ZHANG, Jie-Bing (Ming-Dynastie):

Zhang, ein ehemalieger Militärattache gehörte als taoistischer Gelehrter der "Yang ist nie zuviel-Yin ist nie genug"-Schule an, die warme, tonisierende Arzneien in den Vordergrund stellt. Sein Jing Yue Chuan Shu ist ein umfassendes Werk in 64 Volumen.Er erfand viele neue Rezepturen und schrieb in einem gelehrten, sehr literarischen Stil die seine Belesenheit wiederspiegelte.

Schleim und Mukus - Syndrome - Jing Yue Chuan Shu, Kapitel 31

Anmerkung: Mit dem Yuan-Qi, von welchem Zhang hier spricht, ist vornehmlich das Qi der Mitte, insbesondere der Milz gemeint, das diese bei Schwäche zur Akkumulation von Schleim führt, wenn sie ihre Transport und Umwandlungsfunktionen nicht wahrnehmen kann.

Diskussion der Syndrome

Schleim-Mukus-Syndrom (Tan-Yin-Zheng) wird im Nei Jing nur als "Angesammelter Mukus" erwähnt, wobei der Name "Schleim-Syndrom" nicht vorkommt, da das Nei Jing dieses noch nicht hervorhebt. Dies hat den Grund, daß der Name Schleim erst von Zhang Zhong-Jing geprägt und bis heute weitergegeben wurde. Egal ob es nun Schleim ist oder nicht, Aussprüche wie "Schleim-Feuer" sind in aller Munde, und "seltsame Krankheiten entspringen dem Schleim" ebenso wie "Schleim ist die Mutter aller Krankheiten" scheint anzudeuten, daß man die Beziehung zum Schleim unbedingt ernst nehmen muß. Weshalb tut dies aber das Nei Jing nicht ?

Es ist wohl nicht bekannt, daß die Krankheit die der Schleim erzeugt, ebenfalls eine Ursache haben muß, wie z.B. durch Wind oder durch Feuer entstandener Schleim. Wenn man den Wind oder das Feuer behandelt, dann klärt sich der Schleim von selbst . Bei Schleim durch Fülle oder Leere, geht auch der Schleim weg, nachdem man die Fülle oder Leere behandelt hat.

Dagegen habe ich noch nicht gehört, daß sich Wind oder Feuer von selbst zerstreuen, wenn der Schleim beseitigt wurde, oder daß sich danach die Fülle oder Leere selbst regulieren würden. Der Grund dafür liegt darin, daß der Schleim als Folge einer Krankheit entstand, nicht die Krankheit als Folge des Schleims.

Daher also spricht das Nei Jing nicht über Schleim: Weil der Schleim nicht die Wurzel der Erkankung ist, sondern die Manifestation der Krankheit.

Das heutige medizinische Wissen kennt hunderte von Methoden den Schleim zu attackieren, d.h. also die Krankheit zu therapieren, doch seltsamerweise nicht was, zum Schleim geführt hat, oder warum der Schleim überhaupt enstand. Das ist als ob der Finger den Arm bewege, oder als wolle man die Blätter gießen um die Wurzel zu bewässern. Wenn man Ursache und Wirkung verwechselt, falsch beurteilt, und dann aber Krankheiten behandeln will ¾ das ist problematisch, sehr problematisch...

Schleim und Mukus sind wahrhaftig unterschiedlich, obwohl es heißt, daß sie verwandt sind: Der dünne Mukus ist eine wässrige Flüssigkeit. Das Erbrechen klarer Flüssigkeit, Völlegefühl und Schwellung von Bauch und Brust, Sodbrennen oder fauliges Aufstoßen, sowie gluckernde Darmgeräusche entstehen alle aus der Nahrung, die sich ansammelt, stagniert, und nicht trnasportiert wird. Genau dies ist der sogannnte Mukus.

Schleim wiederum ist nicht das Gleiche wie Mukus, denn letzterer ist klar und dünnflüssig, Schleim ist trüb und zähflüssig, Mukus staut sich nur in Darm und Magen, während keinen Ort gibt, an den Schleim nicht hingehen könnte. Speisen und Getränke die sich nicht transformieren und stagnieren bilden Mukus, sie resultieren also nur aus Milz und Magen, hingegen kann der nicht ortsgebundene Schleim Schäden in allen 5 Zang verursachen.

Wenn man dies also behandeln will, muß man die Unterschiede kennen, und darf keinesfalls vergessen, die Ursache (Wurzel) herauszufinden.

Schleim ist ein Produkt der Körperflüssigkeiten (Jin-Ye), die wiederum aus den Speisen und Geträneken gebildet werden. Da Schleim ebenfalls durch Umwandlung entsteht, kann es nicht als "untransformierte Substanz" bezeichnet werden. Normale Transformation kräftigt den Körper und resultiert in genügend Wei-Qi und Ying-Qi (Abwehr-Qi und Nähr-Qi oder Schutzenergie und Bauenergie). Doch auch die Grundlagen zur Bildung von schleimigen Substanzen sind Qi und Blut; wenn aber die Umwandlung abnormal wird, und die Zang Fu-Orane erkranken, dann sind die Körperflüssigkeiten gestört und aus Qi und Blut entstehen Schleim und dickflüssige Substanzen.

So ist es auch mit Räubern und Dieben zu Zeiten der Unruhe, sie sind zu (friedlichen) wohlregierten Zeiten gute Bürger, die ihre Verwandlung in Räuber und Diebe der abnormalen Situation des Landes verdanken, ebenso wie die Entstehung von Schleim von der Erkrankung des Yuan-Qi herrühren muß.

Ich hatte einst die Gelegenheit Herrn Li Zhai(1) sagen zu hören: "Wenn man das Qi und Blut gekräftigt hat, wie kann dann noch Schleim vorhanden sein ?" Als ich noch jünger war, bezweifelte ich diesen Ausspruch und sagte "Wie kann denn möglich sein, daß es keinen Schleim als Fülle-Zustand gibt ?" Doch heute weiß ich weit mehr, und glaube, daß es tatsächlich so ist. Weshalb ich das so sehe ?

Die Entstehung von Schleim beruht auf Speise und Gertränk, und wenn die Milz kräftig und der Magen gesund ist, wie bei jungen, kräftigen Leuten, dann wird alles transformiert was auch gegessen wird, und wandelt sich zu Qi und Blut, wie könnte da noch etwas stagnieren, das zu Schleim wird ?

Ausschließlich bei ungenügender Transformation, wenn eins, zwei Anteile untransfortmiert bleiben, dann werden ebendiese eins, zwei zu Schleim. Bleiben drei, vier Anteile untransformiert, dann werden drei, vier Anteile zu Schleim. Im schlimmsten Falle erreicht der Rückstand sieben oder acht Anteile, so daß Blut und Qi täglich schwächer werden.

Die Regel ist also folgende: Je schwächer das Yuan-Qi zu Transport und Umwandlung ist, desto mehr Schleim bildet sich. Daher also die obige Bemerkung von Li, ein Resultat beständiger Beobachtung.

Heutzutage gibt es Stimmen die behaupten, das Schhleim nicht behandelt werden kann ohne dessen Austreibung. Doch diese wissen nicht, daß wenn das Zheng Qi (wahres, aufrechtes Qi des gesamten Körpers) sich nicht bewegt, dann sammelt sich unweigerlich Leere-Schleim an. Benutzt man nun die austreibenden Methoden, so sind diese nicht nur wirkungslos, sondern es entsteht noch mehr Leere (durch die schwächenden Effekte von Purgativa). Das Resultat wird also entwender ein kurz vor dem Zusammenbruch stehender Patient sein, oder eine vorübergehende Besserung mit einer darauffolgenden noch schlimmeren Leere. Beides resultiert aus der falschen Anwendung von attackierenden Therapiemethoden. Was kaum bekannt ist, ist die Tatsache, daß die attackierbare Form des Schleims seltener auftritt, während die nicht attackierbare Form in der Mehrheit ist. Wer also Schleim behandeln will, muß zunächst einmal bestimmen, ob es sich um Fülle oder Leere handelt.

Da es Fülle- (shi) und Leere-(xu) Schleim gibt, muß man natürlich klar unterscheiden. Man mag einwenden: Wenn ein Überfluß an Schleim vorhanden ist, wie kann da noch ein Unterschied zwischen Fülle und Leere vorhanden sein? Es verhält sich so, daß die Bedeutung von Leere (xu) und Fülle (shi) sich nur auf die Menge des Yuan-Qi bezieht. Was also attackiert werden kann, ist "Fülle" Schleim, während der "Leere"-Schleim nicht mit attackierenden Methoden behandelt werden darf.

Doch woher wissen wir, ob es sich um Schleim handelt, der attackiert werden darf ? Ein junger und kräftiger Patient mit gesundem Blutfluß (d.h. ohne Blutstase), mag sich sich übersatt gegessen haben, oder durch übermäßige externe Nässe und Hitze, oder durch Wind-Kälte der die Hautporen verschließt, oder durch kontravektives Qi der Leber, das die Mitte befällt, durch all dies kann plötztlich Schleim oder Mukus entstanden sein. Man muß die Kraft des Körpers und die der Krankheit in Anbertracht ziehen, : Wenn beide stark sind, so ist der Schleim ein Fülle-Schleim. Weshalb sagt man daher (shi) "Fülle"? Weil das Yuan-Qi noch voll ist! In einem solchen Falle sollte eine attackierende Therapie begonnen werden, die dann auch zur Austreibung des Schleims führt.

Und woher wissen wir, ob es sich um Schleim handelt, der nicht attackiert werden darf ? Dies zeigt sich an der geschwächten Gestalt und dem Mangel an Kraft und wenn das Alter bereits fortgeschritten ist, hier wird Leere-Schleim auftreten. Nach langer Krankheit, Überarbeitung, Grübeln, Alkohol oder exzessivem Sex können ebenfalls alle eine Art Schwäche auslösen, die nicht durch Wind oder Zusammenbruch verursacht ist. Auch hier ist Leere-Schleim vorhanden. Der Puls ist gespannt und beschleunigt ohne Zeichen von pathogenem Yang im Inneren; die symptome sind gelegentliche Übelkeit, Durchfall, Kurzatmigkeit und ein rauher Hals.

Man muß also die Energie des Körpers und der Krankheit nachprüfen: Wenn (bei Schleim) keine Zeichen für Fülle vorhanden sind, dann muß Leere-Schleim vorhanden sein. Weshalb sagt man Leere-Schleim ? Weil das Yuan-Qi (der Milz) bereits zu schwach ist. In diesem Falle muß man (die Mitte) harmonisieren und tonisieren, eine attackierende Therapie (mit bitterren, ausleitenden Arzneien) würde nur noch größeren Schaden anrichten. Hinzu kommt, daß Fülle-Schleim seltener auftritt, und obwohl er plötzlich entstehen kann, vergeht er auch wieder schnell, so daß diese Art Krankheit auch leichter zu behandeln ist. Weshalb dies so ist ? Weil die Wurzel der Krankheit nicht so tief reicht!

Man muß also weniger besorgt sein über Fülle-Schleim als über Leere-Schleim. Kurz, die Behandlung von (diesem) Schleim besteht einfach darin, das Yuan-Qi immer mehr zu stärken, so daß der Schleim täglich weniger wird, bis nur noch ein wenig übrig ist. Eine kleine Menge an (Nässe oder) Schleim ist unproblematisch- im Gegenteil: Es kann sogar das (durch Trockenheit leicht zu schädigende) Magen-Qi unterstützen .

Wenn jedoch das Yuan-Qi täglich schwächer wird, dann werden sich alle Speisen, Flüssigkeiten, Jin- und Ye-Körperflüssigkeiten in Schleim umwandeln. Nach dessen Austreibung entseht immer wieder neuer Schleim. Ich glaube kaum, daß es eine Therapieform gibt, bei welcher Schleim ausgetrieben wird, ohne daß das Yuan-Qi Schaden nimmt. Die beste Methode der Schleimbehandllung ist also die Verhinderung seiner ursprünglichen Entstehung. Doch heutzutage kümmert sich kaum jemand um die Differenzierung zwischen Fülle und Leere und man behandelt Schleim allgemein durch Attacke!

Einer darunter ist Wang Jin-Jun, mit seinem Motto „egal ob im Inneren oder Äußeren, alle Krankheiten entstehen aus dem Schleim", und seinem Universaleinsatz von Gun Tan Wan (Schleim austreibende Pille) und ähnlichen Rezepturen. Leute wie er denken einfach nur an die gegenwärtige Situation und nehmen den Schaden nicht wahr, den sie in der Zukunft anrichten.

Es ist wohl richtig (wie das Nei jing sagt), daß der Schleim durch alle fünf Zang-Organe entstehen kann, doch ebensdo wahr ist es, daß sich dieser nur mittels Milz und Nieren manifestiert. Dies hat seinen Grund darin, daß die Milz die Nässe umwandelt, und wenn diese sich ansammelt, so wird sie zu Schleim. Die Nieren higegen kontrollieren das Wasser; wenn dieses (durch Mangel an Feuer, dem Nieren-Yang) im Überfluß entsteht, resultiert ebenfalls Schleimbildung der Milz daraus (nämlich durch Mangel an wärmendem Nieren-Yang, was sich z.B.als Wasser in den Beinen manifestiert). Daher muß Schleim also immer durch die Milz entstehen, und hat hat seinen Ursprung oft in der Niere.

Wenn also irgendwo Schleim entsteht, dann ist immer entweder das eine oder das andere der beiden Organe beteiligt. Dennoch bei Patienten mit Schleimbildung der Milz, kann sowohl Fülle als auch Leere vorhanden sein: Wenn sich übermäßige Nässe angestaut hat, so ist Fülle vorhanden. Ist aber die Milz-Erde zu schwach das Nieren-Wasser zu kontrollieren, so ist Leere vorhanden.

Bei Patienten mit Schleimbildung durch die Nieren (=Ödeme) hingegen, ist immer ein (Yang) Leere-Zustand vorhanden. Dies resultiert daraus, daß das Nieren-Feuer nicht genug Erde produziert, und das Nieren (Yang) Feuer zu schwach ist das (Yin) Nieren Wasser zu kontrollieren, das Yang also das Yin nicht überwältigen kann, welches dann die Milz (Erde) úberwältigt. Dies ist alles ein Resultat eines schwachen Yang (Feuer) im Yin ( der Niere, dem „yinsten" der Zang-Organe).

Wenn im Gegensatz dazu das Feuer übermächtig ist, und die Lungen schädigt, die Jing-Essenz nicht bewahrt wird, und Jin und Ye-Körperflüssigkeiten austrocknen, dann schaden sich Feuer und Wasser (der Niere) gegenseitig. Dies ist dann ein Resultat eines schwachen Wasser (Yin) im Yin (der Niere).

Dies sind also die Unterschiede zwischen Fülle und Leere in Milz und Niere, die dann differenziert werden müssen.

Obwohl in den Klassikern von Nässe-Schleim, Stauungs-Schleim, Kälte-Schleim, Hitze-Schleim gesprochen wird, obwohl von unterschiedlichem Auftreten oben oder unten gesprochen wird, mal von Kälte mal von Hitze, die wohl alle unterschiedlich sind, dennoch wie könnten diese (Schleim-Arten) in ihrer Unterscheidung nach Ursprung und Manifestation anders als durch diese beiden Organe entstehen?

Beispielsweise treten Kälte-Schleim und Nässe-Schleim bei Patienten mit Milz-Problemen auf, doch entsteht Kälte-Schleim nicht durch (magelndes Feuer der) Niere ?

Leber-Stauung (2) erzeugt inneren Wind, doch ist der Schleim (d.h. damit verbundene Geistestrübung durch Apoplex) bei Leber-Patienten, bei der ein übermächtiges Holz (Leber) Qi die Erde (Milz) attackiert, nicht ebenfalls mit der Milz verbunden (3) ?

Übermächtiges Feuer schädigt das (Lungen) Metall, der Schleim zeigt sich in der Lunge, doch woher sollte das innere pathogene Feuer denn sonst stammen, wenn nicht aus aus dem mittleren und unteren Erwärmer (d.h. Milz und Niere) ?

Im Allgemeinen ist es also so, daß wer diese Ursprünge nicht kennt und dabei Schleim behandeln will, der wird immer nur herumraten und im Dunkeln tappen.

(1)=Auch Xue Ji, chin. Mediziner des 16. Jh. Autor des Buches Nu Ke Cuo Yao

(2)=Yù, zur Definition und Unterscheidung von Yu, Yù, und Zhi, d.h. Stase, Stauung und Stagnation siehe Einführung meiner Übersetzung von Xu Da-Chuns Kapitel über Yù:xudachun.html

(3)=Genau genommen wirft Zhang hier heutzutage zwei verschieden definierte Syndrome zusammen, nämlich den zuerst angeführten hochschlagenden Leber-Wind (Gan feng nei dong), der sich typischerweise durch Kopfschmerz, Schwindel (bei Hypertonie) und Schlaganfälle äußert, mit dem Syndrom Leber-Holz attackiert Milz-Erde (Gan mu fan pi tu), welches sich vorwiegend durch Verdauungsbschwerden wie Magenschmerzen, Beklemmungen der Brust usw. äußert. Dennoch hat er nicht ganz unrecht, da beide Syndrome aus dem gleichen Ursprungssyndrom resultieren können, nämlich Stauung des Leber-Qi (Gan qi yù jie), das meist durch emotionale Ursachen, Streß usw. entsteht daher wiederum beide genannten Syndrome nach sich ziehen kann. G.N.

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Letzter Update: 02 May 2003