Akupunktur nach Meister Dong - Einfach und Effizient

In den Fünfziger Jahren kam der Meisterakupunkteur Dong, Jing-Chang aus der chinesischen Provinz Shandong in Taiwan an. Mit sich bracht er das gesammelte Wissen seiner Vorväter aus mehr als 10 Generationen. Dieses Wissen beinhaltete ein spezielles unabhängiges System der Akupunktur, das wahrscheinlich sogar über 2000 Jahre alt ist. Es ist heutzutage im traditionellen Taiwan weit verbreitet und findet aufgrund seiner großen Effizienz auch auf dem chinesischen Festland immer mehr Anhänger. In diesem Artikel wird Dr. Yeh eine kurze Übersicht über das System und seine speziellen Eigenschaften geben. G.N.

Im Biao You Fu schrieb Dou Han-Qing (Jin-Dynastie): "Überkreuze die Leitbahnen und nadle die Netzbahnen, bei Krankheit im Linken behandle im Rechten, blute (entlaste) die Netzgefäße und nutze die ferne Nadel, wenn der Kopf erkrankt ist, so nadle den Fuß."

Die Akupunktur nach Meister Dong, Jing-Chang basiert auf dem alten Wissen der Familie Dong, das von Meister Dong weiterentwickelt und verfeinert wurde. Angeblich existierte dieses System schon vor 3000 Jahren und breitete sich in der Heimatstadt der Familie Dong, später als Geheime Methode nur innerhalb der Familie aus. Es existieren jedoch keinerlei schriftliche Aufzeichnungen. Dennoch läßt sich annehmen, daß es sich wirklich um ein relativ altes System handelt, da es noch keine Moxibustion beinhaltet, die erst im dritten Jh. AD mit der Akupunktur kombiniert wurde, dafür aber viel Gebrauch der blutigen Nadelung macht, die schon im frühesten Altertum verwendet und mit Akupunktur kombiniert wurde.

Es zeichnet sich sowohl durch seine Einfachheit (und somit leichte Erlernbarkeit), der Einsatz von nur wenigen Nadeln, seine hohe Effizienz aus. Diese Eigenheiten sollen hier nun im Detail dargestellt werden:

  1. Leichte Auffindbarkeit der Akupunkturpunkte (einige sind mit den orthodoxen Punkten identisch)
  2. Die Punkte liegen fast alle auf den Extremitäten und dem Kopf, so daß sie selbst für Anfänger ungefährlich zu nadeln und äußerst leicht zu finden sind. Nach neuroanatomischen Erkenntnissen nehmen Hände, Füße und Gesicht im somatosensorischen Cortex durch ihre hohe Sensibilität und notwendige feinmotorische Steuerung einen verhältnismäßig großen Anteil ein, so daß auch entsprechend mehr Punkte auf diesen zu finden sind. Auch spielt der Daumen bei höheren Primaten eine große Rolle und eben hier finden sich ebenfalls viele wichtige Punkte der Dong-Akupunktur.

  3. Die Nadelmanipulation ist weit einfacher als in der orthodoxen Akupunktur: Methoden wie Heben und Senken, Schnippen, Schaben des Nadelkopfes, Biegen, Wackeln, Flügelschlagtechnik, usw. werden nicht verwendet, statt dessen drei Stichwinkel Hauptsächlich mit Drehtechnik und zwei weiteren der Dong-Akupunktur eigenen einfachen Nadeltechniken. Diese zwei Techniken, genannt Dong-Qi (Qi-Bewegende) und Dao-Ma (Umzingelnde Hengste) -Nadelung kann sowohl zum Ableiten (sedieren) als auch zum Zuführen von Energie (tonisieren) verwendet werden. Hierdurch werden auch potentielle Schmerzen des Patienten durch falsche oder übermäßig starke Nadelmanipulation deutlich verringert.
  4. Die Punktwahl ist meist unilateral, und zwar vorwiegend mittels Fernpunkten. Es gibt hierbei acht Methoden, die alle die jeweils gegenüberliegenden, nie die lokalen Punkte mit einbeziehen. Erkrankungen der rechten Seite werden links genadelt und umgekehrt; Erkrankungen der Beine werden an den Armen genadelt und umgekehrt, wobei die Knie den Ellbogen entsprechen usw.; Erkrankungen mit Schmerz nadeln den dem Lokus dolendi entsprechenden Punkt auf der gegenüberliegenden Seite. Bei Organen wird ebenfalls je die gegenüberliegende Seite gewählt. Also z.B. bei Milz die rechte und bei Leberstörungen die linke Seite. Aber innerhalb der Körperseiten gibt es Unterschiede: So werden z.B. bei Blutstase meist die rechte, während bei Qi-Stagnation die Punkte zur Linken genadelt werden.

  5. Im großen Ganzen werden bei dieser Art Akupunktur viele Fernwirkungen und Reflexzonen verwendet. Am Kopf z.B. existieren dem Unterbauch entsprechende Zonen und für Rumpf und Rücken finden sich entsprechende Zonen an Armen und Beinen. Auch an den Fußsohlen und Handflächen sind einige Punkte zu finden.
  6. Die Nadelwahl kann sowohl rein symptomatisch wie auch nach der Syndromdifferenzierung der TCM, d.h. nach Organen und Leitbahn differenziert werden. Die Akupunktur nach Dong basiert zwar auch auf den 14 Leitbahnen, verwendet jedoch vorwiegend Punkte, die mit den Punkten des orthodoxen Systems nicht übereinstimmen.
  7. Sondertechniken: Die Dong-Qi (Qi-Bewegende) Nadelung verbindet meist die Nadelung an den Extremitäten mit der Bewegung des erkrankten Bereiches, z.B. bei Trigeminusneuralgie werden zwei Punkte oberhalb und unterhalb von Mg 36 gestochen und gedreht, während der Patient gleichzeitig die Gesichtsmuskulatur (Mund, Augen usw.) intensiv bewegt.

Die Dao-Ma (Umzingelnde Hengste) Nadelung wählt nach Stechen des Hauptpunktes noch zwei weitere Dong-Akupunktur Punkte auf der Leitbahn aus, deren Nadeln schräg in Richtung des ersten Punktes gesetzt werden, diesen also sozusagen "umzingeln".

Eine weitere Besonderheit ist das blutig nadeln (bloodletting): Hier werden Punkte am Rumpf blutig genadelt, d.h. sie können mit einem sterilen Schnäpper gestochen werden, was weitaus leichter ist, als die hier in der orthodoxen Akupunktur eingesetzte Dreikantnadel. Diese Methode hat sich als äußerst effektive erwiesen und ist daher in Taiwan auch unter orthodoxen Akupunkteuren sehr verbreitet. Prof. Unschuld ist der Meinung daß zur Zeit des Nei Jings im Altertum Chinas die Akupunkturpunkte vorwiegend auf diese Weise behandelt wurden, da die Nadelung mit feinen Nadeln sich erst später verbreitete. Auch dies könnte ein Indiz für das hohe Alter dieser Methode sein.

Alles in allem läßt sich erkennen, daß die Dong-Akupunktur sowohl mit Reflexzonen arbeiten, ähnlich wie Ohrakupunktur und Fußreflexzonentherapie, als auch über die 14 Leitbahnen der orthodoxen Akupunktur und diese beiden Systeme so verbindet, daß die effektivsten Punkte der beiden Systeme zur Anwendung kommen.

Kritische Stimmen behaupteten, die Akupunktur nach Meister Dong mache sich nur einige empirische wirksame Sonderpunkte zu nutzen, verstehe aber nicht viel von den klassischen Leitbahnen. Daß diese Annahme falsch ist, beweist die Tatsache, daß die Punktfindung sich oft auf Leitbahnen oder Punkte der orthodoxen Literatur bezieht, außerdem kann die Entdeckung dieser effizienten Sonderpunkte nur durch intensive Kenntnis der "normalen" Punkte stattgefunden haben.

Daher erklären auch alle Schüler des Systems und alle Autoren von Büchern der Dong-Akupuktur einstimmig, daß diese Methode zwar auch mit nur geringen Kenntnissen der Grundlagen der TCM effektiv anwendbar ist, daß jedoch die höchste Effizienz bei diesem, wie auch jedem anderen Akupunktursystem erst dann erreicht werden kann, wenn der Akupunkteur eine umfassendes Wissen über chinesische Medizin besitzt, und dieses mit dem Wissen der jeweiligen Akupunktur verbinden kann.

Bi-Hsia Yeh

Anmerkung: Dr. Yeh hat sich bereit erklärt einige detaillierte Therapietechniken und Punkte in weiteren Artikeln auf dieser Homepage bekannt zu machen.

Literatur:

Dong Jing-chang: Dong Shi Zhen Jing Qi Xue Xue, Taipei

Lee, M.: Master Tongs Acupuncture, B. Poopy Press, 1992

Unschuld, P.: Medicine in China: A History of Ideas, University of California, 1985

Yang Wei-Jie: Dong Shi Qi Xue Zhen Jiu Xue, Zhong Yi Gu Ji Chu Ban She, Beijing 1995

Yang Wei-Jie: Dong Shi Qi Xue Zhen Jiu Fa Hui, Taipei 1980

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Letzter Update: 02 May 2003