YUAN CHU lästert wieder: Teil 2 - Die Klöpse des Jahres

Liebe Slaven und Azubis im Tao,
die BINDUNG and MEISTER (das bin ich) ist das WICHTIGSTE im QI-Gong. Lediglich die  Bindung eures Geldbeutels an Mein Bankkonto ist noch wichtiger! Da nun die BINDUNG an den MEISTER selbst im deutschen Internet dreist propagiert wird, möchte ich ja auch nicht ganz mittellos beseite stehen, ohne in den gleichen Geldtopf gegriffen zu haben. Aber warum auch nicht den alten "Guru"-Trick anwenden ? Der Papst hat ja auch ein Dogma und den direkten Draht zum Chef. Die Meister, die das Tao mit Löffeln gefressen haben, füllen ja nur die gähnende Marktlücke.

Apropos Qi-Gong: Wenn ihr das nächste Mal eure sechs heiligen/heilenden Laute übt (wörtlich: "Liu zi jue" = Trick der sechs Worte, also weder heilend noch heilig) denkt daran, das es im Huang Ting Jing heißt, das diese Laute ausatmend gesprochen sedierend/ausleitend und einatmend gesprochen tonisierend/stärkend wirken. Macht mir also mal alle vor, wie ihr den Nieren-Laut "Tschuii" rückwärts beim Einatmen aufsagt, aber verschluckt euch nicht!
Sollte es vielleicht daran liegen, daß das chinesische Zeichen für "Tschui" einfach nur "blasen" bedeutet? Das ist vielleicht der siebte Trick, oder? Tja, schade, daß es kaum Meister aus der VR China gibt, die einer wörtlichen Überlieferung folgen, sondern daß die neuen Meister nach der Kulturrevolution zu 98% ihr Wissen aus Büchern erlernten. Dort heißt es nämlich nur knapp: Für das Herz He, für die Lunge Sss (und nicht SE) usw. und für die Niere blasen (=Tschui). Pech gehabt, mit dem Bücherwissen, was ? Aber die doofen Langnasen merkens ja doch nicht, hehehe...
Apropos nix merken, vor einiger Zeit habe ich von einigen Qi-Gong Schülern gehört, daß sie beim Qi-Gong immer zitterten. Gefragt, was es damit auf sich habe, antworteten sie stolz, das sie exakt der Stil, der ihr Meister ihnen beibringe. Ich habe den Meister danach gefragt, und sagte mir, er leide schon seit 5 Jahren unter Parkinsonismus (Schüttellähmung), aber es sei ihm peinlich, seinen Schülern dies zu sagen, wo sie doch so stolz auf "ihren Stil" seien. Nur gut, daß er nicht unter Epilepsie litt, was ?

Schmerz laß nach: Neulich fragte ich den Chefarzt einer renommierten Klinik, nach seinen Erfahrungen mit westlichen Akupuntur-Praktikanten. "Die sind schon in Ordnung" sagte er, "bloß die Patienten haben eine panische Angst von denen gestochen zu werden.Sie beißen aber die Zähne zusammen und sagen nix, um das Gesicht nicht zu verlieren."

AHA! Dachte ich gleich: Daher kommt also die Mär von der geringeren Schmerzempfindlichkeit der Chinesen! Der gelbe Patient als Versuchskaninchen für Neulinge, die sich im eigenen Lande nicht zu stechen wagen. Zu dumm auch, daß die chinesischen Nadeln nicht silikonbeschichtet und 0.2-0.3mm dick sind, also 2-4 mal dicker als das, was der westliche Arzt meist so gewohnt ist. "Die Einstichtechniken sind meist nicht sehr weit entwickelt, bei unseren westlichen Kollegen, wenn sie aber sehen, wie wir hier Dreh- und Hebetechniken verwenden, machen sie es gleich nach" erklärte der Chefarzt weiter. Experimentierfreudinkeit ist ja was schönes, denke ich insgeheim, solange man merkt ob sich das Unterhautgewebe um die Nadel wickelt oder nicht... (autsch!)
Was jetzt auch ganz in ist, ist die westliche Akupunktur-Schmerzforschung, in China längst ein alter Hut, aber es kann ja keiner die seit 40 Jahren angesammelten Kubiktonnen von Forschungsberichten lesen, schade. Nur -- selbst wenn dem so wäre, es glaubt ja keiner was die Chinesen sagen, ja sogar wenn die Amerikaner schon das gleiche gemacht haben, die Europäer machen's sicherheitshalber lieber nochmal. Das ist dann eben deutsche Gründlichkeit. Oder französische. Oder englische. Oder belgische. Wenn's nicht so teuer wäre, würden wahrscheinlich alle westlichen Nationen noch mal selbst zum Mond fliegen, nur um sich davon zu überzeugen, daß er wirklich rund ist. Aber Forschung ist ja billiger als Mondflüge - oder ???

Im Land des Röchelns, (wo die Asthmaquote weit höher ist als in China und jetzt ein paar Schlaumeier auch noch herausfinden wollen, wie gut die Erfolgsquote mit Akupunkur ist. Fragt doch mal die WHO, Jungs, und erforscht lieber ob Akupunktur auch bei professioneller Borniertheit hilft) ist die historische Bedeutung der Akupunkur wahrscheinlich der GAU (größter angenommener Unsinn): Während man dort die Akupunktur für das Gelbe vom Ei der TCM hält, wurde sie in China historisch meist mit der Kunst der Feldschere und Barbiere gleichgestellt, da sie mühelos erlernbar ist und zu den äußerlichen Therapien gehört. Das glaubt mir keiner, was ?

Dann laßt Euch mal die klassische Literatur der chinesischen Medizin kreuz und quer übersetzen: Unter den hunderten der klassischen Werke finden sich gerade mal 5 (fünf!) Bücher über Akupunktur, die als relevant eingeordnet wurden und werden. Selbst die großen lexikalischen Kompendien, wie z.B. Sun Si-Miaos "Qian Jin Yi Fang", die alles damals bekannte aus der Medizin, einschließlich wie man sich gesund badet, wohnt und ernährt aufführten, verwiesen die Akupunktur nicht etwa ins erste Kapitel, sondern ins letzte unter "ferner liefen". Alle anderen berühmten Autoren erwähnen die Akupunktur erst gar nicht. Erst nachdem in den 70ern die großen Nasen das große Geld brachten, wurde sie überhaupt als Forschungswürdig angesehen und weiter gefördert. Noch heute zählt sie aber zu den Therapien die mit wenig Aufwand zu lernen sind, so hat man sie neuerdings an den Unis mit der Tui-Na-Massage zusammengeworfen, damit der Lehrplan etwas dicker aussieht.

Nicht das ich hier der Nadelstecherei ins Zeug flicken will, sie ist in ihrem eigenen Wirkbereich eine effiziente Therapie (wenn man sie beherrscht), doch soll sich bitte keiner vor einem chinesischen Arzt aufplustern und meinen, bloß weil er ein paar Punkte auswendig kann, er wäre nun donnergescheit. Wenn einer wirklich wissen will, wieviel Wissen und Auswendiglernen von einem TCM-Internisten verlangt wird, soll er sich doch bitte mal das Curriculum der Studenten in China anschauen. Und das müssen die ständig im Kopf haben, nicht nur bis zum nächsten Examen. Wenn deutsche Behörden die fünfjährige Ausbildung eines chinesischen TCM-Arztes nicht anerkennen, weil er "nicht lange genug" studiert hat, so bestätigt das nur deren Unwissenheit, in dem sie Quantität vor Qualität setzen. Aber das ist ja auch besser so: Wenn man nämlich den gleichen Anspruchsmaßstab wie in China anwenden würde, so gäbe es in Deutschland keine drei Therapeuten, die eine solche Prüfung bestehen würden…

gez. Yuan Chu

Die neusten Motzereien des Meisters finden sich unter Yuan Chu 3

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Letzter Update: 02 May 2003