Prof. Dr. med. sin. Zheng Jin:

Long Bi - Behandlung der akuten Anurie

Inhalt:

Einführung

A. Pathogenese und Pathomechanismus

B. Syndromdifferenzierung und Diagnose

1. Klinische Besonderheiten

2. Formen der Syndrome

3. Hauptpunkte der Syndromdifferenzierung

4. Differentialdiagnose

C. Behandlung

1. Notfalltherapie

2. Syndromdifferenzierung und Therapiediskussion

3. Andere Arten der Behandlung

4. Vorbeugung und Nachbehandlung

Einführung

Long Bi (gesprochen etwa "Lung Bi", wobei der Selbstlaut in Long etwas zwischen "u" und einem geschlossenen "o" wie in Koch liegt), wird durch eine erschwertes Harnlassen oder nur langsam herauströpfelndelden Urin, sowie verminderter Urinmenge oder Schmerz definiert. "Long" bedeutet hier das erschwerte Urinieren, ein Tröpfeln verminderter Harnmenge und indiziert eine eher langsame oder chronische Erkrankung. "Bi" hingegen bedeutet eine völlige Anurie mit bestenfalls wenigen Tropfen abgehenden Urins und indiziert einen akuten Zustand. Obwohl diese beiden Worte unterschiedliche Bedeutungen haben, weisen sie doch beide auf erschwertes Urinieren hin, die sich nur graduell unterscheidet, weshalb es meist zusammen unter dem Namen Long Bi aufgeführt wird.

Im Nei Jing ist schon sowohl im Su Wen (Abschnitt Xuan Ming Wu Qi) als auch im Ling Shu (Abschnitt Jing Mai) von dieser Erkrankung die Rede, auch bei Zhang Zhong-Jing im Shang Han Lun und bei Sun Si-Miao (im Lue Ji Qian Jin Yi Fang) wird Long Bi bereits aufgeführt. Li Yong-Cui (Qing Dynastie) schreibt im Zheng Zhi Hui Bu, im Kapitel Long Bi über die Ursachen desselben : "Bei Patienten mit Hitze, die sich im unteren Erwärmer ansammelt, so daß die Blase gestaut und der Harnleiter rauh und verstopft ist, existiert eine Rest-Hitze in der Lunge, so daß sie kein Wasser erzeugen kann und die Energetisierung (des Harns) durch das Qi ausbleibt; … bei langwierigen Krankheiten mit viel Schweißbildung sind die Körperflüssigkeiten aufgebraucht, oder bei großem Ärger im Bereich des Lebermeridians ist das Qi blockiert und undurchgängig, bei schwachem, leerem Milz-Qi, ist die Regulierung ebenfalls außer Kontrolle." Anschließend führt er die Methodik der Therapie im Detail dort auf. (..)

Heutzutage werden hierunter auch jegliche organische oder funktionelle Veränderungen der Blase oder des Harnsystems die zu tröpfelndem oder ausbleibenden Urin führten, sowie alle nieren-bedingten Störungen mit gleicher Symptomatik unter dieser Krankheit aufgeführt.

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A. Pathogenese und Pathomechanismus

Die Lokalisation dieser Krankheit liegt nach der TCM in erster Linie in Blase, ist aber auch mit Lunge, Milz, Niere oder Dreifachem Erwärmer verbunden. Die Energetisierung (qi-hua, i.d.F.) des Harns erfolgt innerhalb des Dreifachen Erwärmers, wird aber von Lunge, Milz, oder Niere unterstützt. Die Lunge ist für die Ausbreitung und Senkung des Qi, sowie für die Regulierung der Wasserwege zuständig. Wenn sie ihre die Ausbreitungs- und Senkungsfunktion gestört ist, so gerät auch die Regulation der Wasserwege durcheinander. Die Milz reguliert Transport und Umwandlung, und daher auch der Flüssigkeiten und des Wassers. Wenn sie diese Funktion gestört ist, so wird aus der Speise das Klare nicht nach oben und das Trübe nicht nach unten getrennt und befördert. Die Niere reguliert das gesamte Wasser, und ist für die Öffnung und Schließung zuständig. Wenn die Energetisierung (qi-hua, i.d.F.) des Harns durch die Niere gestört ist, so wird die Verteilung und Ausscheidung des Wassers im Körper gestört, die Öffnung und Schließung wird behindert. Wenn auch nur eine der o.g. Funktionen gestört ist, so kann daraus Long-Bi entstehen. Daneben können auch emotional bedingter Leber-Stau (Yü), Blockade der Adern und Gefäße, äußere Verletzungen, Krebs, sowie Harnsteine die Energetisierung (qi-hua, i.d.F.) des Harns im Dreifachen Erwärmer beeinflussen und so zu Long-Bi führen.

Die häufigsten Ursachen und Pathomechanismen werden hier wie folgt aufgelistet:

  1. Anstauung von Nässe-Feuer

Die Vorliebe für Alkohol oder der häufige Verzehr von fetten und süßen Speisen führt leicht zu einer Ansammlung von Hitze und Nässe, die sich auch in der Blase anstauen kann. Auch durch eine Verunreinigung (d.h. Infektion) der äußeren Geschlechtsorgane können unreine Pathogene hinauf zur Blase steigen (aufsteigende Harnwegsinfektion). Daneben kann eine Hitze der Niere sich hin zur Blase übertragen oder Nässe-Toxine dringen in den Dreifache Erwärmer ein und sammeln sich in der Blase. All diese Ursachen können zur Ansammlung von Hitze und Nässe in der Blase führen, so daß die Energetisierung des Harns (d.h. die Fähigkeit sich zu bewegen) und somit dieser selbst ausbleibt, und so eine Long-Bi (Anurie) entsteht.

2. Qi Blockierung durch Hitze der Lunge

Die Lunge ist die obere Quelle des Wassers; wenn sich dort Hitze ansammelt, dann versagt das Lungen-Qi in seiner Funktion der Ausbreitung und Senkung des Qi, dann werden die Körperflüssigkeiten (Jin-Ye) nicht genügend verteilt, und die Regulierung der Wasserwege (Harnsystem) ist gestört: Das deszendieren der Flüssigkeiten in die Blase bleibt aus. Außerdem kann eine überstarke Hitze der Lunge zur Blase hin absteigen, wo die eine Hitze-Blockierung des Qis von oberem und unterem Erwärmer herbeiführt und so eine Long-Bi entsteht.

3. Kontravektives Qi durch überstarke Leber

Wenn die sieben Emotionen gestört sind oder die geistige Verfassung durch Nervosität u.a. beeinträchtigt ist, dann gerät das Qi leicht aus dem Gleichgewicht und fließt nicht reibungslos nach unten, so daß auch die Energetisierung (qi-hua, i.d.F.) des Harns und der freie Fluß des Qi behindert wird, was zu Long-Bi führen kann. Von der Leitbahnlehre aus läßt sich ebenfalls eine Verbindung herstellen, da der Lebermeridian um den Unterbauch und die Geschlechtsteile fließt, so daß Leberkrankheiten auch im Zusammenhang mit Long-Bi stehen.

4. Blockierung der Harnwege

Blutstase, z.B. durch Sturz und Verletzungen, Schwellungen oder Harnsteine können alle zur Verlegung und Blockierung der Harnwege führen, so daß der Urin nur schwer ausgeschieden werden kann und ergo eine Long-Bi Erkrankung die Folge ist.

5. Senkung des Qi durch Milz-Schwäche

Falsche Ernährung, Erschöpfung und Verausgabung könne alle der Milz schaden, aber auch Schwäche durch das hohe Senium und Erschöpfung durch lange Krankheit können alle zu ungenügendem QI der Mitte (Milz-Magen) führen, so daß deren Funktion des Transportes gestört ist: das reine QI steigt nicht empor, und das trübe Qi nicht hinab. Die Blase kann dann den Urin nicht energetisieren und es entstehen Störungen beim Harnlassen, also Long-Bi.

6. Schwäche des Nieren-Qi, fehlende Umwandlung durch Qi-Leere

Hohes Senium und Erschöpfung durch lange Krankheit können alle zu Leere, so daß das Yang-Qi nicht ausreicht, bzw. das Feuer des Dreifachen Erwärmers zu schwach ist, was genau zum sogenannten Syndrom des "Anwesentheit des Yang führt zu Mangel des Qi es zu energetisieren" führt. Dies führt ebenfalls zu es entstehen Störungen beim Harnlassen, sprich Long-Bi.

7. Zusammenbruch des Yin mit Blockierung des Qi zur Folge

Durch lange auszehrende Krankheit wird das Yin geschöpft oder durch angesammelte Hitze im unteren Erwärmer. Wenn nach langer Zeit noch keine Rekonvaleszenz eingetreten ist, und das Yin, einschl. der Körpersäfte (Jin-Ye) verbraucht ist, oder weil sich pathogene Toxine angesammelt haben, so daß das Yin verdampft, wie z.B. bei akuten Verletzungen mit großem Blutverlust, die zur Austrocknung des Yin führen, so ist ebenfalls Long-Bi die Folge.

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B. Syndromdifferenzierung und Diagnose

1. Klinische Besonderheiten

Long Bi ist eine Störung des Harnlassens, mit Tröpfeln oder absoluter Anurie, die sich durch völlige Abwesenheit von Schmerz auszeichnet (Wenn Schmerz= Lin-Zheng, s.u. Punkt 4a). Sie kann sowohl plötzlich auftreten oder allmählich entstehen.

2. Formen der Syndrome

Man kann diese Erkrankung in drei große ursächliche Syndrome einteilen, nämlich Qi-Fülle, Qi-Leere und Yin-Leere:

    1. Blockierung durch Qi-Fülle
      1. Anstauung von Nässe-Feuer
      2. Bei diesem Syndrom besteht tröpfelnder oder äußerst geringer Harnfluß mit dunklem eingedickten Urin und Hitzegefühl beim Harnlassen, der Unterbauch ist angespannt oder geschwollen, es besteht bitterer Mundgeschmack oder ein klebriges Gefühl im Mund. Teilweise besteht außerdem ein Durstgefühl mit Abneigung gegen Getränke. Der Zungenkörper ist rot mit einem gelben, dicken fettartigem (ni-tai) Belag. Der Puls ist schlüpfrig und beschleunigt.

      3. Qi-Blockierung durch Hitze der Lunge
      4. Bei diesem Syndrom besteht tröpfelnder oder kein Harnfluß, ein trockener Mund bei Durst und Reizbarkeit, Luftnot und Husten. Die Zunge ist dünn gelb belegt, der Puls ist beschleunigt.

      5. Kontravektives Qi durch überstarke Leber
      6. Bei diesem Syndrom besteht emotionaler Angspanntheit, mit Wutausbrüchen und erhöhter Reizbarkeit, zugleich kann kein Harnlassen erfolgen oder es bleibt danach ein Gefühl nicht genug oder unvollständig uriniert zu haben; die Seiten und der Bauch sind gespannt oder geschwollen. Der Zungenkörper ist rot, der Belag ist dünn weiß oder dünn gelb belegt, der Puls ist saitenförmig.

      7. Blockierung der Wasserwege

      Bei diesem Syndrom besteht ein tröpfelnder oder sehr dünnstrahliger, schwacher Urin, der intervallweise mal fließt und wieder stoppt, in schweren Fällen besteht komplette Anurie. Gleichzeitig ist der Unterbauch angeschwollen oder fühlt sich voll an und ist schmerzhaft. Der Zungenkörper ist dunkelviolett mit Staseflecken an der Seite und einem rauhen oder feinen Puls.

    2. Blockierung durch Qi-Leere
      1. Absenken des Qi durch Milz-Leere
      2. Bei diesem Syndrom besteht ein harter Unterbauch mit gelgentlichem Harndrang aber der Unfähigkeit zum Urinieren. Der Patient ist kraftlos und abgespannt, oft dünn durch Appetitlosigkeit, leidet bei Anstrengung unter Kurzatmigkeit und spricht wenig in leisem oder schwachen Ton. Die Zunge ist blaßrosa mit dünnem Belag; der Puls ist tief und schwach.

      3. Leere des Nieren-Qi und der daher fehlenden Energetisierung (qi-hua)

Bei diesem Syndrom besteht Anurie oder eine Kraftlosigkeit beim Urinieren; das Gesicht ist blaß und fahl, der Patient ängstlich und kälteempfindlich, Rücken und Knie fühlen sich kraftlos und/oder kalt an, die Zunge ist blaßrosa mit dünnem weißen Belag, der Puls ist tief und fein, an der Chi (hinteren) Pulsstellen schwach oder kaum fühlbar.

    1. Blockierung durch Yin-Leere

Bei diesem Syndrom besteht gelegentlicher Harndrang mit Unfähigkeit zum Urinieren, Schwindelgefühl, Ohrensausen, Reizbarkeit, trockener Rachen, Hitzegefühl der Fußsohlen und/oder der Handflächen. Die Zunge ist rot mit wenig Belag; der Puls ist fein und beschleunigt.

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3. Hauptpunkte der Syndromdifferenzierung

  1. Differenzierung zwischen Leere und Fülle
  2. Fülle-Syndrome bei Long-Bi: Eine kräftige Konstitution mit plötzlichem, akut auftretendem Zustand, gespannter Unterbauch und Schmerz, Urin, falls vorhanden ist dunkel und eingedickt und hinterläßt ein brennendes Gefühl nach dem Urinieren. Der Zungenbelag ist fettartig gelb oder dünn gelb, der Puls ist saitenförmig oder beschleunigt.

    Leere-Syndrome bei Long-Bi: Eine schwächliche Konstitution mit allmählich verschlimmerndem Zustand; der Unterbauch ist mal gespannt mal nicht, beim Urinieren besteht eine gewisse Kraftlosigkeit. Das Gesicht ist fahlweiß oder ohne Glanz, geistig besteht eine leichte Ermüdbarkeit, körperlich eine Kraftlosigkeit mit geringer Belastungsfähigkeit, die Sprache ist leise und/oder wenig, die Zunge blaßrot oder rosa, der Puls ist tief, fein oder schwach.

  3. Anwesenheit oder Abwesenheit des Harns
  4. Bei Harndrang mit Unfähigkeit zu Urinieren und daraus resultierender Unruhe und Nervosität, sowie hartem angspanntem Unterbauch ist Urin in der Blase. Umgekehrt bei geringer oder keiner Schwellung des Unterbauchs, Scmerzlosigkeit und Abwesenheit von Harndrang ist kein Urin in der Blase.

  5. Beobachten der möglichen Folgen

Bei länger bestehender Anurie oder geringer Harnmenge, steigt das Gift (Nitrate) des Urins hinauf, so daß akute Übelkeit und Erbrechen bestehen, sowie Schwindel und große Schwäche und Harngeruch aus dem Mund oder der Haut. Dies sind Zeichen für eine gefährliche Entwicklung der Erkrankung. Wenn außerdem Zahnfleischbluten, Epistaxis, Krämpfe der Arme und Beine und Bewußtlosigkeit auftreten, so ist unmittelbare Lebensgefahr vorhanden.

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4. Differenzialdiagnose

  1. Differentialdiagnose zur Strangurie (Lin-Zheng)
  2. Bei Lin-Zheng ist schmerzhaftes, häufiges Urinieren kleiner Mengen, Tröpfeln und stechender Schmerz vorhanden, nach dem Urinieren bleibt ein Gefühl nicht vollständig uriniert zu haben oder ein Reizgefühl in der Harnröhre; der Unterbauch ist druckempfindlich und der Schmerz geht bis in die den Rücken und Bauchraum. Die tägliche Harnmenge ist jedoch normal im Gegensatz zum schmerzlosen Long-Bi mit verminderter Harnmenge.

  3. Differentialdiagnose zum Verschlußsyndrom (Guan Ge)
  4. Beim Guan-Ge Verschlußsyndrom sind Stuhl und Urin beide abwesend, oder Anurie mit Übelkeit und Erbrechen ist vorhanden. Bei Long-Bi ist nur der Urin betroffen, allerdings bei Fortschreiten können ebenfalls Erbrechen usw. als Folgesymptome auftreten (s.o.)

  5. Differentialdiagnose zu Ödembildung (Shui Zhong)
  6. Ödembildung zeigt sich durch Schwellungen im Gesicht, um die Augen oder an den Extremitäten, in schweren Fällen gibt es auch Wasserretension im Brust- oder Bauchbereich mit Anurie. Bei Long-Bi bestehen jedoch keinerlei Schwellungen, außer wenn es als Folge von schwerer Ödembildung entsteht.

  7. Differentialdiagnose zur Tympanie (Gu Zhang)
  8. Bei Tympanie ist der Bauch stark und hart angeschwollen und die Haut von fahlgelber Farbe. Die Gefäße treten deutlich hervor und die Urinmenge wird täglich weniger. Bei Long-Bi bestehen keine dieser Zeichen außer der verringerten Urinmenge.

  9. Differentialdiagnose zu schwangerschaftsbedinger Dysurie (Zhuan Bao)

Bei schwangerschaftsbedingter Dysurie (Zhuan Bao) wird der Harnfluß durch den Fötus abgedrückt, es entstehen starker Schmerz im Unterbauch durch den Druck auf die Blase. Dies kommt meist nur gegen Ende der Schwangerschaft vor, auch ist Long-Bi schmerzlos.

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C. Behandlung

Bei der Behandlung der Long-Bi steht das Durchgängigmachen (Tong) im Vordergrund. Vor allem wird genau zwischen Fülle und Leere unterschieden. Bei Fülle wird diese durch Methoden wie Kühlen von Nässe-Hitze, ausleiten der Wasserwege, bewegen des Stagnierten Qi oder verteilen von Stase und Verknotung. Bei Leere wird diese entsprechend tonisiert, z.B. durch Hebung und Senkung des Lungen-Qi, Stärkung von Milz und Niere, Kräftigung der Energetisierung (qi-hua), Nährung des Yin und der Körperflüssigkeiten usw.

  1. Notfalltherapie

Wenn Long-Bi nicht schnell behandelt wird, so können daraus erste oder sogar lebensbedrohlich Zustände entstehen. Es müssen i.d.F. rasch Maßnahmen getroffen werden. Nachdem das Syndrom klar herausdifferenziert wurde, kann zwar die Behandlung zwar beginnen, aber oft müssen in akuten Fall zuerst die Zweige und dann erst die Wurzel behandelt werden. Wenn also die Anurie schon fortgeschritten ist, muß zunächst die akute Notfallsituation versorgt werden. Dazu können folgende Methoden benutzt werden:
bullet30g Rx./Rhiz. Rhei (Da huang), pulverisiert mit etwas Wasser herunterspülen, oder ein Infus von 30g Fol. Senne (Fan ixe Ye) n Wasser machen und den Absud trinken.
bulletJe 30g Rx./Rhiz. Rhei, (Da huang), Mu Li (Poncho Austrage), Hai Hua, Hb. Taraxacum (Pu gong ying) in 200-300ml Wasser kochen und täglich 1-2mal einnehmen.
bulletMoxibustion von Guan Yuan, Qi Hai, Tian Shu je 3-7 Mal.
bullet12g Knoblauch (Da suan) mit 60g Mirabilitum (Mang xiao) zu einem Brei zerreiben und diesen im Bereich der Nieren auftragen. Zur Vermeidung von überstarken Reizreaktionen der Haut ein ölgetränktes Gazétuch unterlegen.
bullet200g Schalotten (Bai cong)oder Frühlingszwiebeln zerstampfen und 0.5g Moschus (She Xiang) hinzugeben; mit etwas Honig vermischen und auf die Akupunkturpunkte Zhong Ji oder Guan Yuan auftragen.

Wenn ein akuter fortgeschrittener Zustand vorliegt so kann dieser meist in zwei Formen unterschieden werden:

1.1 Trübes Yin steigt nach oben: In diesem Zustand finden sich Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Uringeruch aus dem Munde, Inappetenz, Bedrückungsgefühl in der Brust, , abdominale Schwellung, Kraflosigkeit und Abgeschlagenheit, erhöhte Tagesmüdigkeit, Abneigung gegen Kälte, dunkelgraue oder aschfarbene Gesichtsfarbe und im schweren Fall Ohnmacht. Der Zungenkörper ist dick und blaßrot oder rosa, der Belag ist dreckig-weiß, dick und kleisterartig, der Puls ist tief und fein. Das angebrachte Therapieprinzip ist hier die Hebung des Yang-Qi und Ausleitung des trüben Yin. Die Hauptrezeptur ist Fu Zi Pian (Tub. Aconiti prep.), Rx/Rhiz.Rhei (Da Huang), Da Fu Pi, Xuan Fu Hua, Dai Zhe Shi, Fa Ban Xia, Yi Ren, Che Qian Zi, Shi Wei, und Yi Mu Cao. Bei Qi-Leere zusätzlich Dan Shen und Huang Qi hinzugeben.

1.2 Hochschlagen von Yang-Wind: In diesem Zustand finden sich Symptome wie Drehgefühl, Kopfschmerz, Schwindel, Nasenbluten, Übelkeit, Erbrechen, Uringeruch aus dem Munde, Tremulus der Extremitäten und im schweren Fall Ohnmacht. Der Zungenkörper ist tiefrot, der Belag ist gelb oder schwarz (wie verbrannt) und trocken. Der Puls ist saitenförmig, beschleunigt und fein. Das angebrachte Therapieprinzip ist hier das Beruhigen des Leber-Windes sowie Kühlen und Umwandeln von Schleim. Die Hauptrezeptur ist eine Modifikation der Ling Yang Gou Teng Tang mit Ling Yang Jiao, Gou Teng, Sang Ye, Ju Hua, Fu Shen, Chuan Bei Mu, Zhu Ru und Gan Cao. Bei Konvulsionen sollte Zi Xue Dan, An Gong Miu Huang Wan oder Zhi Bao Dan gegeben werden.

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  1. Syndromdifferenzierung und Therapiediskussion
    1. QI Fülle Syndrome
      1. Anstauung von Nässe-Feuer
      2. Das Therapieprinzip ist Hitze kühlen und Nässe ausleiten, sowie ein Durchgängigmachen des Urins. Die Grundrezeptur ist Ba Zheng San, die Arzneien sind Mu tong, Che qian zi, Hua Shi, Gan Cao, Qu mai, Bian xu, Zhi zi, Da huang. Wenn Aphten im Mund oder auf der Zunge existieren, so sollte zugleich Dao chi San benutzt werden. Bei Akkumulation von starken Nässe-Pathogenen mit Reizbarkeit, Durst, Übelkeit und Erbrechen so sollte Zhu ru, Fa Ban xia und Yu Shu Dan hinzugegeben werden.

      3. Qi-Blockierung durch Hitze der Lunge
      4. Das Therapieprinzip ist kühlen und diuretisch Hitze der Lunge ausleiten , sowie ein Öffnen und Durchgängigmachen der "Wasserwege". Die Grundrezeptur ist Qing Fei Yin, die Arzneien sind Haung Jin, Shang Bai Pi, Mai Dong, Fu Lin, Che Qian Zi, Mu Tong, Zhi Zi. Bei roter Zungenspitze muß Huang Lian, Zhu Ru. Bei viel Durst Shi Gao; bei großer Hitze mit Schädigung des Yin zusätzlich Sheng Di und Xuan Shen.

      5. Kontravektives Qi durch überstarke Leber
      6. Das Therapieprinzip ist glätten der Leber und Vertreiben der Pathogene, sowie ein Bewegen des Dreifachen Erwärmers. Die Grundrezeptur ist Chen Xiang San, insgesamt werden benutzt Chen xiang, Chen Pi, Dan Gui, Wang Bu liu Xing, Shi Wei, Dong Kui zi, Hau Shi und Tai Wu. Bei großer Hitze kommen zusätzlich Dan Pi und Zhi Zi hinzu.

      7. Blockierung der Wasserwege

Das Therapieprinzip ist ein Aufbrechen der Blutstase und Verteilen der Ansammlungen, sowie ein Durchgängigmachen der Wasserwege. Die Grundrezeptur ist Di Dang Tang, wobei insgesamt folgende Arzneimittel benutzt werden: Da huang, Mang xiao, Dang gui Wei, Zhuang Shan jia, Tao ren, Hong hua, Sheng di, Gui rou und Tu Niu xi. Bei Steinen sollte man zusätzlich Hai Jin sha, Dong Kui Zi, Hua shi, und Qu mai. Wenn gleichzeitig Blut im Urin festzustellen ist, dann wird Shen San qi und Hu Po Pulver gegeben. Wenn der Urin über eine Stunde blockiert und die Anurie kaum auszuhalten ist, dann wird 0.3g She xiang Pulver mit etwas Wasser eingenommen. Wenn QI und Blut am Zusammenbrechen sind, dann wird Dang Shen und Huang qi gegeben.

  1. Qi Leere Syndrome
    1. Absenken des Qi durch Milz-Leere

Das Therapieprinzip ist ein Tonisieren und stärken des Qi der Mitte, ein Senken des Trüben und Erheben des Klaren. Die Grundrezeptur dazu ist die Bu Zhong Yi Qi Tang, wobei insgesamt folgende Arzneimittel benutzt werden: Huang Qi, Dang Shen, Bai Zhu, Sheng Ma, Chai Hu, Zhi Qiao, Rou Gui, Tong Cao, Che Qian zi und Zhi Gan Cao.

2. Leere des Nieren-Qi und der daher fehlenden Energetisierung (qi-hua) :

Das Therapieprinzip ist ein Tonisieren der Niere und Fortifizieren des Yang, sowie die Energetisierung des Qi der Blase und Bewegen des Wassers. Die Grundrezeptur ist Ji Sheng Shen Qi Wan, wobei insgesamt folgende Arzneimittel benutzt werden: Zhi Fu Pian, Shou di, Rou gui, Shan Zhu yu, Huai Shan Yao, Dan Pi, Ze Xie, Fu lin, Huai Niu xi, Che qian zi, Hong shen. Bei deutlichen Anzeichen von Nierenversagen kann eine Modifikation der Zhen Wu Tang gewählt werden.

    1. Yin Leere Syndrome

Yin-Leere: Das Therapieprinzip ist ein Befeuchten und Nähren der Niere, sowie ein Vorantreiben der Energetisierung des Qi der Blase. Die Grundrezeptur ist Liu Wei Di Huang Tang, wobei insgesamt folgende Arzneimittel benutzt werden: Shou Di Dan Pi, Fu Ling, Ze Xie, Shan Yao, Da Zao Pi, Zhu Lin, Hua Shi, und A Jiao.

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3. Andere Arten der Behandlung (aus Volksrezepturen)

a. Eine Feldschnecke ohne Schale im Mörser mit etwas She Xiang zerreiben und auf dem Nabel auftragen.

b. Erhitztes Salz in den Nabel füllen und dann Yin Jiao moxen. Nach dem Kaltwerden des Salzes noch mehrmals heißes Salz verwenden.

c. Gan Sui Pulver mit Wasser verrührt auf den Nabel auftragen.

d. Im Altertum gab es die sogannante Zwiebelstengeloperation, bei der ein Röhrchen durch die Harnröhre in die Blase eingeführt wurde. Diese Methode kann heute vollständig durch eine sterile Katheterisierung ersetzt werden.

e. Niesmethode oder Emetische Methode: Bei der ersteren werden 0.3-0.6g Zao jiao in die Nasenöffnung gepustet so daß Niesreiz eintritt oder der Rachen wird mit etwas (Finger o.ä.) gereizt, bis Brechreiz eintritt.

f. Akupunktur bei Hitze-Long Bi: San Yin Jiao, Zhong Ji, Ci Liao, Tai Chong sedieren. Bei Qi-Stagnation: Da Zhui, San Yin Jiao, Qi Hai, Ming Men, Shao Shang sedieren. Bei Bei Qi-Leere: San Yin Jiao, Guan Yuan, Qi Hai, Zu San Li, Shen Shu tonisieren. Zusätzlich zur Akupunktur wird oft der Blasenbereich massiert.

 

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4. Vorbeugung und Nachbehandlung

a. Der Patient mit wenig oder keinem Harnabgang sollte sich ruhend hinlegen, genau Buch über die getrunkende und ausgeschiedene Wassermenge führen, keine großen Mahlzeiten einnehmen (vorallem keine eiweißhaltigen Nahrungsmittel) und für einen regelmäßigen Stuhlgang sorgen.

b. Speisen und Getränke sollten leicht und ungewürzt sein, vorallem dürfen keine scharfen oder stimulierenden Speisen oder Getränke eingenommen werden, sowie fetthaltige in nur Maßen.

c. Bei Verwendung von Abführmitteln, sollte 1-5 Std. nach Einnahme etwa ein Liter Wasser aus dem Darm ausgeschieden werden. Ist die Menge zu gering, so wird das Ziel nicht erreicht, ist die Menge aber zu groß, so entsteht ein zu großer Wasserverlust, was auch vermieden werden sollte.

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Dr. Zheng Jin ist nach langjährigem Auslandsaufenthalt in Spanien, wo er für die Leitung und Koordination der TCM-Ausbildung in verschiedenen Projekten verantwortlich war, wieder im Yunnan College of TCM, als Direktor der Fakultät für Chinesische Medizin. Er praktiziert im 1.TCM-Krankenhaus der Provinz Yunnan in Kunming.

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Letzter Update: 02 May 2003