Erfahrungen zeitgenössischer berühmter Ärzte in der KHK-Behandlung mit TCM

Frau Dr.Gu, aus Wuxi in der Provinz Jiangsu, die die integrierte westliche und chinesische Medizin über vierzig Jahren am Krankenbett anwendet, befaßt sich seit 1961 mit der klinischen Erforschung von Herzkrankheiten. Sie betont dabei besonders die genaue Syndromdifferenzierung aber auch die Unterscheidung des Krankheitsbildes in der traditionellen chinesischen und der Schulmedizin.

Symptome und Syndrome

Die Brust-Bi Erkrankung im Chinesischen "Xiong Bi", wie sie im Jin Kui Yao Lue beschrieben wurde äußert sich in erster Linie durch ein Druck- oder Spannungsgefühl im Brustraum, weniger durch intensiven Schmerz. Dies entspricht in der KHK dem leichten Anfangsstadium bzw. einer untypischen Erkrankung wie z.B. bei schmerzlosen Angina pectoris Anfällen oder stummen Myokardischämien und -infarkten. Schwerere Erkrankungen und solche die sich durch mehr Schmerz auszeichnen, stimmen eher mit den Syndromen Herz-Schmerzen "Xin Tong" überein, wie im Nei Jing Su wen beschrieben (Schmerz in der Brustmitte, bis unter die Rippen, Schmerzen bis in die Schultern und Rücken ziehend, usw.), oder aber mit dem vernichtenden Herzschmerz "Jue Xin Tong", der im Ling Shu erwähnt wird (Schmerz wie ein Stich in das Herz mit kalten Händen und Füßen, kaltem Schweissausbruch und Schwächegefühl…). Diese beiden Formen entsprechen also eher unstabiler Angina pectoris oder akutem Myokardinfarkt.

Noch schwerer wiegt demnach der absolute (wörtl. wahre) Herzschmerz "Zhen xin tong", der in seiner Symptomatik absolut dem akuten Infarkt entspricht. Er wurde ebenfalls schon im Ling Shu wie folgt beschrieben: "Cyanose der Hände und Füße bis an die Gelenke, extremer Schmerz, am Morgen beginnend führt er am Abend schon zum Tode, und am Abend beginnend folgt der Tod am Morgen…". Die in den Klassikern genannten Namen der Krankheiten werden von Frau Dr. Gu also nach ihrem Schweregrad in Brust-Bi, Herzschmerzen, dem vernichtenden Herzschmerz und schließlich den absoluten Herzschmerz eingeteilt.

Nach einer Auswertung von 333 KHK-Fällen der klinischen Forschung mit Angina pectoris, Infarkt, Insuffizienz und Arhythmie kam Dr. Gu zu der Annahme, daß die KHK sich vorwiegend als grundlegende Leere-Erkrankung, die sich als Fülle manifestiert darstellt. Die Leere-Syndrome umfassen hier insbesondere kombinierte Qi und Yin-Leere, gefolgt von purer Qi-Leere und Yin-Leere, sowie an vorletzter und letzter Stelle Yang-Leere und kombinierte Yin und Yang-Leere.

Aus der ZangFu-Differenzierung betrachtet fanden sich unter den Qi-Leere Syndromen vorwiegend Herz-Qi-Leere (66.5%), unter Yang-Leere meist -wie sollte es anders sein- Herz-Yang-Leere (60.5%), und unter Yin-Leere in erster Linie Patienten mit Leber-Yin-Leere (75.1%).

Unter den Fülle Syndromen ist an erster Stelle das kombinierte Qi-Stagnations- und Blutstasesyndrom zu nennen, das entweder alleine oder mit Leere-Syndromen kombiniert in 98.19% der Fälle zu finden war. Auch die Blockierung durch Schleim trat meist kombiniert auf und war in 41.8% der Fälle zu finden, alleine dagegen nur in 1.81%. Insgesamt ließen sich die Ergebnisse also in folgende Gruppen unterteilen:

  1. Herz-Qi Leere, die sich bei Verschlimmerung in Herz-Yang-Leere oder Herz-Niere-Yang-Leere verwandeln kann.
  2. Blutstase, oft kombiniert mit Schleim oder Schleim-Hitze (letztere meist im Spätstadium), sowie
  3. Herz-Yin-Leere, oft im Spätstadium als kombinierte Qi-Yin-Leere vorkommend.

Bedeutung der Zungendiagnose

Die Diagnose der Zunge wird bei KHK von Dr. Gu als besonders wichtig empfunden, da sie das Stadium und die Veränderungen der Krankheit widerspiegelt. Im Anfangsstadium und bei leichten Fällen (auch bei kleinen Infarktfoci) findet man oft die gewöhnliche dünn weiß belegte Zunge, hingegen verändert sich meist schon zwischen Stunden und Tagen der Belag in einen dünn-gelblichen oder klebrig-weissen, wenn die Krankheit einen schlechten Verlauf nimmt, aber auch schnell durch Normalisierung des Belages eine gute Prognose anzeigt wenn die Krankheit einen positiven Verlauf nimmt. Wenn der sich Belag nach dem Behandlungsbeginn schnell normalisiert, so kann dies als fauste Prognose interpretiert werden, bleibt aber ein gelber, dicker oder klebriger Belag hartnäckig vorhanden, oder verschlimmert sich, so ist die Prognose als Verschlechterung zu deuten.

Auch der Zungenbelag spielt eine große Rolle bei Diagnose und Prognose: Zunächst muß vorausgeschickt werden, daß ein dunkler, blaßdunkler, violetter oder ein Zungenkörper mit Staseflecken in den KHK besonders häufig vorkommt, was sich u.a. durch die starke Beteiligung des Blutstasesyndroms erklärt. Zu Beginn eines Myokardinfarktes in der schmerzintensiven Phase lassen sich eine deutliche Verfärbung des Zungenkörpers ins Violette, ein Dunklerwerden und Austrocknen feststellen, die sich nach der Behandlung und Linderung des Schmerzes wieder bessert.

Generell läßt sich sagen, daß eine z.B. tiefrote Zunge mit dickem, klebrig-gelben Belag auf ein komplizierteres Syndrom (Blutstase, Schleim, Hitze) hinweist und sich in der Behandlung als schwieriger erweist, als einfachere Zungenbilder. Dennoch ist die Veränderung des Zungenkörpers und des Belags immer ein guter Hinweis auf die Schwere und Prognose der Krankheit.

Therapieprinzipien

  1. Die Therapie muß natürlich in erster Linie aufgrund der Schwere und des Zustandes (akut oder chronisch) erfolgen: Wenn der Brustschmerz und das Brust-Bi relativ schwer sind, so sollte in erster Linie die äussere Manifestation (d.h. die Zweige im Ggs. Zur Wurzel) behandelt werden. Zur schnellen Abhilfe werden dann wärmende ätherische Rezepturen, mit freimachender Wirkung eingesetzt, und wenn es der Syndromdifferenzierung entspricht, auch blutbelebende, stasebeseitigende und/oder Bi-befreiende, Yang wiederherstellende Rezepturen, die ein wiederholtes Auftreten der Anfälle kontrollieren. Nachdem dann die akuten Symptome gelindert oder unter Kontrolle sind, (z.B. Schmerzen, Atemnot oder Arhythmien) werden anschließend die ursächlichen Teile der Erkrankung (d.h. die Wurzel, wie z.B. die Arteriosklerose und die mit ihr verbundenen Durchblutungsstörungen etc.), so daß sowohl symptomatisch wie auch präventiv und ursächlich behandelt wird.
  2. Die Wahl der einzusetzenden Rezeptur und die Darreichungsform haben natürlich ebenfalls Einfluß auf den Therapieerfolg: Bei den wärmenden ätherischen Rezepturen können Fertigarzneimittel verwendet werden, wie sie (in China) in jeder Apotheke zu finden sind, nämlich Präparate wie GUAN XIN SU HE WAN, SU BING DI WAN, SHE XIANG BAO XIN WAN, und SU XIAO QIU XIN WAN usw. die alle sehr schnell, jedoch nicht sehr lange wirken und auch aufgrund ihrer Arzneistoffe nicht für die längerfristige und präventive Wurzeltherapie geeignet sind. In der akuten Phase der KHK können hierzu zusätzlich oral oder i.v. verabreichte Arzneimischungen wie FU FANG DAN SHEN etc. als Dekokt oder DAN SHEN Infusion, die noch etwas besser wirken im Vergleich zu den Fertigarzneien mit gleichem Inhalt. Nach der akuten Phase dann können Rezepturen als Dekokt und/oder Fertigarzneien verwendet werden, um ein weiteres Auftreten von akuten Attacken zu verhindern.

Die differenzierte Behandlung von AP und AMI in verschiedenen Stadien

Obwohl die Syndromdifferenzierung der KHK unkompliziert und daher auch die Therapie sich auf einige wenige Komponenten beschränkt, sollte immer eine genaue Differenzierung der Erkrankungen, Syndrome und Stadien vorgenommen werden um den optimalen Therapieerfolg zu erzielen.

  1. Akute Angina pectoris Phase (bei stabiler und instabiler KHK-AP):

Obwohl intravenöse Infusionen mit Dan shen (Rx. Salvia) deutlich und effektive Wirkung zeigen, halten ihre Wirkungen nicht über einen längeren Zeitraum an und sind auch nicht so leicht und praktisch anwendbar wie Darreichungsformen als Dekokt. Daher bilden die Dekokte den Hauptpfeiler der Therapie, der entsprechend von Infusionen und Fertigarzneimitteln begleitet werden kann.

Nehmen wir zunächst den Herzschmerz (Xin Tong) als Haupterkrankung; hierbei werden meist blutbewegende, stasenvertreibende Rezepturen eingesetzt. Wir nehmen hier also häufig Arzneimittel wie Dan Shen, Chi Shao, Chuan Xiong, Shi xiao san, Dang gui, Hong hua, Yu jin u.a. als Grundlage der Arzneimischungen. Beim Auftreten von exogener Kälte oder solcher durch Yang-Leere werden natürlich Yang wärmende oder Yang aufbauende Arzneien hinzugefügt, wie z.B. Gui zhi, Xian Ling Pei, Xi xin, Fu zi, Rou gui usw. Allgemein können Gui zhi, Xian Ling Pei, Xi xin, und Cong bai verwendet werden, bei starker Kälte nimmt man Fu Zi, Rou Gui und andere heiße Arzneimittel die Dosis wird durch die Schwere der Symptomatik bestimmt.

Bei gleichzeitigem aszendierendem Yang durch Yin-Leere mit Hypertonie usw. werden zugleich Yin-Nährende und Leber-Yang senkende Arzneien gegeben, also z.B. Sheng Di Huang (Rehmannia), Zhi Shou Wu (Polygonum prep.), Sang Ji Sheng (Morus), Gou Teng (Uncus), Xi Xian Cao (Siegesbeckia), Xia Ku Cao (Prunella), Zhen Zhu Mu (Margerita) und Mu Li (Halitodes). Wenn gleichzeitig Druckgefühl durch Brust-Bi besteht und die Zunge nicht allzu dicken und klebrigen Belag aufweist, dann kann auch Gua Lou (Trichosanthes) in hoher Dosierung hinzugefügt werden, d.h. ca. 30g pro Dosis (bei Milz-Leere mit Durchfall weniger geben), um das Qi zu bewegen, den Schleim umzuwandeln und die Brust zu öffnen.

Wenn nun als Haupterkrankung statt Xin Tong (Herz-Schmerz) das Brust-Bi (Xiong-Bi) im Vordergrund steht, so eignet sich die Bi-befreiende Yang wiederherstellende Methode, bei der oft Modifikationen der Brust-Bi-Rezepturen aus dem Jin Kui Yao Lüe verwendet werden, d.h. Bestandteile wie Gua Lou, Fa Ban Xia, Gui Zhi, Qian Bai, Zhi Qiao, oder Shi Zhi als Hauptarzneien in Frage kommen. Diese werden ergänzt durch Dang Gui, Dan Shen, Hong Hua, Yu Jin, Xiang Fu usw. d.h. Netzgefäße und Qi regulierende Arzneien.

Bei Schleim der sich in Hitze wandelt mit deutlichem Hitze-Syndrom verwendet man Rezepturen wie Huang Lian Wen Dan Tang, also Arzneien wie Huang Lian, Zhi Zi, Zhu Li, Ban Xia, Zhu Ru, Dan Nan Xing, Pu Huang, Yu Jin, Zhi Qiao, Dan Shen u.a.m.

Gui Zhi und Cong Bai haben ja beide Yang kräftigende und scharfe, warme Eigenschaften; während Gui Zhi beim wärmen der Leitbahnen und Durchgängigmachen der Netzbahnen etwas besser wirkt, da es laut pharmakologischer Forschung die peripheren Gefäße erweitert und daher die Durchblutung verbessert, wirkt Cong Bai besser beim Bewegen des Qis und bei der Schmerzstillung, hingegen erweitert es die koronaren Gefäße nur ein wenig und ist auch geschmacklich schlechter zu ertragen. Daher ziehen wir meist Gui Zhi vor, außer wenn eine starke Blockade durch Kälte-Schleim besteht, so daß ein extremes Druckgefühl und Brustenge bestehen, nur dann verwenden wir gleichzeitig beide Arzneien.

Klinische Anmerkungen:

Patienten mit KHK gehören meist zu beiden Krankheiten, Xiong Bi (Brust-Bi) und Xin Tong (Herzschmerzen) und können nach den oben genannten Therapieprinzipien je nach Gewichtung der Krankheit behandelt werden. Die genaue Unterscheidung in diese beiden Erkrankungen hat sich in der Therapie als effektiver erwiesen als das generelle Verabreichen von blutbelebenden und Blutstase-umwandelnden Arzneien bei jeder Art von Angina pectoris.

2. Nicht-akute Angina pectoris Phase (oft bei KHK mit chron. Herzinsuffizienz):

Therapie von Wurzel und Zweig je nach Syndromdifferenzierung teils mit Tonisieren, teils mit Durchgängigmachen als Haupttherapieprinzip. Bei der Tonisierung von Leere-Zuständen stehen Herz oder Niere im Vordergrund: Bei Nährung des Leber und Nieren-Yin mit Modifikationen der Liu Wei Di Huang Wan (Rehmannia Sechs Sapores Pille) bzw. mit Ji Qu Di Huang Wan (Rehmannia Lycium Chrysanthemum Pille) bei aszendierendem Yang mit Hypertonie, die häufig mit Arzneien wie Sang Ji Sheng (Morus), Gou Teng (Uncaria), Xia Ku Cao (Prunella), Shi Jue Ming (Ostra), Zhen Zhu Mu (Margerita), Huai Niu Xi (Achyranthis bid.) usw. ergänzt werden.

Bei Patienten mit Qi-Leere des Herzens die mit Herz-Nährendem Prinzip behandelt werden dagegen Sheng Mai San (Pulserzeugendes Pulver) und Tian Wang Bu Xin Dan (Herzstärkende Pille des Himmelskönigs) als Grundlage verwendet. Wenn das Yang des Herzens sich nicht erhebt d.h. die Herzfunktion geschwächt ist, kommt Sheng Mai San mit Fu Zi Pian (Aconit), Yu Zhu (Polygonatum odor.) Ting Li Zi (Lepidium) usw. in Frage, d.h. Qi-Tonisierende und Yang-Wärmende Arzneien, die das Herz stärken und diuretisch wirken.

Sind zugleich Herz und Niere betroffen, so werden obige Rezepturen und Arzneien dem Syndrom entsprechend kombiniert.

Klinische Anmerkungen:

Das langfristige Verabreichen von traditionellen Arzneimitteln bei dieser Form der KHK hat sich als erfolgreich bei der Prävention einer Verschlimmerung und dem Entstehen einer schmerzhaften Symptomatik erwiesen. Die langfristige Einnahme von Dekokten war jedoch für viele Patienten zu umständlich, so daß hier auch oft Fertigarzneien eingesetzt wurden. Es wurde hierzu ein Kombinationspräperat aus Herz und Nieren stärkenden Arzneien und blutbelebenden, blutstase-umwandelnden Arzneien entwickelt, das unter dem Namen Guan Xin Pian (Herzkranz-Tabletten) bereits hergestellt wird.

Dieses Präparat wurde 100 Patienten für ein bis zwei Monate verabreicht und verhinderte neue Angina pectoris-Attacken deutlich bei 44,12% und insgesamt bei 82,35% der Patienten. Auch die EKG-Untersuchung erbrachte ein sechzig-prozentige Verbesserung des Befundes und es wurden außerdem eine Verbesserung der Herzfunktion und des peripheren Blutflusses, eine Senkung der Blutviskosität, der Thrombozytenaggregation und des Serumgesamtcholesterols erreicht, sowie eine Erhöhung des HDL u.a. Parameter, so daß sich hiermit eine antiarteriosklerotische Wirkung nachweisen ließ.

3. Akute Myocard-Infarkte (Absoluter Herzschmerz)

Hier gibt es viele Variationen und Veränderungen und ein hohes Mortalitätsrisiko, weshalb hier oft integrierte Medizin (d.h. Traditionelle Chinesische und Westliche Medizin als Kombination) verwendet wird. Im akuten Stadium kommt man selten ohne schulmedizinische Pharmakologie aus, aber dennoch kommen hier traditionelle Arzneimittel -sofern sie durch exakte Syndromdifferenzierung und Therapiediskussion ausgewählt werden - während der gesamten Therapiephasen als sinnvolle und effiziente Ergänzung in Frage.

Da es sich beim akuten Myokardinfarkt und dem akuten Angina pectoris Anfall um zwei verschiedene Krankheiten mit Herzschmerz als Leitsymptom handelt und der gleichen ätiologischen Grundlage handelt, beruhen auch in der Therapie mit TCM die Therapieprinzipien auf der gleichen Grundlage. Dennoch ist der Schaden durch Blutstase der Gefäße und Verlust des Herz-Yang und Herz-Qi beim akuten Myokardinfarkt größer, denn abgesehen von der Schwere des Schadens ist zusätzlich das gesamte Yang des Brustraums durch Schleim und Hitze blockiert, so daß ein Schleim-Blutstase-Syndrom entsteht, das nicht nur schwer zu behandeln ist, sondern dem eine genaue Syndromdifferenzierung vorausgehen muß, um eine optimale Therapieffizienz zu erreichen.

Klinische Anmerkungen:

Die oben erwähnte genaue Syndromdifferenzierung bei AP und AMI läßt sich aufgrund klinischer Beobachtungen in fünf verschiedene Syndrome aufschlüsseln, die nach individueller Modifikation aufgrund der Symptome des Patienten in der Regel als Therapieprinzipien ausreichend sind:

  1. Blut bewegen und Qi tonisieren (z.T. auch Yin nähren)
  2. Dieses Therapieprinzip wird häufig im Anfangsstadium bei leichten Krankheitsverläufen verwendet. Leitsymptome sind: Schmerzen und Druck im Brustraum, Schwäche und Abgeschlagenheit, Atemnot und Schweißausbruch, Zungenkörper dunkel oder blaßrot und dunkel bei dünnem weißen Belag, Pulsbild ist fein und schwach oder fein und beschleunigt.

  3. Yang verbinden und Schleim umwandeln
  4. Dieses Therapieprinzip wird häufig nach 2-3 Tagen wenn Blockaden durch trüben oder heißen Schleim feststellbar sind. Leitsymptome sind hier: Druckgefühl im Brustraum, Appetitlosigkeit, abdominale Schwellung, Obstipation, oder Übelkeit und Erbrechen, weißer oder gelber klebriger Zungenbelag. Hier kommen je nach Syndromdifferenzierung Rezepturen wie z.B. bei Übelkeit, Verstopfung u.ä. Huang Lian Wen Dan Tang, Xiao Xie Xiong Tang mit Da Huang, Tao Ren oder Huo Ma Ren, und andere stuhlbefeuchtende oder verdauungsfördernde Mittel.

  5. Qi tonisieren, Yin nähren und Puls wiederbringen
  6. Dieses Therapieprinzip wird häufig im Endstadium oder in der Rekonvaleszenz verwendet. Außerdem wird es beim Auftreten von Herzschwäche, Palpitationen und Rhythmusstörungen verwendet. Leitsymptome sind: Schwäche und Abgeschlagenheit, Schwindel und Herzklopfen, Druck im Brustraum und Atemnot, tiefroter oder hellroter Zungenkörper sowie tiefer, feiner Puls oder hängender oder intermittierender Puls. Hier werden Rezepturen wie Sheng Mai San, Fu Mai Tang usw. verwendet, die meist mit blutbelebenden und Netzbahn durchgängig machenden Arzneien ergänzt werden. Bei schweren Arhythmien gibt man zusätzlich schulmedizinische Medikamente. Hierbei wirken die TCM-Medikamente in Richtung einer beschleunigten Rekonvaleszenz, was alleine durch reine Pharmaka nicht möglich wäre.

  7. Yang wiederbeleben und die Kontravektion beseitigen
  8. Dieses Therapieprinzip wird häufig bei kardialen Schocks mit den Syndromen zusammenbrechenden Herz-Qi, Schwäche des Herz-Yang oder kollabierendem leerem Yang verwendet. Leitsymptome sind: Schwindel und beschleunigte Atmung, Herzjagen und Schweißausbruch, kalte Extremitäten, Kraflosigkeit und Schwächegefühl bis hin zu Bewußtseinstrübung, fahler weißer Gesichtsfarbe, blaßweißen oder zyanotischen Lippen und schwachem oder verschwindendem Puls. Hier wird Ginseng-Dekokt, Si Ni Tang, Shen Fu Tang, Gui Zhi Gan Cao Long Gu Mu Li Tang usw. verwendet. Wenn bei Ohnmacht westliche Arzneimittel zu Anwendung kommen, so werden diese mit TCM-Arzneien kombiniert, um den Wirkungseintritt zu beschleunigen und den Blutdruck stabiler zu halten.

  9. Qi tonisieren und das Yang wärmen

Dieses Therapieprinzip wird häufig verwendet bei Herzinsuffizienz und verminderter Herzleitung mit Syndromen wie Leere des Herz-Qi, Niere und Herz Yang-Leere, Ansammlung von Nässe und pathogener Flüssigkeit im Inneren oder Versagen der Lungenfunktion das klare Qi zu verteilen. Leitsymptome sind hier: Reizhusten oder asthmatischer Husten, Ödeme, Aszites, oder Völlegefühl und Druck im Abdomen, Inappetenz, glanzloser Teint oder leicht geschwollenes Gesicht, cyanotische Lippen oder violette Zunge, ein tiefer, feiner und beschleunigter Puls. Hier finden Rezepturen wie Shen Fu Tang, Zhen WU Tang, Sheng Mai San usw. ihre Anwendung. Bei akutem Linksherzversagen werden oft westliche Pharmaka eingesetzt, die mit TCM-Arzneimitteln kombiniert werden. Hingegen kommen bei chronischer Herzinsuffizienz ausschließlich traditionelle Arzneimittel wie Ginseng, Fu Zi, Yu Zhu, Mai Men Dong, Wu Wei Zi, Ting Li Zi, Fu Ling, Dan Shen, Suan Zao Ren zur Anwendung, da diese die Herzleistung deutlich steigern und langfristig verbessern können.

Anhang:

Aus: Dr. Yang Jin "Yi Bai Zhong Yao Fang" (Hundert einfache Rezepte der chinesischen Medizin), Taipei, Taiwan 1990

Guan Xin Su He Wan (Styrax Koronarpille)

Su He Xiang 80g (Styrax)

Bing Pian 150g (Borneol)

Ru Xiang 150g (Olibanum)

Tan Xiang 300g (Santalum)

Mu Xiang 300g (Auck. Lappa)

Kann unter geringfügiger Erwärmung zu ca. 1000 Arzneipillen á 1g verarbeitet werden. Pro Einnahme eine Pille unter der Zunge zergehen lassen oder gelöst im Tubus verabreichen. Täglich 1-3 Pillen oder im akuten Anfall.

Indikationen: KHK-bedingte Angina pectoris, Druck- oder Völlegefühl der Brust z.T. mit Atemnot bei nach TCM differenzierter Qi-Stagnation des Brustraumes durch trüben Schleim.

Wirkung: Orifizien öffnend durch ätherische Öle, Qi bewegend und Schmerzen stillend.

Kontraindikationen: Qi-Leere Syndrom

Ähnliche Fertigarzneien: Su Xiao Tong Xin Wan (Tianjin), Guan Xin Su He Wan (Shandong), Huo Xin Wan (Guangdong), Xin Bao (Guangdong)

Fu Fang Dan Shen Pian (Salvia Kombinations Tablette)

Dan Shen (Salvia), San Qi (Notoginseng) und Bing Pian (Borneol) im Verhältnis 6:3:1. Manche ähnlichen Arzneimittel enthalten noch ein Qi-Tonikum wie Astragalus oder Ginseng.

Indikationen: KHK-bedingte Angina pectoris, Druck- oder Völlegefühl der Brust z.T. mit Atemnot bei nach TCM differenzierter Qi-Stagnation des Brustraumes durch Blutstase und Qi-Stagnation.

Wirkung: Blut belebend, Orifizien öffnend durch ätherische Öle, Qi bewegend und Schmerzen stillend.

Kontraindikationen: Qi-Leere Syndrom (außer bei Huo Xue Tong Mai Pian und Huang Qi Dan Shen Pian)

Ähnliche Fertigarzneien: Huang Qi Dan Shen Pian (Tianjin), Fu Fang Dan Shen Pian (Zhejiang), Fu Fang Dan Shen Di Wan (Guangdong), Huo Xue Tong Mai Pian (Beijing).

Dieses chinesische Fertigarzneimittel wurde 1998 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zur Behandlung von Koronaren Herzkrankheiten zugelassen.

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Letzter Update: 02 May 2003