Yuan Chu 5: Abdomen est Nomen- Namen sind Schall und Rauch- und meinem kranken Nachbarn auch…

Hallo liebe Studenten Leute und Opfer der alten unreformierten Rechtschreibung!
Heute möchte ich, ganz im Sinne des verehrten Konfuzius, die Namen und ihren Sinn wieder einmal richtigstellen (Ming Ming und Ming Yi). Fangen wir, wie auch sonst gewohnt, mit dem Osten an, weil da ja bekanntlich die Sonne öfters aufgeht.

Lassen wir uns nicht von unserer Neugier ablenken und beschäftigen uns zunächst wieder mit meinem Lieblings-HASS-Thema, der Reklame:

Wer in Tianjin öfter mal die Geschäftsreklame über den Türen liest, und des Chinesischen nicht mächtig ist, wird sich vielleicht über exotische Namen wie TJASXDDND oder NKQKJDLGS wundern, und verwundert im Ausspracheverzeichnis nachschlagen. Doch nicht verzweifeln: Es handelt sich hierbei um die Abkürzungen (Monogramme) des in Pinyin geschriebenen Geschäftsnamens. TJASXDDND steht also für Tian Jin An Shan Xi Dao Dian Nao Dian und so weiter. Ach so… Aber mit Buchstaben ist es gar nicht so einfach, so wie für uns mit den Zeichen. So deutete einst ein Mann an der Uni stolz auf das Schild, auf dem es oben in chinesisch hieß, das hier das auf den Boden Spucken verboten seie, und darunter deutlich zu lesen in "ausländisch" (d.h. in Buchstaben) stand "Buzhuntutan". Ich habe mich daher strikt daran gehalten. Ein Drittes Beispiel ist ein Schild eines Maßschneiders in Hunan. Sein Werbehinweis sagte deutlich: UFTXNAHSNAHS. Wird das nun auf der ersten oder auf der letzten Silbe betont, fragte ich mich, geistig zwischen UFTxnahs-nahs und uftxnahs-NAHS hin und herwechselnd. Die Lösung war, das der Schneider die chinesischen Zeichen wie auch das Pinyin darunter auf traditionelle Weise von rechts nach links schreiben ließ. Es heißt also Shan Shan Xi Fu, wie die Zeichen darunter sagen.

Bild: Hier sehen wir wieder ein Beispiel für die ungeschlagene Produktivität der Hongkonger, die mit Hilfe der Rotchinesischen Atombombentechnik zustande gebracht haben, wovon die Amerikaner nur träumen können: DAS ATOMARE KLISTIER! (Yuan zi wan chang) Auf dem Bild der Packung sehen wir, wie die aufgeregten Moleküle um das symbolisch bereits eingeführte Klistiertier herumschwirren und sich spalten. Wie das nun genau funktioniert, bleibt bis zur nächsten Spionageaffäre sicher ein Geheimnis, aber ich möchte nicht in der Nähe sein, wenn eins appliziert wird. Vermutlich geht das SO aus:

Arzt: Wie geht es ihnen heute, Mister Lee ?

Patient: (zerknirscht) Ach, Herr Dokter, ich habe immer noch keinen Stuhlgang, …

Arzt (selbstsicher): Kein Problem, ich habe da ein neues Muster. Bitte lassen Sie die Hose heunter und entspannen Sie sich..

Patient: Ffffft-….BROOOOOOOOOOUUUUUUUUUMMMMMMSHSHSHSHS!!!!!!!!!

Radio: Die amerikanische Spionagesatellit X-12 hat soeben berichtet, das Hong Hong und Teile von Makao vom Radarschirm verschwunden sind. Das Verteidigungsministerium dementierete sofort jegliche Beteiligung an der Atomisierung der 24 Konsulate und schob die Schuld dem Syrischen Regierungsoberhaupt Gadhaffi zu.

Aber auch die innovativen Taiwanesen lassen sich einiges einfallen, um das mühsame Herumfuddeln mit der Baumwolle durch moderne Technologie zu verbessern. Wie wir im nächsten Bild sehen, werden die Cotton-Söckchen jetzt aus 100ig reinem (sicher geklontem) Nylon hergestellt. Da staunst du, Dolly, was?

Wer morgens in China die Qi-Gong Enthusiasten bewundert hat, kennt auch den "Rückwärts-Geh-Qi-Gong" der verjüngend auf die verspannnte Beinmuskulatur wirken soll. Nachdem in China der Falun-Gong gerade als "teuflische Gehirnwäsche-Sekte" gebrandmarkt wurde, versucht die Regierung alles, um den Qi-Gong Enthusiasten ein neues Betätigungsfeld zu finden. Auch Singapur läßt sich hierbei nicht lumpen. Dennoch übertreiben es die Singhalesen immer ein wenig mit ihrer Gesetzgebung. Auch wenn es der Volksgesundheit zu Gute kommt, ich würde nicht immer alles Schlechte verbieten und alles Gute zur Vorschrift machen. GEHEN SIE RÜCKWÄRTS! DAS IST EIN BEFÄHL! Auch noch "by order", also wirklich...

Nun kommen wir zu den Guten Sachen aus dem Westen, die ich mir bis zum Schluß aufgehoben habe (hä-häää…).

Zunächst eine BUCHREZENSION ( auf gut Deutsch:  VERRISS!). Um meinen nach den 5 Wandlungsphasen holzartigen Charakter wieder einmal bestätigt zu sehen, habe ich mir für ganze 21 US-Dollar den Schmöker "Healing your Emotions" (als ob ich noch zu retten wäre..) von Angela und John Hicks (kein Gag, die heißen wirklich so) gekauft, das im Thorsons Verlag erschienen ist. Da ist von einer Kombination von NLP mit TCM und seiner 5-Typen-Lehre die Rede, damit man endlich weiß was man ist, und wo es einem fehlt. Ein kurzer Blick auf den Umschlag zeigt die bei Efrem Kornfield ("Heaven and Earth") geklauten fünf Elemente-Symbole, aber das ist o.k., Microsoft klaut ja auch wie die Raben. Daneben sehe ich auf den zweiten Blick die fünf chinesischen Zeichen Jin, Mu, Shui, Huo und Shi; also Metall, Holz, Wasser, Feuer und Gelehrter.
Gelehrter? Sollte da nicht Erde, also "tu" stehen, auch wenn die Reihenfolge nicht stimmt, aber wenigstens die Zeichen sollten doch stimmen, oder? Tss-Tsss!
Naja, Pech gehabt mit dem Halbwissen eines Cover-Layouters, die Jungs, das kann man ja keinem Autor vorwerfen, oder?
Ich schlage also auf und lese. Die Einführung. Erster Satz:

"Alex,a friend of us, went to a Chinese doctor for some herbs – (…) The doctor asked her questions about her health then took some minutes to carefully feel the 12 pulses on her wrist- an important part of traditional Chinese diagnosis." Sic!

Da hat also einer 12 Pulse am einen Handgelenk gefühlt, ganz toll. Schlägt alle Klassiker, hihi. Also sicher meinen die Autoren sechs Pulse pro Hand. Aber momentmal- das wären doch neun pro Hand, bei allen drei Pulsebenen  achtzehn. Oder hat er an jeder Hand nur ganz oben und ganz unten gefühlt? Oder differenziert er zwischen oben, Mitte, unten und "ganz furchtbar tief unten" und kommt dann doch insgesamt auf 24 Pulse ? 
Ich bin irritiert und schaue mal, was für Referenzen diese Leutchen so aufweisen. Aha! Schüler von Worsley mit eigenem College. Naja, die müssen schon was drauf haben, oder? Worsley hat ja immer die 5-Wandlungszustände betont und mit den 12 Pulsen meinen die sicher die 12 Meridian-Verbindungen der Pulse (sind aber eigentlich nur 11, aber was solls). Man muß den Leuten erstmal unkritisch entgegentreten. Nur so gewinnt man soviele Freunde wie ich, gute Freunde wie Lao Nei und mein Kater Mao, und …Lao Nei und…äh.

Naja, also weiter mit den 12 Pulsen.

Ich komme zum Kapitel über Holz und sehe, daß das Zeichen "mu" oben so ein putziges Häkchen hat, für das ein Kalligraphielehrer seinen Schüler mit dem Besenpinsel verdreschen würde. Es steht laut Autor für die Zweige des Holzes, während der Querstrich die Erde representiert, unter der die Wurzeln und der demnach unterirdische Stamm wachsen. Komischer Baum, denke ich, scheint es nur in Reading, UK zu geben.

Ich blättere zu den anderen Zeichen, Feuer und Wasser sind noch o.k., ich wäre aber nicht SO stolz auf meine kalligraphischen ersten Schritte, daß ich gleich veröffentlichen würde. Das wäre als würde ich meine Kinderzeichnungen auf der Kunstakademie ausstellen wollen.

Dann stoße ich auf Metall, Jin. Tjiiia, das wird schon so schräg kursiv geschrieben, aber nur wenn es der linke Teil eines Gesamtzeichens ist. Alleine stehend müssen die Balken gerade sein. Kunst? Vielleicht.

Schließlich finde ich unter "Erde", was mir langsam und bedrohlich als Vermutung mit Gänsehaut den Rücken heraufgekrochen war. Das Zeichen "Shi", für Gelehrter. Anschließend wird genau erklärt, was welcher Strich bedeutet, der untere Strich des Gelehrten steht für Felsbrocken und tiefe Erdschichten, der obere für alles oberirdisch wachsende, usw, usf.

Und auf einmal habe ich genug von dem Schmöker.

Der restliche Inhalt mag ja vielleicht o.k. sein, aber ich habe keine Lust irgendwelchen Leuten mit ihrer NLP-TCM-Kombinationstheorie zuzuhören, wenn sie es nötig haben, ihr Pamphlet mit ein paar dekorativen chinesischen Zeichen zu verschnörkeln, die dann falsch schreiben und mir dann deren Tiefe aus dem falschgeschriebenen Zeichen herauspuhlen wollen um mir kleinem Doofi damit über die Tiefgründigkeit der Chinesen zu referieren.

Bob Flaws mag dies zwar bestreiten, aber ich halte es für nicht notwendig Chinesisch zu können, wenn man TCM lernen will. Die Amerikaner können ja auch kein Latein (zumindest nicht aussprechen) und lernen trotzdem Schulmedizin. Wenn also einer was auf dem Kasten hat, muß nicht auch noch als Dreingabe seine Kalligraphie für Anfänger-Kurse mitverbraten. Dafür sind mir 21 US-Dollar doch zu teuer.

Links die Erde, rechts der Krieger oder Gelehrte...

Nach dem Buchveriss geht es weiter mit "Den NACHRICHTEN", jawoll.

  1. NEW YORK, Aug 17 (Reuters Health) – Chinese Herbal Remedy helps fighing autoimmune disease.
  2. The case of one 16-year-old lupus patient suggests that a Chinese herbal concoction could be effective against the autoimmune disease, according to researchers. The remedy, made from 21 different herbs, ``may contain some active pharmacological compound'' that reduces lupus symptoms, write researchers led by Dr. Hui-Kim Yap, of National University of Singapore. They published their case report in the August issue of Archives of Pediatric and Adolescent Medicine. (…)

    Yap and his colleagues describe the case of a 16-year-old Chinese girl whose lupus steadily worsened even though she had received standard prednisolone drug therapy since the age of 7.
    The researchers knew that traditional herbal concoctions had ``been used to treat rheumatic diseases (like lupus) for centuries in China.'' In fact, derivatives of many of these herbs form about 25% of the active ingredients found in conventional medications.
    The authors found that one herbal remedy suppressed overactive immune function in laboratory tests. Based on these results, they decided to test the effectiveness of the mixture in the 16-year-old patient.

    The investigators report that after 4 months of therapy, ''the patient's clinical and serological (blood test) features improved dramatically after starting therapy.'' Both her high blood pressure and swelling of tissues -- symptoms common in lupus -- disappeared.
    (…)The herbal concoction included plants such as Astragalus chinesis, Rehmannia glutinosa, and Eucommia ulmoides. Each of these herbs ``have been reported in the Chinese pharmacopeia to be active as antirheumatic agents,'' the authors point out. They are performing further testing to identify those compounds that may work to suppress immune activity, and reduce lupus symptoms.

    SOURCE: Archives of Pediatric and Adolescent Medicine 1999;153:850-852.

    So, da gibt der Kollege Yap also an, die Formel mit Huang Qi, Shou Di und Du Zhong habe die Symptome der Autoimmunkrankheit beseitigt. Wenn das arme Kind schon seit NEUN JAHREN katabolisch-immunsuppresives Prednisolon bekommt, kann ich ich mir schon vorstellen, das immunstärkende Mittel wie Astragalus ihren Zustand bessern. Abgesehen davon ist ein einziger Fall in der Forschung so beweiskräftig wie wenn mein Onkel Li mir erzählt, sein Geheimrezept wirke ganz doll aphrodi-asiatisch… Also wirklich von Kollege Yaps (sic!) Forschung in Singapur hätte ich schon etwas mehr erwartet.

    Aber schauen wir uns doch die Anti-TCM-Fraktion an, was die so zu bieten hat:

  3. NEW YORK, Aug 06 (Reuters Health) – Chinese Herbal remedy linked to kidney failure

Chinese herbal remedies used to treat eczema appear to be the cause of rapidly progressive kidney failure in two British women. The cases are described in the August 7th issue of The Lancet.

The preparations, used for 2 years by one patient and for 6 years by the other, were found to contain aristolochic acid, which was previously implicated in episodes of rapidly progressive nephritis (inflammation of the kidneys) that occurred in Belgium. The nephrotoxin comes from the herb Aristolochia, also known as Mu Ton (sic!) and Fanjii (sac!). (…)

``There are now over 3,000 clinics in the UK that prescribe Chinese herbal remedies for various disorders,'' Dr. Graham M. Lord and colleagues, of Hammersmith and Charing Cross Hospitals NHS Trust in London, write in the journal. Moreover, ``the use of these remedies looks set to increase.'' (…)

In response to the findings, the UK Committee on Safety of Medicines has placed an emergency ban on the use, import or sale of Aristolochia, according to a report elsewhere in the journal. ``The order also includes a possible permanent ban on the supply of other herbs which have been confused with Aristolochia.''
SOURCE: The Lancet 1999;354:481-482, 494

So.

bulletDa hat also ein Therapeut 2 und 6 Jahre lang ununterbrochen Mu TonG und FanG Ji verschrieben, sagt Dr. raham M. Lord, und das wo doch vor vier Jahren schon in Belgien ein Rummel um das Guang Fang Ji (Radix Aristolochiae seu Cocculi) gemacht wurde, das in Kombination mit anderen Arzneien eines zum Abnehmen verwendeten Präperates für Nephropathie bei Belgischen Frauen verwendet wurde. Wie Dr.Jean Malak (einer der von der belgischen Regierung beschuldigten Ärzte) in einem offenen Brief an die medizinische Zeitschrift THE LANCET mitteilte, wurden in Rahmen dieses Abnehme-Regimes auch Serotonin-Injektionen verabreicht. Die in diesem Fall aufgetretenen Vergiftungserscheinungen decken sich absolut mit einer serotonin-induzierten Vergiftung.
bulletFerner hat ein Arzneimittelhändler statt dem üblichen Bai Mu Tong aus dem Süden Chinas (Caulis Akebia trifoliata THUNB.) das nordchinesische das Mu Tong Bai Dou Ling (Aristolochia manshuriensis KOMA) importiert, das anstatt Hederagenin, L-Arabinose, L-Rhamnose und Akebosiden die böse nierenschädigende Aristolochiasäure enthält.
bulletSchließlich kommt Raham Lord daher, sieht daß schon 3000 Kliniken in der UK chinesische Arzneien verschreiben, und es es (äouuh! God behold!) immer mehr werden. Bevor er also seinen Arbeitslosenantrag einreichen muß, zieht er die Notbremse (ein "possible permanent" Bann! The Lord be bethankt!) beim Committee on Safety of Medicines das für alle Herbs gilt, die mit Aristolochia irgendwie zu tun haben, und sei es auch nur, das der Lord sie damit verwechselt.

Szene im Hinterzimmer des UK Committee on Safety of Medicines:

Lord: Ahh-lookee! THIS ONE looks a little like the blasted Moo Toon, too, or is it - Mr. Watson?
Watson: It’s MOO TOONGGG, Dr Lord, with a "G".
Lord: Aaah, Moo Toon again? See? What I suspected. Another one. Put it on the list!
Watson: But it’s a dandelion, Dr.Lord…
Lord: Fiddelsticks! Once a Moo Toon, always a Moo Toon! And that’ll be Moo Toon Number 5947.
Watson: Good Lord! With a "GEEE", Dr. Lord, With a "GEEE"!!!
Lord (slighly puzzled): Nonsense. I’ve always been spelled without a "G". Or else I would be called Dr. Lorg or Gogtor Gorg, or Ggorrgog-grorg. So let’s go on. What have we here? AhaaaA! THIS ONE looks a little like the blasted Moo Toon, as well, or is it Mr. Watson?
Watson: MOO TOOONG-G-G-G-G, Dr. Lord, it’s Mu Tong!!! With a "G" And besides - it looks like a sunflower…
Lord: Right! It’s Moo Toon. So since you agree, too, put it on the list, under "G" as you suggested.
Lord: AhaaaA! THIS ONE reminds me suspicously of the blasted Moo Toon. What do you say, Watson? 
Watson? Watson...
etc. (to be continued)

Abgesehen davon, das die britischen Importeure Akebia trifoliata THUNBERG nicht von Aristolochia manshuriensis KOMA unterscheiden können, fragt man sich natürlich, was sind das für Leute, die eine chinesische Arznei sechs Jahre lang verschreiben ? Schon mal was von Status Quo-Syndromdifferenzierung gehört ?

Immerhin haben die Briten ja mehr als nur einen Fall um den nationalen Notstand auszurufen. Hier kommt also schon die Mehrzahl ins Spiel! Donnerwetter! Das grenzt ja schon an Wissenschaftlichkeit! Schauen wir uns aber mal an, was den exakten Deutschen so einfällt, um sich die unliebsame alternative Konkurrenz der TCMler vom Pelz zu halten:

Überschrift Eins: VITAL: Alternativ-Medizin bei Allergien wirkungslos

Überschrift Zwei: Am besten gleich zum ausgebildeten Allergologen gehen (etwas plump, man hätte den Sinn es Artikels schon mehr zwischen den Zeilen verstecken können…)

(Mein Vorschlag) Überschrift Drei: Geben Sie Ihr Geld nicht bei der Konkurrenz aus, sondern bei uns!

Hamburg (ots). Alternative Heilmethoden bei der Bekämpfung von Allergien sind meist erfolglos. Das ergab nach einem Bericht der Zeitschrift "vital" eine Selbsteinschätzung , die der Deutsche Allergie- und Asthmabund bei 360 Patienten ermittelte und die dem Blatt vorliegt. Etwa die Hälfte der Allergiekranken hat danach für die Alternativmedizin über 1000 Mark aus der eigenen Tasche bezahlt.

"Anstatt so viel Geld auszugeben, könten die Patienten zur Therapie allergischer Erkrankungen genausogut ein Stück Würfelzucker schlucken", Sagt Hartwig Lauter vom Vorstand des Allergie- und Asthmabundes. In einem "vital"-Interview betonte Dr. med. Dominik Irnich, Ausbilder für Akupunktur und Dozent an der Universität München, es stimme nicht, dass die Schulmedizin in den meisten Fällen versage. "Das Problem ist, dass sich Patienten oft nicht gleich an einen Experten wenden und dann enttäuscht sind, wenn es nicht zu einer langfristen Verbesserung kommt." Hartnäckige Allergien müssten jedoch von ausgebildeten Allergologen behandelt werden.(...)

Laut Studie hatten 91 Prozent der Versuchsteilnehmer Heilpraktiker, Homöopathen oder naturheilkundlich orientierte Ärzte konsultiert.
Gut die Hälfte hatte schon drei oder mehr Verfahren mit wenig Erfolg ausprobiert. Am erfolglosesten war danach die Haarmineralstoffanalyse, von der 8,3 Prozent angaben, sie sei langfristig oder kurzfristig erfolgreich gewesen. Es folgten Handauflegen (24,7 Prozent ), Pendeln (28 Prozent), Elektroakupunktur (28,3 Prozent), Neuraltherapie (31,3 Prozent), Bioresonanz (34,2 Prozent), Bachblüten (38 Prozent), Eigenblutbehandlung (41,1 Prozent) und Kinesiologie (45 Prozent). Nur bei Akupunktur, Diäten und Homöopathie liegt die Versagerquote unter 50 Prozent.

Aha! Da werden also 360 Leutchen mit einem Fragebogen befragt, die fast alle zum "alternativen Behandler" gingen, und diese eigene Einschätzung wird dann –simsalabim!- in eine Versagerquote umgewandelt. Toll. Der erste Preis an unwissenschaftlicher Nachrichtenverbreitung geht wieder einmal nach Deuuutschland.

Liebe Vitalschreiber! Kennt ihr die Definition von Erfolgs- und Versagerquote? Wißt ihr eigentlich, daß das, was ihr als "unter 50% Versagerqote" von z.B. Akupunktur bezeichnet, in den Euch fernen Gefilden von Wissenschaft und Forschung als "<50% Erfolgsquote" bezeichnet wird, und generell als Hinweis auf die Wirksamkeit einer Therapie gilt? Aber so ist das halt mit halbvollen und halbleeren Gläsern, Hauptsache man kann sie gut verkaufen, nicht?

So könnte ich z.B. die Aussage des Akupunkteur-Kollegen Dr. Irnich "es stimme nicht, dass die Schulmedizin in den meisten Fällen versage" so formulieren, "das es also stimmt, dass die Schulmedizin in nicht allen Fällen versagt". Eine Frage der Semantik. Aber das können wir ja, wenn auch mit dem Holzhammer, wie die zweite Überschrift uns brüllend zu übereugen sucht.

Zum Schluß noch eine Nachricht aus der nigelnagelneuen Welt:

PEER REVIEWERS BIASED?

A study has tested the hypothesis that experts who review papers for publication are prejudiced against complementary medicine. This was a randomised, controlled double-blind study using two versions of a fictional short report on obesity treatment, which were identical except for the nature of the intervention (an orthodox drug as against a homeopathic remedy).

One of the two versions and an assessment form were sent to each of 398 expert peer reviewers. The reviewers were asked to rate the report's significance and publication potential. Reviewers, who were unaware they were participating in a study, were three times as likely to favor the orthodox version over the unconventional version of the report

(JAMA 19-9-97).

Haha! Köstlich, weiter so, Jungs. Hier wurden die Tester getestet und bewiesen ihre Vorurteile gegen die "unortodoxe" Medizin.

Lapsus Linguae, der Gott der Sprachverwirrung sei mit Euch. Bis zum nächsten Ätz!

Euer Yuan Chu

PS: Der Nobelpreis für "Dreistes Business Marketing" sollte an William III. Gates ("Bill") vergeben werden, da er keinerlei Scheu und Scham besitzt, ein extrem verbugtes, absolut unfähiges Knödelprogramm wie "Microsoft (deutsch: "Winzoweich" = auf die Konsistenz der Softwareschreiberhirne bezogen) Frontpage" (der größte Schrott seit Erfindung des Unterwassertelefons) für 250 US Dollar zu verkaufen, anstatt es umsonst auf den Markt zu werfen und zu sagen: "Schaut mal ob es einer schafft, es nicht zum Abstürzen zu bringen..."

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Letzter Update: 02 May 2003