Rhinohörner und Tigerknochen keine Potenzmittel sind. Die ganze Aktion ging also völlig am Ziel vorbei. Außerdem und sowieso (geifer!) und unerhört (spratz-spotz) und wie kann man nur (ereifer-ereifer), völlig losgelöst von der Realität (brüll!) - nieder mit der Schwerelosigkeit ! Es lebe der LEICHTTTSINN!!!!

Frage: Ja, äh Herr... Herr Chu, hallo...

...verbrennt die westlichen Intellektuellen oder zündet wenigstens ihre Müslinäpfe an! Macht Biomüll aus Ihnen. Schießt den blauen Umweltengel ab! Streicht den grünen Punkt schwarz an (und zwar dreimal auf gelbem Grund in Dreiecksform) Hetz! Zeter! Wüt! Tob! &*%#$#@mail#!!

Frage: ... hallo ? Meinen Sie das jetzt im Ernst ?

Yuan Chu: (im Ernst) Nun, ich habe mir zumindest vier Absätze lang große Mühe gegeben, ernst zu bleiben, da mußte ja sowas kommen, als taoistischer Balanceact in die andere Richtung, oder finden Sie nicht ?

Frage: Keine Fragen mehr (sagt mein Chef). Herr Chu - wir danken für dieses Gespräch.

ACHTUNG: SATIRE! HERR YUAN CHU IST IN WIRKLICHKEIT EIN LIEBENSWERTER, NETTER ZEITGENOSSE, KATZENFREUND UND ONKEL VON DREI NEFFEN, DER ZYNISMUS NUR GELEGENTLICH (VORWIEGEND AN LANGWEILIGEN SONNABENDEN) AUSÜBT UND ALLES GAR NICHT BÖSE MEINT. JEDE ÄHNLICHKEIT MIT TATSÄCHLICHEN PERSONEN ODER PERSONENGRUPPEN ODER ZUSTÄNDEN IST IRGENDWIE GANZ ZUFÄLLIG UND VÖLLIG UNBEABSICHTIGT ZUSTANDEGEKOMMEN (habe keine Ahnung, wie) UND SOLL DOCH BITTE IGNORIERT WERDEN, GELL...

Wer aber dem alten streitbaren Chu mal die Meinung sagen, oder sich zu einem der angeschnittenen Themen äußern möchte, ist willkommen dies unter "yuan chu" TCM@TCMinter.net zu tun. Wir leiten die Post weiter und veröffentlichen sie hier im Diskussionsforum.

Eine weitere Motzerei von Yuan Chu findet sich hier: Motz Zwei