Xu Da-chun: Mai Xue Qi Wu Zhu Shi - Verständnis der Pulsdiagnose mit Anmerkungen und Erklärungen-

(Auszug, Teil 1und 2 , die ersten 14 Pulse)

Erlärungen:

PulsstelleÞ

Cun (Pollex, vorne,

Guan (Clusa, mittig,

Chi (Pes, hinten

Pulsebeneß

Art des Pulsfühlens (Druck)ß

Oben (Fu)

Tasten (Ju)

Mitte (Zhong)

Drücken (An)

Unten (Chen)

Suchen (Xun)

1. Fu Mai:

Der Fu Mai ist oberflächlich, wie auf dem Wasser treibendes Holz. Beim leichten Drücken fühlt man ihn, beim schweren Pressen vermindert sich seine Kraft.

Pathologische Bedeutung:

Er gehört zu den Yang-Pulsen und weist auf pathogenen Wind an der Oberfläche (biao, also Yang) hin. Wenn jedoch keine typischen Biao-Syndrome (Kopfschmerz, Fieber, Kälteabneigung) bestehen, so ist das Yang-Pathogen sehr stark (zusätzlich stattdessen trockener Mund und der Puls ist sehr kraftvoll, also besteht ein Fülle-Syndrom).

Ist der oberflächliche Puls stattdessen leer, so weist dies auf eine Leere des Blutes hin.

Ist der Fu-Mai gleichzeitig leer und beschleunigt, so weist dies auf Yin-Leere hin.

Ist er oberflächlich, zerfließend und durcheinander (d.h. er wird immer unklarer bei zunehmendem Druck) so hat er keine Wurzel.

Detailbedeutung des Fu-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Das Wei-Qi (Abwehr-Qi) ist durch Wind angegriffen und die Nase verstopft (als Audruck der pathogenen Energie in der Lunge deren Körperöffnung die Nase ist).

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Affektion durch Kälte mit Kopfschmerzen (weil das körpereigene reine Yang durch die Kälte nach oben gepresst wird). Bei Affektion des Ying (Bauenergie) Bereiches ist er zusätzlich gespannt.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Wind im Leber/Gallen Funktionskreis (meist mit Jue-Yin oder Shao-yang Symptomen verbunden)

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Affektion von Milz und Magen durch Wind (Bei Magen Affektion besteht ständiger Hunger bei Gewichtsabnahme, bei Milz Affektion beteht Inappetez und dünner Stuhl.)

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Wind attackiert Ming Men oder Dickdarm (Bei Angriff auf die Niere geht das Zhen-Qi nach unten verloren; bei Wind des Dickdarms entsteht blutiger Stuhl).

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Affektion der Tai Yang-Axe und der Wurzel (Bei Affektion der Niere durch Wind besteht Schwellung der Geschlechtsteile mit Schmerzen beim Urinieren; bei Affektion des Dünndarms dagegen trüber, blutiger Urin. Wenn die Blase von Hitze-Wind befallen wurde besteht ein angespannter Unterbauch und erschwertes Urinieren; wenn dagegen normaler Urinabgang bei gespanntem hartem Unterbauch besteht, so ist meist gestautes Blut in der Blase vorhanden.

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Bei kraftlosem Fu-mai ist die (das Yang an) Oberfläche leer, bei kraftvollem Fu-Mai ist ein Fülle Zustand der Oberfläche vorhanden. Vermutet man, daß Innere (Li) Syndrome vorliegen, so ist dies bei Leerem (kraftlosem) Puls am wahrscheinlichsten.

Bedeutung gemischter Pulse:

Oberflächlich und gespannt (Jin-Mai) weißt auf Wind-Kälte hin,

oberflächlich und verlangsamt (Huan-Mai) auf Wind-Nässe,

oberflächlich und beschleunigt (Shuo-Mai) auf Wind-Hitze,

oberflächlich und überflutend (Hong-Mai) auf Wind-Feuer,

oberflächlich und rauh (Se-Mai) auf geschädigtes Ying (Bauenergie),

oberflächlich und hohl (Kou-Mai) auf Blutverlust,

oberflächlich und kurz (Duan-Mai) auf zusammenbrechendes Qi,

oberflächlich und nachgiebig (Ru-Mai) auf geschwächtes Qi.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Ein reiner Fu-Mai ist oberflächlich, wie auf dem Wasser treibendes Holz. Beim leichten Drücken fühlt man ihn, beim schweren Pressen vermindert sich seine Kraft.

Ist der Puls aber oberflächlich, groß und flutend, so ist es ein Hong-Mai (Überflutender Puls).

Ist der Puls oberflächlich, weich und groß, so ist es ein Xu-Mai (Leerer Puls).

Ist er aber oberflächlich, zart und fein, so ist es ein Ru-Mai (Nachgiebiger Puls).

Ist er oberflächlich und ohne Wurzel, so ist es ein San-Mai (Zerfließender Puls).

Ist er oberflächlich, groß und saitenförmig, so ist es ein Ge-Mai (Trommel-Puls).

Ist er oberflächlich und in der Mittel leer, so ist es ein Kou-Mai (hohler, d.h. zwiebelstengelartiger Puls).

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Der Fu-Mai ist (wie der Name schon sagt) oberflächlich und wird immer undeutlicher zu tasten, je weiter man presst (ohne ganz zu verschwinden) ungleich dem Xu-Mai (Leere-Puls), der bei zunehmendem Druck gänzlich verschwindet, dem Kou-Mai in der Mitte leer ist, dem Ru-Mai, der kraftlos und weich wie ein Tuch ist. Die Fu (obere) Pulsstelle indiziert die Oberfläche der Leitbahnen und Netzgefäße, durch die im günstigen Falle das Pathogen in die Yang-Leitbahnen eindringt und so daß QI an die Oberfläche presst, während bei stürmischen Erkrankungen ein oberflächlicher Puls nur im Verbund mit anderen auftritt. Zur genauen Bestimmung (daß es dann tatsächlich ein reiner Fu-Mai ist) muß der Puls an der Ren Ying-Stelle (Arteria carotis) ebenfalls stark und oberflächlich sein. Wenn dann der Puls an der rechten (d.h. Qi) Pulsstelle ebenfalls oberflächlich und stark ist, so weißt dies auf Schleim, kontravektives oder angesammeltes Qi hin, es sei denn der Patient hat von Natur aus an dieser Stelle des Pulses einen (spürbaren) starken Überschuß.

Wenn zu Beginn einer Erkrankung kein Fu-Mai zu tasten war, bei Andauer dann aber oberflächlich wird, so ist dies ein Zeichen, daß das Qi der Mitte zusammenbricht und sich nicht im Inneren festhalten kann (also an die Oberfläche treibt). I.d.F. finden sich meist Zeichen von leerebedingten Pi-Klumpen (xu pi zheng).

Wenn beim stärkeren Pressen der oberflächliche Puls fast gänzlich verschwindet, so muß überlegt werden, ob es sich nicht eventuell um einen anderen Puls handelt.

Bei Shang Han (kältebedingte Erkrankungen) sind Chi- und Cun-Pulsstelle beide oberflächlich, was auf eine Affektion der Tai Yang-Axe hinweist. Deshalb weist im Allgemeinen ein Fu-Mai auf Erkrankungen der Oberfläche, aber der Puls muß dennoch auch bei größerem Druck noch spürbar sein, so daß man auf fülleerzeugende Pathogene schließen kann.

2. Chen Mai:

Der tiefe Puls fließt dicht am Knochen, er fühlt sich an wie ein ins Wasser geworferner Stein. Beim tiefen Pressen wird er fühlbar, beim leichten Tasten findet man ihn nicht.

Pathologische Bedeutung:

Der Chen-Mai gehört zum Yin, die Krankheit lauert im Inneren (li). Wenn im Inneren kein verstecktes Pathogen lauert, so ist eine Qi-Stagnation vorhanden (oder eine andere Anstauung wie Nahrungsstagnation, Blutstase, usw.). Ist gleichzeiting (mit dieser Fülle) eine Leere vorhanden, so muß genau differenziert werden (Siehe unter "Bedeutung gemischter Pulse").

Detailbedeutung des Chen-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Das Qi ist kontravektiv, die Lunge ist mit Husten und asthmaartigen Hustenkrämpfe (meist durch Schleim affliziert).

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Affektion des Ying (Bauenergie) durch plötzliche Wutausbrüche (also emotional bedingte Qi-Stagnation die die Yin-Substanzen schädigt).

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Qi-Stagnation in Leber oder Gallen-Funktionskreis (auch angestautes oder deptessives Qi der Leber/Gallen Funktionskreise)

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Verdauungsstagnation (schädigt Magen) oder Fülle-Anstauung der Mitte (Schädigt Milz).

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Stuhl ist dünn wie Entengrütze durch Kälte und Nässe.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Das Qi kann die Feuchtigkeit nicht umwandeln, die Blase ist daher blockiert (Long Bi = Anurie).

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Bei kraftlosem Chen-mai ist eine Leere im Inneren, bei kraftvollem Chen-Mai ist dort ein Fülle- Zustand vorhanden. Wenn noch Symptome der Oberfläche (biao) vorhanden sind, so darf man keinesfalls alleine das Innere (li) behandeln.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein tiefer und langsamer Puls weist auf Kälte in den Organen hin. Ein tiefer und beschleunigter Puls auf Hitze im Inneren. Ein tiefer und schlüpfriger Puls auf Schleim und Mukus. Ein tiefer und rauher Puls auf zusammengeklumptes Blut (Blutstase). Ein tiefer und leerer Puls weist auf Zusammenbruch hin. Ein tiefer und am Knochen haftender Puls weist auf abdominale Massen hin. Ein tiefer und gespannter Puls weist auf kältebedingten Schmerz hin. Ein tiefer und behäbiger Puls weist auf Nässe-Kälte hin. Ein tiefer und saitenförmiger Puls weist auf versteckten pathogenen Mukus hin. Ein tiefer und feiner Puls weist auf eine Schwäche des Yang hin.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Beim tiefen Pressen wird er fühlbar, wie ein Stein im Grunde des Wassers zu fühlen ist. Ist der Puls jedoch tief und fein und weich so nennt man ihn schwachen Puls (Ruo-Mai). Ist der Puls dagegen tief und saitenförmig und kraftvoll so nennt man ihn Haftenden Puls (Lao-Mai). Ist der Puls tief und selbst wenn fest an den Knochen gepresst kaum zu finden, so nennt man ihn eine versteckten Puls (Fu-Mai ).

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Der Chen-Mai ist durch leichtes Tasten nicht erfühlbar, erst bei tieferem Druck. Je mehr man drückt desto klarer wird er tastbar. Dies ist anders als beim Fülle-Puls (Shi-Mai) der auch schon bei leichtem Tasten zu spüren ist, oder dem Versteckten Puls (Fu-Mai), der tief unter den Sehnen zu liegen scheint. Die Chen-Pulsstelle spiegelt die Zang-Fu Organe, Knochen und Sehnen wieder. Das Yang-Qi ist nicht stark genug um sich an der Oberfläche mit dem Ying-Qi (Bauenergie) zu vereinen.

3. Chi Mai:

Der verlangsamte Puls gehört zum Yin, sein Pulsbild fühlt sich an, als sei er verspätet. Er kommt und geht zu langsam, pro Atemzug nur dreimal.

Pathologische Bedeutung:

Das Verlangsamen steht für versteckte Kälte (da die Leere des Yangs einen Mangel an Beschleunigung erzeugt), seine Krankheiten gehören zum Yin. Wenn der verlangsamte Puls oberflächlich ist, so weist dies auf Yang-Leere (der Oberfläche) hin, ist er jedoch nur in der Tiefe tastbar, so weist dies auf ein Zusammenbrechen des ministerialen Feuers des Ming Men hin (d.h. das Yang im Inneren ist zu schwach).

Detailbedeutung des Chi-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Die Lunge ist geschwächt und leer und schaumiges Sputum wird abgehustet.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Leere des Yang-Qi mit Herzschmerzen (und zusammenziehen der Energien des Funktionskreises Herz durch Kälte).

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Konkretionen und Kongelationen Zheng-Jia) der Zang-Organe.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Leere des natürlichen Feuers des Magens, so daß unverdaute Nahrungsreste ausgeschieden werden.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Weist auf unkontrollierbaren Urinabgang hin.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Zusammenbrechendes Ming Men Feuer mit Durchfall und unverdauten Nahrungsresten.

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Bei kraftvollem Chi-Mai ist dort eine Ansammlung von Kälte im Inneren vorhanden, bei kraftlosem Chi-mai ist eine Leere-Kälte im Inneren. Beim Auftauchen von Chi-Mai nach einer anderen Syndrom ist folgendes zu beachten: Wenn sich pathogene Käte in Hitze umwandelt, so geht sie in die Leitbahnen und Netzgefäße, wenn Hitze dagegen nach dem Anfangsstadium ins Innere geht, so wird der Puls verlangsamt und schlüpfrig. Ein gleichzeitiger verlangsamter und schlüpfriger Puls ist also keine Kälte.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein verlangsamter und kraftvoller Puls deutet auf Kälte der Oberfläche, ist er dagegen verlangsamt und tief, so liegt Kälte im Inneren. Ein verlangsamter und schlüpfriger (sowie kräftiger) Puls, weist auf Völlegefühl und Schwellung hin. Ist der Puls hingegen verlangsamt und rauh, so muß Blutstase durch Kälte des Blutes vorliegen. Ein verlangsamter und saitenförmiger Puls weist auf Ansammlung von Kälte-Mukus. Ein verlangsamter und unregelmäßig hängend aussetzender Puls weist auf eine Zusammenballung und Stagnation durch Kälte hin. Ein verlangsamter und feiner Puls deutet auf Kälte und Nässe hin. Wenn aber ein verlangsamter und zugleich verschwindender (Wei-Mai) Puls auftritt, so ist dies ein Hinweis auf einen Verlust (oder starke Leere) des wahren Yangs im Körper.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Das Bild zeichnet sich durch das Verlangsamen aus, der Puls ist langsam und verspätet statt ausgeglichen. Normal wären vier Schläge pro Atemzug, doch bei der Verlangsamung treten nur drei Schläge auf. Ist dieser Puls jedoch gleichzeitig wie gebremst und fließt nicht gut, so liegt ein rauher Puls (Se Mai) vor. Ist er hingegen verlangsamt und setzt in unregelmäßigen Abständen aus, so liegt ein Hängender Puls (Jie Mai) vor. Wenn der verlangsamte Puls schließlich oberflächlich, groß und weich ist, so spricht man vom Leere-Puls (Xu Mai).

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Beim Chi-Mai kann das treibende Yang-Qi sich nicht mit dem Ying-Qi (Bauenergie) des Blutes verbinden. Tritt dieser Puls mit an der oberen Pulsebene auf, so weißt es auf Kälte des Exteriors (biao), bei der tiefen Ebene hingegen ist die Kälte im Inneren. Tritt er zugleich mit dem rauhen Puls (Se-Mai) auf, so ist das Blut erkrankt, bei Kombiniation mit schlüpfrigem hingegen ist eine Qi-Krankheit vorhanden.

4. Shuo Mai:

Der beschleunigte Puls gehört zum Yang, er fühlt sich an als sei er zuviel (da das Yang zuviel ist), Pro Atemzug sechs Schläge übersteigen das normale Pensum.

Pathologische Bedeutung:

Beschleunigter Puls weist auf Hitze der Fu-Organe hin, also auf Yang-bezogene Krankheiten. Wenn dieser kraftlos und oberflächlich ist, so muß man an Yin-Leere denken, hingegen bei kraftvollem und tiefem Shuo-Mai kommt die Ansammlung eines Hitzepathogens im Inneren in Frage.

Detailbedeutung des Shuo-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Ein Hinweis auf angestaute Hitze der Lunge die zu Abszessen führen kann, sowie auf (Ashtmatischem) Husten bei kontravektivem Qi.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Feuer des Funktionskreises Herz das sich durch Aphten oder Stomatitis äußert.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Feuer in Leber oder Gallenfunktionskreis

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Fülle-Hitze in Milz oder Magen

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Weist auf Leere-Feuer oder Hitze durch Yin-Leere hin, mit z.B. Spermatorrhö, blutigem oder schmerzhaften Urin (Lin) oder Anurie.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Yin-Leere Feuer durch Trockenheit, oder Nässe-Hitze des Dickdarms mit blutigem Stuhl.

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Bei kraftvollem Puls besteht Fülle-Feuer, bei kraftlosem Leere-Feuer. Auch ein Hinweis auf Hitzepathogene der Oberfläche mit Kopfschmerz, Hitzegefühl und Kälteabneigung. Wenn das Feuer zu stark ist, müssen kühlende Mittel gegeben werden.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein oberflächlicher beschleunigten Puls ist ein Zeichen für Hitzepathogene der Oberfläche, ein tiefer beschleunigter Puls hingegen deutet auf Feuer im Inneren. Ist der Puls zugleich beschleunigt und saitenförmig so weist dies auf Leber-Feuer hin, ein Shao-Yang (Galle/Leber) Zeichen, falls nicht Halb-Interior-halb-Exterior Zeichen vorliegen. Falls der Puls zugleich behäbig und beschleunigt ist, so gehört dies zu den TaiYin-Syndromen; d.h. wenn keine Symptome wie Bauchbeschwerden, Durchfall oder Erbrechen vorhanden sind, dann muß es ein Zeichen für Nässe-Hitze sein. Beschleunigter Puls an den (Yang) vorderen Pulsstellen deutet auf vermehrtes Feuer des Herzens hin, ist er hingegen an den (Yin) hinteren Pulsstellen beschleunigt, so deutet es auf vermehrtes Feuer der Niere hin. Beschleunigter Puls an den linken Pulsstellen deutet auf Schädigung des Yin hin, an den rechten Pulsstellen hingegen auf aufsteigendes pathogenes Feuer.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Der beschleunigte Puls ist aus der Ruhe geraten und kommt schnell und hastig. Ein Puls kommt normalerweise mit zwei Schlägen beim einatmen und zwei Schlägen beim ausatmen. In einem Atemzug gibt es also zusammen vier Schläge beim normalen Puls. Selbst beim langsamen Atmen schlägt ein normaler Puls nicht mehr als Fünf mal. Ein beschleunigter Puls hat sechs Schläge in einem Atemzug. Ist der Puls aber nicht nur beschleunigt sondern auch angespannt und saitenförmig und mit Kraft, dann spricht man vom gespannten Puls. Ist er beschleunigt und sehr glatt fließend, wie eine (rollende) Perle dann ist es ein schlüpfriger Puls. Ist er beschleunigt aber setzt immer wieder aus, dann nennt man ihn den hastigen Puls (Cu-Mai). Ist er extrem schnell beschleunigt dann nennt man ihn den rasenden Puls. Ist er beschleunigt und fühlt sich beweglich an wie eine Bohne (am Faden in einer geöffneten Hülse) dann spricht man vom beweglichen Puls.

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Der beschleunigte Puls kann auf Hitze durch Yin-Leere ebenso wie auf Hitze mit Fülle durch ein externes Pathogen oder einen inneres Hitze-Syndrom hinweisen. Entscheidend ist ob er kraftvoll (also Fülle) oder kraftlos (also Leere) ist.

 

5. Hua Mai:

Der schlüpfrige Puls ist leicht unter den Fingern wegschlüpfend und kommt und geht rund gleitend und glatt, wie eine rollende Perle in einer Schüssel oder schlüpfrig wie eine Paste aus Nelumbo-Blättern.

Pathologische Bedeutung:

Der schlüpfrige Puls deutet auf eine Fülle des Blutes (auch beim Gesunden) hin. Er weißt auch auf Schleim und auf Schwangerschaft. Da der Puls auf einen Überfluß hinweißt kann man, wenn keine Zeichen für Schleim vorliegen, auf eine Schwangerschaft schließen. Beim Kranken ist ein Überfluß pathogener Energien vorhanden, so daß der Puls schlüpfrig wird. Er kann auf alle möglichen Krankheiten hinweisen, ist aber prognostisch weniger schwerwiegend als vielen andere Pulse.

Detailbedeutung des Hua-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Asthmatisches Husten mit oder durch Schleim

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Palpitationen durch feuererzeugenden Schleim oder Bewußtseinstrübungen durch Schleim im Perikardium

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Schreckhaftigkeit und Ängstlichkeit durch Schleim, der die Galle trübt

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Schleim oder Nässe blockieren Milz und Magen

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Spermatorhö oder Fluor albus

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Schleimbedingte Blockierung des Verdaungstraktes mit Durchfall oder Verstopfung

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Ein kraftloser schlüpfriger Puls weist auf Schleim bei Leere, ein kraftvoller auf Schleim bei Fülle. Der Schleim kann aus allen sechs klimatischen Einflüssen und allen sieben Emotionen entstehen.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein oberflächlicher und schlüpfriger Puls weist auf Schleim und Wind Erkrankung hin, ein tiefer und schlüpfriger Puls weist auf Schleim und Nahrungstagnation hin. Ein beschleunigter und schlüpfriger Puls weist auf angestauten Schleim der sich in Feuer verwandelt hin. Ein kurzer schlüpfriger Puls weist auf Schleim und blockiertes oder sachwaches Qi hin, als auf Qi-Erkrankungen. Bei einem oberflächlichen, großen und schlüpfrigen Puls weist auf angestauten Schleim und Feuer hin, die den Wasserhaushalt der Niere schädigen und so zu Dysurie führen. Ist der Puls sowohl schlüpfrig also auch oberflächlich und zerstreut, so läßt dies auf Wind-Schlag schließen, da der Wind durch Leere des Wei-Qi (Verteidigung) eingedrungen ist und zusammne mit angesammeltem Schleim die Leitgefäße verstopft hat, so daß Paralysen und Taubheit der Glieder entstehen. Ein schlüpfriger Puls mit kräftigem, harmonischen Qi läßt zweifellos auf Schwangerschaft schließen, da dies einen Überfluß sowohl des Blutes wie auch des Qis anzeigt.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Ein schlüpfriger Puls kommt und geht glatt und gleitend ganz im Gegenteil von rauhem oder stockendem Puls. Er repräsentiert unter den Pulsen das Yin im Yang und kann daher beies bedeuten. Wenn er zugleich oberflächlich ist, so zu den Yang-Pulsen, wenn er zugleich tief ist, so zählt er zu den Yin-Pulsen, wenn er zugleich gespannt ist, so zählt er zu den Kälte-Zeichen, wenn er zugleich beschleunigt ist, so zählt er zu den Hitze-Zeichen. Sein Auftreten an oberen oder unteren Pulsebenen kann auch auf Oberfläche oder Tiefe der Krankheit hinweisen. Er läßt sich also nicht ohne weiteres auf Yin-Krankheiten oder Yang-Krankheiten festlegen. Man muß die Pulsebene (oben, unten), die Pulsstelle (vorne, hinten) und die Kombination mit anderen Pulsen zu Rate ziehen, um zu einem definitiven Ergebnis zu kommen.

6. Se Mai:

Der rauhe Puls ist stockend und uneben, genau umgekehrt wie der schlüpfrige Puls, wie ein Messer, das über Bambus schabt, also nicht glatt und eben darüber gleiten kann. Er ist wie gebremst aber nicht in der Anzahl der Schläge wie der verlangsamte Puls, und vorne und hinten schwach wie der kurze Puls. Alle diese drei deuten auf unzureichenndes des Qi im Puls hin.

Pathologische Bedeutung:

Rauh bedeutet ein Mangel an Blut-Ying (Bauenergie) in den Adern, einen Schaden des Jing (Essenz), wenn der rauhe Puls schwach und kraflos ist und auf gestautes Qi, wenn der rauhe Puls tief und kraftvoll ist. Bei Männern weist es auf gestörte Zeugungsfähigkeit und bei Frauen auf gestörte Empfängnisfähigkeit hin, da Blut fehlt und Jing geschädigt ist.

Detailbedeutung des Se-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Eine Scwäche und Schädigung der Lunge durch Trockenheit mit Abhusten von weißem schaumigen Sputum

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Eine Schädigung des Ying (Bauenergie) mit Mangel an dem Herz und Geist nährenden Blut führt zu Schreckhaftigkeit und Palpitationen.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Blut-Leere der Leber und verborgene pathogene Energien im Galle/Leber-Funktionskreis

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Schmerzen durch Blutstau im Hypogastrium mit Rülpsen und Schluckauf

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Schädigung des Jing durch Samenverluste aufgrund von sexueller Überreizung oder Spermatorhö

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Trockenheit des Darms aufgrund von Mangel an Körpersäften

Differentialdiagnose Fülle und Leere:

Ein rauher und kraftvoller Puls weist auf Stagnation von Qi (oder Blutstase) hin, ein kraftloser auf Leere-Syndrome und Schwächezustände. Zur Klärung des betroffenen Funktionskreises sollte die Pulsstelle verwendet werden. In jedem Falle ist der rauhe Puls ein Hinweis auf chronische oder langwierige Erkrankungen.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein gleichzeitig rauher, beschleunigter und großer Puls weist auf pathogene Fülle-Hitze im Inneren. Ein zugleich rauher, beschleunigter aber weicher und leerer Puls weist auf weist auf aufsteigendes leeres Feuer durch Yin-Leere.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Ein rauher Puls fühlt sich beim Tasten nicht gleitend an und hinterläßt ein unbefriedigendes Gefühl. Er ist rauh und stockend ohne Harmonie, wie ein leichtes Messer das über Bambus streicht. Er kommt und geht wiederstrebend und fühlt sich an, wie feiner Regen der im Sand versickert. Regen der auf glatte Yade trifft, fließt glatt auf dessen Oberfläche ab, trifft er aber auf Sand so versickert er kraftlos. Der rauhe Puls ist weder extrem fein, noch extrem weich, und auch nicht wie der (Wei Mai) verschwindende Puls. Dieser ist als wolle er verschwinden, und tut es dann doch nicht. Der nachgiebige Puls (Ru-Mai) ist oberflächlich, weich und fein, der weiche Puls (Ruo-Mai) ist tief, weich und fein. Alle drei ähneln also dem rauhen Puls, man muß durch genaue Tastung unterscheiden und darf sie nicht miteinander verwechseln.

7. Xu Mai:

Der Leere Puls setzt sich aus vier Pulsen zusammen, bzw. er hat vier Eigenschaften. An der Oberfläche erscheint er groß und ist weich und leer, doch sucht man durch ihn tieferes Tasten, so ist er fast kaum mehr zu finden.

(Moderne Definitionen schreiben einfach: Er ist an allen drei Pulsstellen, Cun, Guan, Chi kraftlos)

Pathologische Bedeutung:

Leere entsteht wenn das Blut leer ist, da die Gefäße zum Blut gehören. Wenn der Puls zugleich extrem weich ist, so besteht Qi-Leere; ist er zugleich beschleunigt und intermittierend so ist das Yin in Leere; ist er aber zugleich fein, so ist das Yang in Leere. (vgl. Fußnote sechs). Der leere Puls (Xu Mai) kann auch auf Schädigung des Yuan-Qi durch Sommerhitze hinweisen, was bei plötzlichem, akutem Krankheitsbeginn der Fall ist. Man muß also unterscheiden: Bei langfristig leeren Puls kann Sommerhitze nicht die Ursache sein.

Detailbedeutung des Xu-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Leere des Lungen-Qi mit spontanem Schweiß, da die Poren sich nicht genügend schließen.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Blut-Leere des Herzens mit Palpitationen und Schreckhaftigkeit, da da das Herz und so auch das Shen nicht genügend genährt wird.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Das Blut nährt die Sehnen und Muskeln nicht genügend.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Verdauungsstörungen aufgrund von mangelnder Umwandlung der Speisen und Getränke durch schwache Milz und Magen.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Schmerz oder Schwäche in Rücken und Knien.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Schwäche des wahren Qi (zhen Qi) durch ungenügendes (Ming Men) Feuer.

Bedeutung gemischter Pulse:

Der leere Puls erhielt seinen Namen aufgrund der spürbaren Leere beim Tasten, also weil er sich weich und kraftlos anfühlt.

Diese Leere unterscheidet sich vom nachgiebigen Puls (Ru Mai). Der leere Puls ist kraftlos groß (lang) und langsam, der nachgiebige Puls aber ist kraftlos, klein (kurz) und fein. Der leere Puls unterscheidet sich ebenfalls vom hohlen Puls (Kou Mai). Während der leere Puls beim festeren Drücken (an) weicher wird, bleibt der hohle Puls gleich stark und ist nur in der Mitte leer, oben und unten aber spürbar.

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Der leere Puls fühlt sich unter den Fingern groß und weich an, so als ob man über kleine Hühnerfedern streicht. Wenn man stärker drückt wird er kraftlos und schwach, verschwindet aber auch bei längerm drücken nicht völlig, im Gegensatz zum hohlen Puls (Kou Mai), der plötzlich in der Mitte verschwunden ist, und erst bei tieferen Pressen allmählich wieder zum Vorschein kommt.

Beim rauhen Puls (Se Mai) hingegen, ist die kraftlose Weichheit schon gleich beim Anfassen (ju) der oberen Pulsebene zu spüren. Der zerfließende Puls ist großflächig verteilt und hat keine Wurzel (hintere Chi-Pulsstelle), die auch bei stärkerem oder längeren Drücken nicht erscheint.

Weil die nährende Funktion des Blutes fehlt, so ist der leere Puls groß, langsam und weich, wie Wang Shu-He (Mai Jing = Pulsklassiker) es schreibt, und weist auf Schwäche des Qi hin. Doch oft trifft man auf leere Pulse, die groß und beschleunigt sind, sowie deutlichen Blut-Leere Anzeichen, die bei Zhang Zhong-jing ungenau beschrieben werden als „Leere Puls mit Hitze im Körper" was dann auf Sommerhitze hinweist.

8. Shi Mai:

Der volle Puls ist kraftvoll, lang, groß und unnachgiebig (stabil), also dem leere Puls entgegengesetzt. Beim Tasten fühlt er sich in allen drei Ebenen voll und solide an.

Pathologische Bedeutung:

Der volle Puls weist auf pathologische Fülle hin, wie die Ansammlung von Feuer Pathogenen im Inneren. D.h. bei akuten violente Erkankungen ist dies keine Zeichen für Hitze sondern für starke Pathogene; bei langwierigen Erkrankungen ist keine Kälte vorhanden, sondern eine Ansammlung von Hitze.

Detailbedeutung des Shi-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Keuchender (asthmaartiger) Husten mit Halsschmerzen durch angestaute Hitze, die die Lunge bedrängt.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Aufsteigendes Herz-Feuer mit steifer Zunge und überschäumedem Qi.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Schmerzen am Rippenbogen durch stagniertes Leber- oder Gallen-Qi.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Bauch aufgebläht und schmerzhaft durch Anstauuen des Qi der Mitte.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Schmerzhaftes oder ausbleibendes Urinieren mit gespanntem, vollen Unterbauch.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Trockener, klebriger Stuhl durch krankhaftes Aufsteigen des Ming-Men-Feuers.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein voller und gespannter Puls (Jin Mai) weist auf eine Akkumulation der Mitte durch Kälte hin. Ein voller und schlüpfriger Puls weist auf angesammelten Schleim des Herzens der den Shen (Geist) trübt hin. Ein klarer voller und zugleich langer Puls weist auf gesunde Fülle des Qi der Zang-Organe hin. Ein voller, beschleunigter und großer Puls weist auf Ansammlung von pathogener Hitze in den Fu-Organen der Yang-Ming Ebene hin.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Die Ansammlung von Überschüssigem pathogenen Qi im Inneren zeigt sich im Puls als Fülle und Festigkeit. Durch den Überluß findet sich ein kraftvoller Puls an allen drei Ebenen, der dort groß und lang auftritt. Dies unterscheidet sich vom gespannten Puls (Jin Mai), der gerade und gespannt vibriert, wie ein Seil, das man zwischen den Händen hält.

Der überflutende Puls (Hong Mai) der zwar groß und voll beginnt, doch bei stärkerem Fühlen nach hinten zu schwach wird und verschwindet.

9. Chang Mai:

Der lange Puls ist verlängert, sein Kopf und Ende ragen gleichmäßig über die Pulsstellen hinaus, und zwar in den oberen wie den unteren Pulsebenen, so daß er sich anfühlt, als ob man über eine lange Bambusstange streicht.

Pathologische Bedeutung:

Der lange Puls steht für das Yang und den Überfluß, für kontravektives Qi und übermäßig stark loderndes Feuer. Wenn der lange Puls aber rein ist und glatt fließt, so ist dies ein Zeichen für Langlebigkeit.

Detailbedeutung des Chang-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Druck in der Brust und kontravektives (hier: asthmaartiges) Qi der Lunge durch starke pathogene Hitze in der Lunge.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Aufbrauchen des Qi durch übermäßiges starkes Herz-Feuer, das durch pathogene Hitze geschürt wurde.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Leber-Feuer durch gestautes Leber-Qi.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Völle und Druckgefühl im Bauch durch Erde-Yù (emotional bedingt gestautes Mitte-Qi)

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Kontravektives Nieren-Qi, das nach oben ausbricht, und so das „gallopierendes Ferkel-Syndrom" erzeugt.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Trockener erschwerter Stuhlgang durch kontravektives Ming-Men Feuer.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein langer Puls bedeutet von Kopf und bis Ende verlängert mit geradem Mittelstück. Wenn der Puls das Herzens (beim Schlagen) stark ist, dann wird der Puls von selbst länger, das Shen voller und das Qi kräftiger. Wenn der Puls der Niere lang und klar ist und das Nieren-Qi ausreichend, dann wird der Kopf (des Pulses) solide und das Ende eine tiefe Wurzel haben (d.h. wie eine Pflanze die nach unten kräftig verwurzelt und nach oben sprosst). Dies alles sind Zeichen für einen normalen gesunden Puls. Erst die zuvor erwähnten Pulsbilder (in Kombination mit diesem) weisen auf eine Erkrankung hin.

10. Duan Mai:

Der kurze Puls ist klein und rauh. Kopf und Ende sind verunken und nur in der Mitte erhebt sich der Puls empor. So daß die drei Pulsstelen nicht voll ausgefüllt werden, also der Gegensatz zum langen Puls.

Pathologische Bedeutung:

Der kurze Puls weist auf unzureichende Kraft hin, vorallem auf Leere oder Zusammenbruch des Yuan-Qi.

(Moderne Quellen erklären den kurzen Puls wenn kratflos als Zeichen von Qi-Leere, wenn kraftvoll, als Zeichen von Qi-Stagnation, d.h. das Qi ist vorhanden, reicht aber durch die Blockade nicht zum vollständigen Puls aus.)

Detailbedeutung des Duan-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Leere des klaren Yang und der Lunge mit Kopfschmerz.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Leere von Herz-Qi und Shen.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Schaden am Leber-Qi durch übermäßigen Ärger.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Erkrankung am Mediastinum durch Leere oder Zusammenbruch des Magen-Qi.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Schmerz im Unterbauch durch Schwäche des Nieren-Qi.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Durchfall durch unzureichendes Feuer im Ming-Men.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein kurzer Puls zeichnet isch durch abschwächen der beiden Enden und so durch tastbarkeit vorallem in der Mitte aus. Die Lunge regiert das Qi des Körpers, tendiert also zum kuzren Puls. Wenn also der Lungen-Puls etwas kurz ist, sonst aber harmonisch und behäbig, dann ist dies ein gesunder Lungen-Puls, bei dem das Qi nuicht erkrankt ist.

Ist ein kurzer Puls aber gleichzeitig tief und rauh, so muß man sich fragen, ob nicht das Qi erkrankt ist. So wie der lange Puls zur Leber und dem Früling gehört, so ist der kurze Puls der Lunge und dem Herbst zuzuordnen. Wenn nun aber weder diese Jahreszeit vorherrscht, noch der Puls an der Lungen-Pulsstelle auftritt, dann weist der kurze Puls auf Krankheit hin.

11. Hong Mai

Der überflutende Puls ist sehr groß und voll und strömt heran wie eine brausende Flutwelle, die sich schnell aufbaut, sich dann aber an der höchsten Stelle bricht und abflaut.

Pathologische Bedeutung:

Der überflutende Puls ist voll und überströmend, was auf pathogene Hitze im Inneren hinweist. Er tritt oft bei hochloderndem pathogenen Feuer auf. Wenn aber ein leerer und überflutender Puls vorhanden ist, dann weißt die auf aufloderndes (falsches) Feuer (Yang) hin, das durch das schwache Wasser (Yin), nicht mehr gebändigt werden kann.

Detailbedeutung des Hong-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Druckgefühl im Brustraum und kontravektives Qi durch pathogene Hitze in den Lungen.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Reizbarkeit und Aphten und Zungenulzera durch emporloderndes Herz-Feuer.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Übermäßig starkes Leber-Qi, das sich in Leber-Feuer umwandelt.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Durst und Abmagerung (diabetisches Xiao-Ke-Syndrom) durch magen Feuer, Gedunsenheit und Spannungsgefühl im Bauch durch Milz-Hitze.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Trockenheit im unteren Erwärmer durch übermäßiges Feuer mit schmerhaften Harnlassen bei wenig Urin.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Stuhlverstopfung durch hochloderndes Drachen-Feuer (Ming Men-Feuer).

Bedeutung gemischter Pulse:

Der überflutende Puls ist ein großer, voller Puls, der wie hohe Brandungswellen heranströmt. Obwohl er am Ende (Wurzel) verbreitert ist, ist der überflutende Puls nicht fest und stabil. Wäre er fest, stabil und groß, dann wäre er ein voller Puls, nicht aber der überflutende Puls.

12. Wei Mai:

Der verschwindende Puls ist undeutlich, extrem fein und weich. Mal scheint er vorhanden zu sein, mal wieder nicht, als würde er verlöschen, dann kommt er auf einmal wieder zum Vorschein.

Pathologische Bedeutung:

Das Verschwinden steht für das Verlöschen des Yang, für den Zusammenbruch von Qi und Blut. Zur Rettung im akuten Fall des Yuan Yang benutzt man hier ein Dekokt aus Ren Shen und Fu Zi (Ginseng und Aconit).

Detailbedeutung des Wei Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Keuchender Husten bei viel Schweißausvruch durch Leere des Lungen-Qi.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Schreckhaftigkeit, Herzklopfen und Insomnia durch große Qi-Leere des Shen.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Kälte mir Krämpfen in den Muskeln und Sehnen der Extremitäten durch Leeres Leber-Yang.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Schluckauf und Kälte im Magen durch Leeres Magen-Yang.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Schäden an der Jing-Essenz und Mangel an Knochenmark (sui) durch leerebedingte Kälte der Nieren.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Verlöschen des Yuan (ursprünglichen) Yang Zusammenbruch des Qi (Feuer) im Ming Men.

Pulsdiagnostische Erläuterungen:

Die Bedeutung von Verschwinden in diesem Puls ist seine extrem feine, extrem weiche und vage Erscheinung, so daß man ihn fast nicht erfassen kann. Wenn man ihn mal gefunden hat, scheint er wieder zu verschwinden. Wenn scheinbar kein Puls mehr zu fühlen ist, kommt er ganz vage wieder zum Vorschein. Diese Beschreibung trifft genau die Essenz des verschwindenden Pulses.

Bei plötzlichen akuten Krankheiten, wo das Yuan-Qi schlagartig leer ist, aber der Shen (hier: Bewußsein) noch nicht verloren ist, kann man noch helfen, aber bei chronischen Krankheiten die sich täglich verschlechtern, und das Yuan-Qi bis zum Verschwinden (des Shen, s.o.) abnimmt, kann man oft nicht helfen.

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Der verschwindende Puls scheint mal vorhanden zu sein, mal wieder nicht, als würde er verlöschen, dann kommt er wieder undeutlich zum Vorschein. Damit unterscheidet er sich vom schwachen Puls, der ebenfalls schwach ist und klein, sich aber deutlich fühlen läßt. Auch der feine Puls ist zwar fadenförmig schmal aber immer kraftvoll spürbar.

13. Jin Mai:

Der gespannte Puls ist kraftvoll und vibriert nach links und rechts (d.h. quer zur Flußrichtung in die Breite); wie ein sich drehendes, verdrilltes Seil; wie eine angespannte Schnur.

Pathologische Bedeutung:

Spannung deutet auf Kälte-Pathogene und auch auf Schmerzen hin, da Kälte die Dinge zum Zusammenziehen bringt (und die stärksten Schmerzen verursacht). Er steht im Zusammenhang mit der Niere, da diese bei Tai Yang-Erkrankungen, zur Kälte und dem Wasser gehört (siehe Shang Han Lun).

Detailbedeutung des Jin-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Keuchendes (Asthmatisches) Husten durch stagniertes Qi bei exogenen Kälte-Affektionen des Äußeren (biao).

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Druck in der Brust und akute Herzschmerzen durch Kälte-Affektion des Perikards.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Mit oberflächlichem und gespanntem Puls (Fu, Jin Mai) deutet auf exogene Kälte im Äußeren (biao).

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Schaden der Mitte durch zu kaltes Essen (Magenkrämpfe)

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): „Gallopierendes Ferkel-Syndrom" (=Beng Tun, s. Fußnote 8) durch kontravektives Nieren-Qi und Shan-Schmerzen (Leistenbruch, Hodenbruch) durch Kälte.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Akuter Schmerz im Unterbauch aufgrund des Zusammenschnürens durch Kälte.

Bedeutung gemischter Pulse:

Bei gleichzeitig oberflächlichem, gespannten Puls (Fu, Jin Mai) und kraftvollem Puls muß Kälteaffektion des Äußeren (biao) vorliegen. Bei gleichzeitig tiefem und gespannten Puls (Fu, Jin Mai) muß Kälteaffektion des Inneren (li), z.B. durch kalte Speisen vorliegen. Bei gleichzeitig hoher Nervosität und gespannten Puls liegt Gui Zhu (=Geisterkrankheit, eine psychische Erkrankung) vor. Bei beschleunigtem und gespannten Puls (Shuo, Jin Mai) liegt Schaden am Shen (psychische Erkrankung) vor.

Differentialdiagnose:

Die Bedeutung von gespannt ist, das der Puls nervös (gegen die tastenden Finger) klopft und sich wie ein sich drehendes verdrilltes Seil anfühlt. Im Altertum hieß es „Hitze erschlafft die Sehnen und Muskeln, Kälte spannt und strafft sie", „Hitze ballt sich gern im Inneren (li) zusammen, Kälte schnürt gern das Äußere ab". Daher benutzte man nervöses Anspannen und verdrilltes Drehen als Beschreibung für den Puls. Er kommt und geht mit kraftvollem Pulsieren, virbriert unter den Fingern und dreht sich wie ein verdrilltes Seil.

14. Huan Mai:

Der behäbige Puls klopft viermal pro Atemzug und kommt und geht träge und behäbig, aber dennoch harmonisch (in der Pulswelle) wie ein leichter Wind der sich erhebt oder das Schwingen von Trauerweidenzweigen im Frühlingswind. Behäbig bedeutet eine Trägheit in der Kraft des Pulses, nicht aber eine Langsamkeit des Rhythmus der Pulsschläge.

(Die Benennung „verzögerter" Puls ist demnach also nicht korrekt. G.N.)

Pathologische Bedeutung:

Der behäbige Puls reflektiert das normale harmonische Qi des Magens und weist auch auf pathogene Nässe hin. Im ersten Falle ist der Puls harmonisch (und ohne weitere Anzeichen), bei Nässe-Erkrankungen ist der Puls behäbig und kraftvoll, und tritt mit anderen pathologischen Pulsen zusammen auf. Erst dann läßt sich auf eine Erkrankung schließen.

Detailbedeutung des Huan-Mai an den sechs Pulsstellen:

Rechte Cun Pulsstelle (Lungen): Wenn er hier auf der oberen Pulsebene auftritt, so weist es auf Schaden des Wei-Qi (Abwehr) durch pathogenen Wind, der die Lunge affektiert hat.

Linke Cun Pulsstelle (Herz, Perikard): Wenn der Puls hier zugleich behäbig und rauh auftritt, so weist dies auf Blut-Leere der ShaoYin-Achse und Affektion der Leitbahnen hin.

Linke Guan Pulsstelle (Leber, Galle): Ein behäbiger und oberflächlicher Puls weist hier auf aufsteigenden inneren Leber-Wind hin.

Rechte Guan Pulsstelle (Milz, Magen): Ein behäbiger und tiefer Puls an dieser Stelle weist auf eine geschwächte Mitte (wörtl. "Erde") hin, durch die sich Nässe angesammelt hat.

Linke Chi Pulsstelle (Niere, Blase, Dünndarm): Ein behäbiger und rauher Puls an dieser Stelle weist auf eine Leere des Nieren-Qi hin, durch der Samenpalast geschwächt wurde.

Rechte Chi Pulsstelle (Ming Men, Dickdarm): Ein behäbiger und feiner Puls an dieser Stelle weist auf eine Schwäche oder Leere des wahren Yang, des Feuers im Ming Men hin.

Bedeutung gemischter Pulse:

Ein zugleich behäbiger und oberflächlicher Puls weist auf Affektion durch äußeren pathogenen Wind hin. Ist er dagegen behäbig und tief so liegt Kälte und Nässe im Inneren vor. Ein zugleich behäbiger und großer Puls weist auf (inneren) Wind durch Leere hin. Ein zugleich behäbiger und feiner Puls weist auf Nässe-Bi Syndrom, und ein behäbiger und rauher Puls auf geschwächtes des Milz-Qis hin. Schließlich weist ein zugleich behäbiger und weicher Puls (Ruo-Mai) auf Qi-Leere hin, da ein weicher Puls auf geschädigtes oder absinkendes Yang und ein behäbiger auf Schwäche des Milz-Qi (daher Nässe) hindeutet, so das diese Kombination auf absinkendes Qi durch Qi-Leere hindeutet (z.B. bei Analprolaps, Senkmagen oder Uterus etc.)

Differentialdiagnose verwandter Pulse:

Der behäbige Puls ist gelassen und entspannt, also das genaue Gegenteil des gespannten Pulses (Jin Mai). Der (reine) behäbige Puls ist ausgewogen und tendiert weder zur oberen noch zur unteren Pulsebene, weder zu groß noch zu klein, nicht zu schnell und nicht zu langsam, leicht und wallend wie Wind der sich erhebt, schwingend und pendelnd wie Trauerweidenzweige im Wind, alles in allem recht schwer zu beschreiben. Der behäbige Puls steht für das harmonische Qi des Magens, das in jedem Gesunden zu finden ist. Ohne Magen-Qi stirbt der Mensch. Da der behäbige Puls für das Magen Qi steht, ist dieser Puls von großer Bedeutung.

 

Weitere Pulse aus Xu‘s Buch folgen im nächsten Update

 

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Letzter Update: 02 May 2003