THEMA: Hepatitis und Gelbsucht

Hamburg (ots)-März '99 "Hepatitis ist dabei, sich zum vielleicht größten Gesundheitsproblem unserer Zeit zu entwickeln." Diese Befürchtung äußert der bekannte Regensburger Mikrobiologe und Hygieniker Professor Wolfgang Jilg in einem Exklusiv-Bericht der Zeitschrift TV Hören und Sehen "Kaum jemand ist klar, daß es bei der Virus-Hepatitis oft keine Heilung gibt. In den schwersten Fällen steht am Ende der Tod oder eine Lebertransplantation." Immer noch gäbe es kein Medikament, das Hepatisis-Viren sicher abtöten könne. Die Forschung geht davon aus, daß allein in Deutschland etwa 30.000 Menschen an den Folgen einer Virus-Hepatitis: Leberzirrhose und -krebs sterben.

Weltweit sind nach Schätzungen der WHO (World Health Organization) 400 Millionen Menschen leberkrank durch Hepatitis-Viren. "Hepatitis B macht uns am meisten Sorgen", berichtet der Regensburger Professor. Die Viren werden bei ungeschütztem Sex übertragen und die Erkrankten bemerken nichts, weil jahrelang keine Symptome oder nur geringe "grippeähnliche" Beschwerden auftreten. In etwa zehn Prozent der Fälle verlaufe die Infektion chronisch und könne zu Leberzirrhose führen.

Während Hepatitis als eigener Krankheitsname in der klassischen Medizin nicht vorkommt, sondern in die drei Krankheitsnamen Huang-Dan (Gelbsucht), Rippenbogenschmerz (Xie lei tong) Leberstauung (Gan Yu) und Aszites (FuZhong Shui) gespalten war, gilt Hepatitis nach der schulmedizinischen Definition in China heute ebenfalls als Krankheit, die aber je nach spezifischem Syndrom behandelt wird. Zu den klassischen Schriften und deren Abhandlungen zu diesem Thema sieh unter Klassiker in dieser Homepage. An dieser Stelle jedoch werden sowohl einige klassische Fälle von Huang Dan und Fu Zhong Shui und sowie modernen Fälle von Hepatitis B, C, Leberzirrhose und Fettleber vorgestellt.

Einführung

Ein Ikterus, wie in der Schulmedizin definiert, ist nicht absulut mit der Gelbsucht (Huang Dan) der Chinesischen Medizin identisch. Zum einen wird sie in der TCM weiter in Yin und Yang Gelbsucht unterteilt, zum anderen muß sich die Yin-Gelbsucht (Yin-Huang Dan) nicht unbedingt durch eine deutliche Gelbfärbung auszeichnen, sondern definiert sich auch durch andere Symptome.

Yang-Gelbsucht (Yang Huang - Dan) Yin-Gelbsucht (Yin Huang - Dan)
Gelbfärbung der Haut und Skleren, Fieber, Appetitlosigkeit und Übelkeit, trockener Mund mit bitterem Mundgeschmack, Schmerz im Rippenbogenbereich, ein gelber, klebriger Zungenbelag (huang ni tai) und ein saitenförmiger beschleunigter oder schlüpfriger beschleunigter Puls. Evtl Gelbfärbung der Skleren und fahle, glanzlose Gelbfärbung der Haut (kann auch nicht vorhanden sein), erhöhte Tagesmüdigkeit und leichte Ermüdbarkeit, Inappetenz, (dennoch auch oft Gewichtszunahme), ein blasser Zungenkörper und ein dicker, klebriger Zungenbelag, sowie ein feiner und tiefer, schwacher oder langsamer Puls.

Während die Yang-Gelbsucht meist in akuten Fällen z.B. von Virus-Hepatitis zu finden ist, tritt die Yin-Gelbsucht vorwiegend bei chronischen Leberentzündungen auf.

Die in der heutigen TCM sieben typischen Syndrome bei Hepatitis sind folgende:

Syndrom / Therapie-prinzip

Klinische Zeichen

Grundrezeptur

Modifikationsvorschläge

(Zusätzlich hinzufügen)

Nässe-Hitze Ansammlung im Inneren/ Hitze-Toxine kühlen, Nässe umwandeln, die Mitte harmonisieren Bitterer Mudgeschmack und Mundgeruch, Übel- keit und Erbrechen, Ab-neigung gegen fette Spei-sen, Urin tiefgelb, Stuhl trocken oder klebrig und schwer abgehend, oder gelb mit weiß gemischt. Zunge rot mit gelbem klebrigen Belag, Puls saitenförmig, schlüpfrig oder tief und fein. Ohne Ikterus: Yin Chen Hao Tang, Yin Chen Wu Ling San, San Ren Tang.

Mit Ikterus: Wen Dan Tang, Huang Lian Jie Du Tang, Ping Wei San, Huo Po Xia Ling Tang

Flankenschmerzen: Chai Hu, Yu Jin; Erbrechen: Huang Lian; Abdominal- schwellung: Zhi Qiao,Yi Ren; Mundtrockenheit, rote Zunge, Blutungen: Sheng Di, Shao Yao, Qing Dai Dan Pi.
Leber-Stauung (Fülle) mit Milz-Leere/ Leber lockern, Milz stärken, Nässe um-wandeln, die Mitte anheben Druck- oder Schmerz u.h. des R. Rippenbogens oder Abdomens, Inappetenz, Müdigkeit, trockener Stuhl m. Obstipation oder Durchfall, , saitenförmiger Puls, kleisterartiger Belag bei dickem Zungenkörper von dunkelroter o. violetter Farbe mit Zahneindrücken. Modifikation der Chai Hu Shu Gan San (Bupleuri Leber-Lockerungspulver):

Radix Bupleuri (Chaihu)

Pcp.Citri Reticulatae (Chenpi), Fr.Aurantii (Zhiqiao), Rx Paeonia (Baishao), Rx. Glycyrrhizae Tosta (Zhigancao), Rz. Cyperi (Xiangfu), Rz. Chuanxiong (Chuanxiong), Hu Zhang (Rx Polygonum cusp.), Chi Shao (Rx.Päonia rubra), Pu Gong Ying (Hb. Taraxacum)

Bei deutlicher Blutstase hinzufügen: Dan Shen (Rx. Salvia), mehr Chi Shao (Rx.Päonia rubra), Chuan Jun (Rz./Rx. Rhei prep.). Bei gleichzeitiger Nieren-Leere: Yi Zhi Ren, Tu Si Zi, Jin Ying Zi. Bei gleichzeitiger Leere des Herz-Qi: Suan Zao Ren, Sheng Mu Li.
Leber-Blut und Nieren-Qi-Leere/ Tonisieren u. nähren der Leber u. Niere, Beruhigen der Leber, mehren des Blutes Vager Schmerz im Rippenbereich, Schwindel, dunkle Gesichtsfarbe, Schwächegefühl in den Beinen o. Rücken, Ohren-sausen, Insomnia, feiner, saitenförmiger Puls, roter o. dunkler Zungenkörper, klebriger, dünner gelber o. weißer Belag. Modifikation der Huang Qi Si Wu Tang (Vier Bestand- teile Dekokt mit Astragalus):

Rx. Astragalus (Huangqi), Radix Bupleuri (Chaihu),

Fr.Aurantii (Zhiqiao), Rx Paeonia (Baishao), Rx. Glycyrrhizae (Gancao), Chi Shao (Rx.Päonia rubra),

Radix Angelicae Sinensis (Danggui), Sklerot. Poria (Fu Ling), Rx. Rehmannia (Shengdi), (Huanglian), (Taizishen), (Lianqiao)

B. Blutstase hinzufügen: Dan Shen, Yu Jin, Chuang Shan Jia, Zhi Bie Jia. Bei Blutungen o. Erythemen: Da Huang, Zhi Pu Huang, Qing Dai, Haui Niu Xi. Bei Hitze-Nässe: Da Huang, Gan Lu Xiao Du Dan. Bei Aszites: 30-60g Huang Qi und 15g Hei & Bai Chou hinzugeben. Bei Milz-Leere: Zhi Qiao, Yu Jin, Zhi Nei Jin. Wenn das SGPT nicht fällt: Ge Gen, Bai Huan She She Cao, Hu Zhang, Da Qing Ye.
Leber und Nieren Yin-Leere/ Nähren der Leber u. der Niere Vager Schmerz im Rippenbereich, Ohren-sausen, Insomnia, Nacht-schweiß, heiße Hand-flächen u. Fußsohlen, Nasenbluten, feiner, saitenförmiger, beschleunigter Puls, roter o. dunkler Zungenkörper Modifizierte Kombination von Liu Wei Di Huang Wan (Rehmannia Sechs Sapores Dekokt) und Yi Guan Jian (Verbindungs- dekokt): Fructus Corni (Shanzhuyu), Poria (Fuling), Radix Ophiopogonis (Maidong), Radix Angelicae Sinensis (Danggui), Radix Rehmannia (Shengdihuang),

Fructus Lycii (Gouqizi), (Nüzhenzi), (Sangjishen), (Huainiuxi), (Jineijin), (Guiban), (Huangqin), (Banlangen)

Modifikationen nach Syndrom: Z.B. bei Nieren-Qi-Leere oder bei Leber-Blut-Leere je zusätzlich Qi- oder Blut stärkende Arzneien hinzugeben.
Milz-Yang und Nieren Yang-Leere / Stärken d. Milz, wärmen der Niere Kraftlosigkeit, Tinnitus, Schwäche im Rücken, Fer-senschmerz, Spermatorhö, Menstruationsstörungen, dumpfer Supracostal- schmerz, dünner weißer Belag, blaßroter Zungen-körper, Puls tief u. fein o. tief u. verlangsamt Modifikationen von Wu Ling San (Fünf Ling Pulver):

(Taizishen), Rx. Astragalus (Huangqi), Fruct. Lycii (Gouqizi), Poria (Fuling), (Yujin), (Huangqin), (Yinyanghuo), (Xianmao), (Huzhang), Cx. Eucomnia (Duzhong)

Bei Gelenkschmerzen Huai Niu Xi hizufügen; bei Oligorrhö Xian He Cao und Yi Mu Cao; bei Spermatorrhö Tu Si Zi und Nü Zhen Zi, bei Schmerz und Druck im Rippenraum Chuan Lian Zi und Yan Hu Suo.
Allgemeine Qi und Yin-Leere / Tonisieren des Qi, nähren des Yin Vager Schmerz im Leber-bereich, Gliederschwäche m. Kraftlosigkeit, Hitze-gefühl in Handflächen u. Fußsohlen, Nachtschweiß, Insomnia, Schwindel, Tinnitus, saitenförmiger, beschleunigter Puls, roter Zungenkörper ohne Belag Modifikation der Ji Ju Di Huang Tang (Lycii & Chrysanthemum Rehmannia Sechser Dekokt): (Taizishen), Fr. Lycii (Gou Ji Zi), Rx Rehmanniae (Sheng dihuang), Fr Corni (Shan zhuyu), Rz.Dioscoreae (Shan yao), Rz Alismatis (Zexie),

Cx.Rx. Salvia (Danshenpi), Skler.Poria (Fuling), Tuber Ophiopogonis (Maidong), (Baihuasheshecao), (Huangqin)

Bei Blutstase hinzufügen: Größere Dosis Huang Qi, Chi Shao, Chuan Shan Jia. Bei Nässe-Hitze hinzufügen: Da Huang (Rz.Rx. Rhei), Huang Bai, Chi Shao, Gan Cao. Bei Milz-Leere mit Bauchschwellung: Ji Nei Jin, Shan Zha, Mai Ya.
Blutstase blockiert die Netzgefäße/ Blut beleben, Stase umwan- deln, Netzge-fäße durchgän -gig machen, Schmerzen stillen Stechender Schmerz im Rippenbereich (oft nachts zunehmend), dunkler, mat- ter Teint, Spider naevi, Palmarerythem, Hepato-splenomegalie, ikterische o. chron. gelbliche Sklera, dunkler, violetter Zungen-körper o. Staseflecken an der Seite u. sublingual, sai-tenförmiger, rauher Puls Modifikation der Xia Yu Xue Tang (Purgierendes Blutstase Dekokt): Rx.Rz. Rheum prep. (Zhi Da Huang), Rx, Salvia (Dan Shen), Squama Manticor (Chuan Shan Jia), Yu Jin, Fruct. Lycii (Gou Ji Zi), Huang Qin, Rx. Angelica sin. (Dang Gui), Huang Lian, Fruct. Gardenia (Shan Zhi Zi), Bai Hua She She Cao, Hu Zhang Bei gleichzeitigem Hitze-Nässe Syndrom gebe man Lian Qiao und Ban Lan Gen hinzu; bei Schwäche in Beinen/Rük -ken, Tinnitus Nü Zhen Zi, Han Lian Cao, Du Zhong, und Xu Duan; bei Diarrhö und Milz- Leere Shan Yao, Fu Ling und Gan Cao

Ferner gibt man je nach Syndrom die Fertigarzneien "Chui Pen Cao Chong Ji", "Man Gan Ning", "Shu Gan Pian", "Qiang Gan Wan", "Nan Tong She Cao", "Da Huang Zhe Chong Wan", "Wu Ji Bai Feng Wan" und "Fu Fang Shui Niu Jiao Pian". Doch im Altertum gab es viele Leberentzündungen in China, die im Laufe der Zeit immer weiter differenziert wurden. Unser klassischer Text stammt aus der letzen chinesischen, Qing-Dynastie vom erfahrenen klinischen Praktiker Lin Pei-Qin, der 1851 in seinem Buch "Lei Zheng Zhi Cai" seine klinische Erfahrung mit seinem umfassenden Wissen hinsichtlich der Klassiker verband. Weitere Übersetzungen der Klassiker zu diesem Thema finden sich auf dieser Homepage unter: Gelbsucht

Klassischer Fall

Patient Mou: Im Spätsommer von Sommerhitze (shu) und Nässe im Äußeren (Exterior) befallen, zugleich stauten sich Nahrung und Flüssigkeit im Inneren (Interior), da das beim Patienten schwache Yang Qi der Milz nicht mehr seiner Transportfunktion nachkam.

Es bestand Schwindel mit Übelkeit, die Gesichtsfarbe war rauchgelb, die aufgenommene Nahrung staute sich und blähte den Bauch auf, nachmittags war erhöhte Reizbarkeit mit dunkelgelbem Urin vorhanden. Der Puls war weich (ru mai) und außerdem links groß (da mai).

Zunächst eignet sich hier eine verdauungsfördernde und kühlende Therapie mit Ling Yang Jiao, Shan Zhi Zi, Yin Chen, rotem Fu Ling, Yi Yi Ren, Ban Xia, Sha Ren, Hua Shi, Shi Xie, Che Qian Zi, und Ding Xin. Nach drei Verabreichungen war bereits eine Besserung eingetreten.

Daher wurde jetzt ingwerpräpariertem Hou Po, erhitzter Zhi Qiao, Chen Pi, Da Fu Pi, Bo He, und Yin Chen gegeben. Nach zwei Verabreichungen war das Anschwellen des Bauchs verschwunden jedoch die Gelbheit noch vorhanden. Da es dem Patienten nicht schnell genug ging, suchte er einen anderen Arzt auf.

Dieser verwendete Chen Xiang, Cang Zhu und andere trocknende Arzneien, wonach eine plötzliche starke Gelbfärbung des Gesichtes entstand. Daraufhin benutzte der andere Arzt Xi Jiao, Huang Lian, was zu Fieberanstieg um die Mittagszeit führte. Deshalb gab er anschließend Sheng Di, Zhi Mu worauf die Gelbfärbung noch intensiver wurde. Das Gesicht ging schon ins dunkelgraue, Hitze und Kälte wechselten sich ab und die Stirn war schweißgebadet. Der Bauch schwoll wieder an und es entstanden Brechreiz und Durchfall, bei weißem kleisterartigen Zungenbelag

Danach kam er zur Behandlung wieder zu mir. Ich sagte, daß es sich um eine starke Nässe handelt. Wenn sich diese staut, dann erzeugt sie Hitze, so daß man Nässe ausleitenden muß. Ich verwendete daher Si Ling San (Vierling-Pulver) mit Ban Xia, Chen Bai, Yi Yi Ren und geröstetem Ingwer. Dies wurde Vormittags verabreicht, worauf der Durchfall zurückging aber das Erbrechen gleichblieb, ein Zeichen, daß die Sommerhitze und Nässe sich gegenseitig förderten. Die trüben pathogenen Flüssigkeiten wurden nicht mehr nach unten transportiert. Der Puls war also ru shuo (weich und beschleunigt) was ebenso auf in Hitze durch Nässe hindeutete.

Daher benutzte ich wieder Wei Ling Tang (Poria Magen-Dekokt) ohne Bai Zhu aber mit präpariertem Ban Xia, rohen Yi Yi Ren, geröstetem Ingwerund rohem Cang Zhu die zusammen mit im Topf angebackenen Reis (Guo Ba Tang) gekocht wurden. Hiernach hörte der Würgereiz auf und der Durchfall verringerte sich wieder, doch es trat immer wieder eine Gereiztheit und Hitzegefühle auf, die mit dem Sonnenstand zusammen zu- und abnahmen. Doch selbst um die Mittagszeit war die Symptomatik noch nicht so extrem (wie zuvor), da (z.Zt. des stärksten Yang, das Yin-Pathogen) Nässe abnahm und nur die Hitze verspürbar war.

Darauf hin verwendete ich Huang Qin, Dan Pi, Zhi Zi, cinnabarisierten Fu Ling, Di Gu Pi, und Gua Luo Saft sowie ein qian (=3,125g) Liu Yi San (Sechs-zu-Eins Pulver) das zusammen mit der anderen Arznei hinuntergespült wurde. Die Hitze wurde also ausgeleitet aber es bestand noch eine geistige Abgeschlagenheit und große Müdigkeit. Beim Schlafen war der Mund trocken, was zeigte, daß die klaren Körperflüssigkeiten noch nicht richtig von der Lunge verteilt wurden.

Daher verschrieb ich nun Jia Wei Xiao Yao San (Gelassenes Wandern-Pulver mit Zusätzen) mit Ginseng und Mai Men Dong um das Yuan-Qi zu stärken und die Bildung der Körpersäfte anzuregen. Gleichzeitig wurde damit die ( in der Leber) angestaute Gereiztheit zerstreut, worauf sich auch wirklich der Puls normalisierte, bis auf den linken Guan-Puls (Leber), der etwas groß (da mai) war.

Zu guter Letzt verwendete ich eine Rezeptur aus dem, "Shi Shi Mi Lu" von Chen Shi-Duo, nämlich Bai Zhu 5 qian, Fu Ling 3 qian, Yi Ren 1 liang (31,25g), Long Dan Cao, Shan Zhi Zi und Yin Chen Hao je 1 qian, sowie Dang Shen und Huang Qi je 2 qian um die Nässe der Milz zu trocknen, das wahre Qi zu stärken und das Feuer auszuleiten. Hiernach trat auch eine rasche Besserung ein, doch der Patient verwendete dann wieder die Yin-nährenden Rezepturen des anderen Arztes, sodaß keine Rekonvaleszens möglich war.

Kommentar: Lin gab zunächst Hitze kühlende, Nässe ausleitende und umwandelnde sowie verdauungsfördende und Qi bewegende Arzneien, gleichzeitig wurde auch an eine Unterstützung der Milz gedacht, die zum Transport der Nässe notwendig ist, und durch Gabe von bitteren, kalten Arzneien leicht geschwächt wird. Der zweite Arzt, der nicht nur besonders teure Arzneimittel einsetzte (Rhinohorn und Aquilaria) erhöhte die Hitze durch zu frühe Gabe von trocknenden Arzneien. Diese versuchte er mit extrem kalten und kühlenden Arzneien wieder zu senken, wonach sich ein Mittagsfieber, ähnlich dem der Yin-Leere zeigte. Daraufhin machte er den größten Fehler und gab Yin-Nährende Arzneien, was bei Nässe keinesfalls geschehen darf, und förderte dadurch die Nässe noch weiter.

Als der Patient wieder zu Lin kam, hatte die durch falsche Medikation immer weiter angestaute Nässe pathogene Hitze erzeugt, die sich durch Gereiztheit und Hitzegefühle zeigte. Doch Lin verminderte zuerst die durch Nässe entstandenen Symptome Durchfall und Würgereiz um das aufsteigende Qi der Mitte wieder in Ordnung zu bringen, denn wenn Milz und Magen durch Übelkeit keine Arzneien aufnehmen können, dann ist jede weitere Therapie erfolglos.

Das Yin-Pathogen Nässe war schließlich nur noch schwach wahrnehmbar und ließ sich nur noch zu Yin-Zeiten (Abend und Nacht) wahrnehmen, hingegen war das Yang-Pathogen Hitze, da es durch die gestaute Nässe entstand, ebenfalls am abnehmen und selbst zur stärksten Yang-Zeit am Mittag nicht mehr stark zu spüren. Lin konzentrierte sich dann also auf die Hitze die er mit Huang Qin u.a. ausleitete. Die dann noch vorhandene Müdigkeit und Abgeschlagenheit war also wahrscheinlich nicht Fülle bedingt durch Nässe, sondern Leere bedingt durch die Erschöpfung des Qi und das Austrocknen der Körperflüssigkeiten aufgrund der vielen trocknenden und bitteren Arzneien.

Auch der Leber-Puls war noch groß, was auf einen Stau des Leber-Qi hinwies, das nicht mehr glatt floß und auch aufgrund der Leere der Milz zu stark geworden war. Lin gab also Mai Men Dong und Ren Shen (Ginseng) um Flüssigkeiten und Qi zu stärken zusammen mit dem kühlenden, Leber-Qi glättenden Jia Wei Xiao Yao San, das auch leicht Nässe trocknend wirkt und so alle noch vorhandenen Syndrome zugleich therapiert. Daher zeigte sich ja auch eine schnelle Besserung die sicher zum Ziel geführt hätte, wenn der ungeduldige Patient nicht wieder die klebrigen Yin-Nährenden Arzneien genommen hätte. Eine solche bei bestehender Milz-Leere infizierte Sommerhitze-Nässe, ist nun mal sehr langwierig und braucht ihre Zeit um auszuheilen, da Nässe ebenso wie Schleim ein Yin-Pathogen ist, das sich schwer verteiben läßt, wenn es sich einmal festgesetzt hat. Die falsche Behandlung durch den anderen Arzt hat diesen Umstand natürlich noch weiter gefördert. 

Moderne Fälle aus dem Krankenhaus für TCM der Provinz Yunnan:

Patient A., männl. 24 J., chron. HB, Verdauungsstörungen, Inappetenz, Ermüdbarkeit und Schwäche, Schlafstörungen, Zunge groß, leicht violett mit Zahneindrücken,Puls saitenförmig.

Therapieprinzip: Milz-Qi stärken, Leber besänftigen, Blut beleben

Rezeptur: 10g Chai Hu, aa15g Bai Shao & Chi Shao, Fu Lin 9g, Chao Bai Zhu 12g, Dan Shen 15g, Yi Yi Ren 20g, Jian Shan Zha 15g, Huang Qi 30g, Chong Lou (alias Zao Xiu) 10g, Zao Ren 20g, Ye Jiao Teng 30g, Zi Hua Di Ding 20g, Sang Ji Sheng 30g, Sheng Gan Cao 4g

Erklärung: Hepatitis ist oft mit Nässe-Hitze verbunden, Nässe entsteht bei ungenügender Transportfähigkeit der Milz, diese wird hier durch eine Attacke des Leber-Qi beeinträchtigt. Blutstase entsteht u.a. aus angestauter Hitze, daher wird hier durch Chai Hu und Bai Shao das Leber-Qi besänftigt, durch Chong Lou und Zi Hua Di Ding und Sheng Gan Cao die Hitze gekühlt, durch Yi Ren und Fu Lin die Nässe getrocknet und ausgeleitet sowie die Milz gestärkt, durch Bai Zhu und Huang Qi das Milz-Qi gestärkt und durch Dan Shen, Chi Shao und Shan Zha das Blut belebt. Ferner haben Shan Zha eine verdauungsfördernde, und Chong Lou eine blutbelebende Wirkung, während Bai Shao gleichzeitig die Leber beruhigt.

Durch andauernde Hitze wird das Yin geschädigt, weshalb das Leber und Nieren-Yin nährende Sang Ji Sheng, sowie die beiden Herz-Yin nährenden Suan Zao Ren und Ye Jiao Teng benutzt wurden. Letztere wirken gleichzeitig beruhigend und schlaffördernd.

Aus pharmakologischer Sicht werden hier virustatische Arzneien wie Zi Hua Di Ding, Immunstärkende wie Huang Qi und blutbelebende wie Dan Shen mit Hepatoprotektiven Arzneien wie Chai Hu kombiniert, die die Hepatitis eindämmen und ihre Folgeerscheinungen verhindern. Zugleich werden verdauungsfördernde Arzneien wie Shan Zha und entspannende wie Suan Zao Ren eingesetzt, um die Begleitsymptome der Hepatitis zu beseitigen.

Patient B, männl. 23 J., hatte vor einem Jahr eine akute HB, und wurde mit normalen Medikamenten behandelt, Ultraschall negativ, Leber schmerzempfindlich, es besteht seither Schwäche und Abgeschlagenheit, Zunge war anfangs klebrig, jetzt normaler dünn-weißer Belag. TCM-Befund lautete Leber-Stau und Milz-Leere (Gan yù, Pi xu).

Therapieprinzip: Wie oben, zusätzlich je 10g Zhi Ke und Qing Pi zur Bewegung des Qi (verdauungsfördernd) und Li Zhi He 20g zur Besänftigung des Leber-Qi und als Virustatika.

Patient C, männl., 64 J. 1989 durch Transfusion mit Hepatitis C infiziert, seither chron. HC, Leberfunktionsstörungen, Schwächegefühl, Kopfschmerz, trockener Stuhl, Ulcus duodeni, sublinguale Varizen, Puls langsam und saitenförmig.

Therapieprinzip: Milz stärken, Leber besänftigen

Rezeptur: 10g Chai Hu, aa15g Bai Shao & Chi Shao, Fu Lin 9g, Chao Bai Zhu 12g, Dan Shen 15g, Yi Yi Ren 20g, Jian Shan Zha 15g, Lan Hua Shen 20g, Huang Qi 30g, Chong Lou (alias Zao Xiu) 10g, E Zhu 6g, Zi Hua Di Ding 20g, Jie Geng, Sheng Gan Cao 4g

Erklärung: Milz stärken und Leber besänftigen wie oben, außerdem noch Lan Hua Shen zur Stärkung der Milz und Besänftigung der Leber, und zusätzlich das blutbelebende E Zhu wegen des Ulcus.

Patient D, weibl., 25 J., guter Allgemeinzustand, Hepatitis B zufällig festgestellt, Leberfunktionen o.B.

Rezeptur: Huang Qi 30g, Li Zhi He 20g, Chi Shao & Bai Shao je 15g ansonsten wie Patient A

Erklärung: Hier wird präventiv durch Milzstärkende Arzneien wie Huang Qi das Immunsystem angeregt. Außerdem finden die für den den Virus angereifeden Arzneien gegen Hitzetoxine ihre Anwendung um die Krankheit im Keim zu ersticken.

Patient E, männl. 49 J. chron. Hepatitis B und C, HBs+, HBe+, HCs+, Enzyme o.B., z.Zt. keine Beschwerden außer gelegentlichen Hitzegefühlen , Puls schlüpfrig und saitenförmig, Zunge groß, dünner Zungenbelag

Rezeptur: Huang Qi, Mou Dan Pi, Sheng Di, Bai Zhu, Fu Ling, Dan Shen, Bai Dou Kou, Zhi Qiao, Chi Shao, Ji Gu Cao (Fructus Abrus cantonensis), Zi Hua Di Ding (Viola Yedoyensis), Zi Cao (Rx Lithospermi), Shan Yao und Gan Cao.

Erklärung: Außer den das Immunsystem anregenden Milz-Tonika wie Shan Yao, Fu Ling, Huang Qi, Gan Cao usw., den vorwiegend auf das Verdauungssytem wirkenden Nässe trocknenden Arzneien wie Bai Dou Kou und Bai Zhu, den Blut kühlenden und belebenden wie Chi Shao, Sheng Di und Mou Tan Pi wurde hier noch besonders gegen die Viren Hitze und Hitze-Toxine kühlende Arzneimittel eingesetzt, nämlich Ji Gu Cao (Fructus Abrus cantonensis), Zi Hua Di Ding (Viola Yedoyensis), Zi Cao (Rx Lithospermi). Gerade bei Virushepatitis hat die neuere Pharmakologische Forschung gute Erfolge mit Ji Gu Cao gezeigt, da es hepatozytoprotektiv, antiphlogistisch, und immunaktiv wirkt.

Patient F, weibl. 30 J., Leberzirrhose, vor 5 Jahren bei Aszites alle Werte positiv, Teint des Gesichts dunkel, leicht geschwollen, Menstruationsstörungen. Zuvor von anderem Arzt mit Ba Zhen Tang (Acht Schätze Dekokt) behandelt. Jetzt bei Prof. Su hauptsächlich diuretische Therapie plus blutbelebende und Mitte stärkende Arzneien.

Rezeptur: Fu Ling 30g, Che Qian Cao 15g, sowie Chai Hu, Dan Pi, Xuan Shen, E Zhu, San Qi und Shan Zha als Ministerarzneien und Chi Shao und Bai Shao, Dan Shen, Yi Yi Ren, Dang Gui und Gan Cao als Hilfs- und Botenarzneien.

Erklärung: Hier wird durch die übliche Mitte stärkende und blutbelebende Therapie die Leberzirrhose als Wurzel behandelt, gleichzeitig werden die Zweige (Aszites, Ödeme= Wasserhaushaltstörung) mit den urinfördernden Arzneien erreicht. Da kein hier kein Virus vorliegt, wurde auf die meist kalten, bitteren Hitze-Toxine kühlenden Arzneien verzichtet. Das blutbelebende E Zhu wurde wohl hier wohl auch zur Leberkrebsprävention verwendet.

Analyse der Gesamtmethodik:

In der Famulatur des Provinzkrankenhauses der Provinz Yunnan zeigte sich eine weite Verbreitung der Virushepatitiden in der Bevölkerung. Diese wurde z.T. von der Mutter an die Kinder weitergeben und wird meist erst im heiratfähigen Alter entdeckt, wenn der Heirat eine amtliche Gesundheitsuntersuchung vorausgehen muß.

Bei entzündlichen Lebererkrankungen wurden in erster Linie folgende Therapieprinzipien verwendet:

  1. Jian Pi Qu Shi Fa (Methode der Milz-Stärkung und Nässe-Umwandlung)
  2. Huo Xue Hua Yu Fa (Methode des Blutbewegens und der Blutstase-Umwandlung)
  3. Qin Re Jie Du Fa (Methode des Kühlens von Hitze und Entgiftung von Toxinen)
  4. Tiao Gan Jie Yu Fa (Methode des Leber-Regulierens und des Lösens von Leber-Stau)
  5. Bu Shen Pei Yuan Fa (Methode des Nieren-Stärkens und Supplementieren des Yuan-Qi)

Vom Standpunkt der pharmakologischen Forschung aus waren unter den Arzneien der Gruppe Eins viele Immunstimulierende und verdauunsfördernde Mittel zu finden; bei Gruppe Zwei viele Hepato-Protektive, Durchblutungs- und Stoffwechselfördende, in Gruppe Drei viele Virustatika oder sogar virusspezifisch aktive Arzneien, unter Gruppe vier wieder einige leberschützende und Verdauungsfördernde und in der letzten Gruppe viele den Organismus kräftigende und aufbauende Arzneimittel.

Interessant war die Behandlung der beiden in Yunnan häufigen Virushepatitiden B und C: Während die mit deutlicher Symptomatik verlaufende B-Hepatitis häufig eine Behandlung der Manifestationen (Zweige) notwendig machte, war bei der weitgehend asymptomatischen C-Hepatitis vorallem eine Prävention des Ausbrechens oder der Entwicklung zur Zirrhose und Leberkrebs beobachtet. Es kamen also verhältnismäßig mehr Hitze-Toxin kühlende und Blutstase beseitigende Mittel zur Anwendung.

Auch in der moderenen TCM-Fachliteratur Chinas und Taiwans fanden sich keine Hinweise auf eine therapeutische Unterscheidung zwischen den Hepatitisarten, vielmehr steht hier die exakte Syndromdifferenzierung und das Eingehen auf die individuelle Krankheitssituation des Patienten im Vordergrund.

Verwendete Literatur:

Lin Pei-Qin: Lei Zheng Zhi Cai, Nachdruck: Renmin Chuban Shi, Beijing 1988, 1996

Eigene Aufzeichnungen 1996-98

Weiterführende Literatur:

Ma Chao-Ying ed.: Bingduxing Jibing de Zhongyi Zhiliao (Behandlung von Viruserkrankunen mit TCM, s.133ff.), Shang Hai Zhongyi Daxue, Shanghai 1997

Mei Guo-Qiang ed.: Yi Xing Gan Yan de Zongyi Zhiliao (Behandlung der B-Hepatitis mit TCM), Kexue Jishu Wenjian, Beijing 1995, 1997

Zhongguo Minjian Zhongyi Yiyao Yanjiu Kaifa Xiehui: Ganyan Ganyinghua (Leberentzündung und Leberzirrhose), Zhongguo YiYao Keji Chubanshe, Peking 1996, 1997

Shi Yu-Guang, ed.: Dangdai Mingyi LinZheng Jinghua, Ganyan Gan Yinghua Zhuanbian (Essenz der klinischen Erfahrungen zeitgenössischer berühmter Ärzte, Band Hepatitis und Leberzirrhose), Zhongyi Guji Chubanshe, Peking 1988, 1993

Zhang Guang-Xiong, ed.: Ganbing Zhongyiyao Liaofa (Die Behandlung von Leberkrankheiten mit TCM) 2 Bände, SMC Taipei Nantian Shuju Chuban, Taipei 1996

Einen interessanten Fall von Hep C-Behandlung mit TCM bietet auch diese Link: http://www.alternativemedicine.com/digest/issue17/i17-a84.shtml

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Letzter Update: 02 May 2003