Der Ginseng und seine näheren Verwandten –


(Bitte auf die Bilder klicken zur Vergrößerung)

Ein vergleichender Blick auf alles was in China mit „Shen" geschrieben wird

Inhalt:

A. Einführung:

B. Detaillierte Vorstellung der einzelnen Arzneimittel, ihrer pharmakologischen Wirkung und ihrer modernen Anwendung (die Fakten)

  1. Die botanischen Verwandten des Ginseng
  2. Die namentlichen Verwandten des Ginseng
  1. Tonisierende Arzneimittel
  2. Nicht-tonisierende Arzneimittel

C. Vergleich der Mittel aus der Sicht der traditionellen Medizin (mein Kommentar)

    1. Qi-Tonisierende Arzneimittel
    2. Yin-Nährende Arzneimittel
    3. Blutbelebende Arzneimittel
    4. Nässe trocknende Arzneimittel

D. Schlußwort

E. Literaturhinweise

A. Einführung:

Der Panax Ginseng, in chinesisch Ren Shen, (mit "shen" werden bestimmte, arzneiwirksame Wurzeln bezeichnet) ist wohl allen bekannt. Steven Fuller hat sogar ein ganzes Buch darüber geschrieben und wenn auch die Stiftung Warentest neunzig Prozent der in Deutschland erhältlichen Ginseng Fertigprodukte bescheinigt, das sie alles außer Ginsengoiden enthalten, so ist unser Interesse an der süßen Wurzel dennoch ungebremst.

Neben dem Ginseng gibt es noch etliche pflanzliche Arzneimittel mit dem Namen Panax, Ginseng oder Shen im Vor- oder Nachnamen. Dazu gehören Panax Quincefolium (Xi Yang Shen) Acanthopanax (Wu Jia Pi), Notoginseng oder Pseudoginseng (San Qi), sowie Dang Shen, Dan Shen, Sha Shen, Xuan Shen usw., also noch dreizehn weiteren Arten von Mitteln, die dem Ginseng mehr oder weniger nah stehen. Wie nah oder fern sie dem Ginseng in ihrer Wirkung stehen, und was Unterschiede zu ihm sind, das soll dieser Artikel zeigen. Hier folgt nun also ein Vergleich des Ginseng und der wilden Dreizehn…

Zurück zum Inhaltsverzeichnis 

B. Detaillierte Vorstellung der einzelnen Arzneimittel, ihrer pharmakologischen Wirkung und ihrer modernen Anwendung.

Ren Shen

Ginseng; Radix Ginseng. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln des Asiatischen Ginseng, Panax ginseng C.A. Mey. (Familia Araliaceae). Geschmacksqualität süß, leicht bitter, Temperaturqualität leicht warm, Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Milz

Es wird angewendet zur Stärkung des Yuan Qi und zur Foerderung der Sekretion von Körperflüssigkeiten (Jin-Ye) z.B. bei der Behandlung von Schock, Ohnmacht, etc. Es stimuliert das ZNS, wirkt kardiotonisch, gegen Müdigkeit und stimuliert die Blutbildung. (Einzelheiten s.u.).

Neue Pharmazeutische Forschungsergebnisse und neue Klinische Anwendungsweisen:

Ginseng wirkt fördernd auf Merkfähigkeit und Gedächtnisleistung, es steigert Herzleistung, zellulare Nukleinsäurebildung und den Eiweißstoffwechsel, stimuliert das Adrenocorticoide endokrine System und Blutbildung, wirkt hemmend auf Thrombozytenaggregation und Krebszellenwachstum, wirkt in beide Richtungen regulierend auf ZNS, Blutdruck, Blutzucker und Immunsystem (zellular und humoral) und schützt Herzmuskel u.a. Zellen vor Anoxieschäden und Schock. Es enthält östrogenartige Substanzen, senkt Prostaglandin E & F Werte und verringert das PGE/PGF-Verhältnis, erhöht die Thyrotoxin 3 Inkretion und somit auch den T4-Plasmaspiegel und den cAMP-Plasmaspiegel. Es wirkt ferner hepatoprotektiv, (Umwelt-) adaptionsfördernd, arbeitsleistungssteigernd, antioxidativ, antineoplastisch, antimutagen und bei Versuchstieren den Alterungsprozeß verzögernd und lebensverlängernd u.v.m.

Ginseng wird heute u.a. bei folgenden Krankheiten eingesetzt:

Herz: Herzarrhythmie und senile Sinusarrhythmie, KHK, akutem Herzinfarkt und endotoxischer Myocarditis

Kreislauf / Blut: Schock, Hyper- und Hypotonie, Hypercholesterolämie, Hyperlipidämie, erhöhter Koagulationsneigung, leukozytäre und Erythrozytenanämie

Verdauung / Stoffwechsel: akute und chron. Hepatitis, Verdauungsstörungen, Analprolaps, und Diabetes

Ferner bei: Sexualstörungen, funktionellen Störungen aller Art, Neurasthenie, Karzinomen, allergischer Rhinitis und rheumatischer Arthritis. 

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

  1. Die botanischen Verwandten des Ginseng

San qi:

(Bitte auf Bild klicken zur Vergrößerung)

Notoginseng; Radix Notoginseng. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Panax notoginseng (Burk.) F.H. Chen (Familia Araliaceae), früher als Panax pseudoginseng bezeichnet. Geschmacksqualität: süß, leicht bitter, Temperaturqualität: warm, Funktionskreisspezifische Wirkung: Leber, Magen

Es wird angewendet als Hämostyptikum und Schmerzmittel, zur Beseitigung von Blutstase und zum Abschwellen bei der Behandlung von Schwellungen mit Schmerzen durch Stauchungen, Wunden und Weichteilverletzungen, sowie alle Arten von Blutungen.

San Qi ist ein regulierendes Mittel, das auf Blutgerinnung, Immunabwehr und Blutzucker in beide Richtungen wirken kann.

Neue Pharmazeutische Forschungsergebnisse:

Blut: San Qi fördert den Blutgerinnungsprozeß und die Gerinnungszeit, sowie die lokale Gefäßkonstriktion bei Traumen. Wenn keine Gerinnung notwendig ist, wirkt es entgegen der Thrombozytenaggregation, senkt das Fibrin und erhöht die Fibrinolysezeit. Außerdem senkt es den Blutfettspiegel, erhöht den Anteil an Erythrozyten und Leukozyten in den peripheren Blutgefäßen, die es auch erweitert und so den Blutdruck senkt.

Herz: San qi erhöht die Herzmuskelkontraktion, Blutmenge, Sauerstoffsättigung und Mikrozirkulation des Herzmuskels, gleichzeitig senkt es den Sauerstoffverbrauch und die Pulsrate und wirkt antiarrhythmisch.

Metabolismus/Immunsystem: San qi erhöht oder senkt den Blutzucker und fördert sowohl die DNS-Synthese, als auch die Proteinsynthese in Nieren und Hoden. Es erhöht die NK-Lymphozyten- und Makrophagenaktivität und wirkt als Immunmodulator auch hier in beide Richtungen.

Ferner: Es schützt die Gehirnzellen vor Schaden durch Ischämie und die Leberzellen vor toxischen Produkten. Es erregt die glatte Uterusmuskulatur und schützt vor Schockfolgen, Strahlenschäden und Krebs. Außerdem wirkt es virustatisch, antimycotisch, beruhigend, analgetisch, und verlängerte beträchtlich die Lebensspanne bei Versuchstieren.

Neue Klinische Anwendungsweisen: Bei Angina pectoris, KHK, Herzarrhythmien, Hyperlipidämie, Hypertonie, apoplektische Insulte aller Art und Hirnblutungen, innere und äußere Traumen, Hämorrhagien aller Art, Krebs, Hepatitis, Leberzirrhose, akute Nephritis, Hautkrankheiten und Migräne.

Xi yang shen :

Radix Panacis Quinquefolii; Radix Ginseng americana. Geschmacksqualität: süß, leicht bitter; Temperaturqualität: kalt; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Herz, Niere

Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die Wurzeln von Panax quinquefolium L. (Familia Araliaceae). Es wird verwendet zur Stärkung des Qi, zur Reduzierung innerer Hitze besonders der Lunge, und zur Foerderung der Sekretion von Körperflüssigkeiten (Jin-Ye) und des Yin. Eingesetzt bei der Behandlung von niedrigem Fieber (meist am Nachmittag), spontanem oder Nachtschweiß, Erschöpfung durch chronische konsumptive Krankheiten und Husten mit Blutbeimischung, oder asthmatischer Reizhusten bei Yin-Leere der Lunge.

Wu jia pi, Nan wu jia

Cortex Acanthopanacis Radicis Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrocknete Wurzelrinde von Acanthopanax gracilistylus W. W. Smith (Familia Araliaceae). Geschmacksqualität: scharf, bitter; Temperaturqualität: warm, Funktionskreisspezifische Wirkung: Leber, Niere

Es vertreibt Wind-Nässe und stärkt die Sehnen und Knochen, es wandelt Nässe um und reduziert Schwellungen und Ödeme. Es daher wird angewendet als Antirheumatikum bei der Behandlung von rheumatischer Arthritis bei Obstruktion des Qi-Flusses und als Diuretikum bei der Behandlung von Oedemen und Oligurie. Geeignet besonders für ältere Patienten mit Nieren-Leber Leere und motorischen Entwicklungsstörungen bei Kindern.

Pharmakologische Wirkung: Senkt den Blutfettspiegel, wirkt cardiotonisch und antithrombotisch, antiulzerativ und reguliert den T3 und T4-Spiegel.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

2. Die namentlichen Verwandten des Ginseng

a. Toniserende

Dang Shen, Lu Shen:

(Bitte auf Bild klicken zur Vergrößerung)

Radix Codonopsis Pilosulae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Codonopsis pilosula (Franch.) Nannf. (Familia Campanulaceae). Geschmacksqualität: süß; Temperaturqualität: neutral; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Milz

Während Ginseng das Qi des gesamten Körpers stärkt wirkt Dang Shen nur auf das Qi der Mitte (Milz, Magen). Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Gliederschwäche, Appetitlosigkeit und dünner Stuhl gehören jedoch alle zu den Indikationen von Dang Shen.

Dang shen wirkt blutbildend, adaptogen, beruhigend und die Streßtoleranz erhöhend, antibakteriell, antiphlogistisch und analgetisch. Es erhöht die zellulare Immunabwehr, den Plasmacortisonspiegel, und den Blutzucker. Es schützt das Gewebe vor ischämischen Schäden.

Seine heutige Anwendung umfaßt u.a. Anämie, KHK, akute Höhenkrankheit, Ulcus gaster, Nephritis, Verdauungsschwäche, Psoriasis, purulente Geschwüre und Neurosen.

Hai Er Shen; Tai Zi Shen

Radix Pseudostellariae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten tuberösen Wurzeln von Pseudostellaria heterophylla (Miq.) Pax ex Pax et Hoffm. (Familia Caryophyllaceae). Geschmacksqualität: süß, leicht bitter; Temperaturqualität: neutral; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Milz

Stärkt Milz und tonisiert Qi, erzeugt Körperflüssigkeiten (Jin-Ye). Es wird im Prinzip wie Dang Shen s.o. angewendet, hat aber eine schwächere tonisierende Wirkung und ist stattdessen stärker in der Jin-Ye Produktion. Es wird eingesetzt bei Lungen-Qi Leere mit spontanen Schweißen und Sommerhitze oder niedrigem Fieberkontinua bei Kindern. Es wird in China auch manchmal als preiswertes Qi-Tonikum eingesetzt.

Hai Er Shen; Tai Zi Shen

Radix Pseudostellariae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten tuberösen Wurzeln von Pseudostellaria heterophylla (Miq.) Pax ex Pax et Hoffm. (Familia Caryophyllaceae). Geschmacksqualität: süß, leicht bitter; Temperaturqualität: neutral; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Milz

Stärkt Milz und tonisiert Qi, erzeugt Körperflüssigkeiten (Jin-Ye). Es wird im Prinzip wie Dang Shen s.o. angewendet, hat aber eine schwächere tonisierende Wirkung und ist stattdessen stärker in der Jin-Ye Produktion. Es wird eingesetzt bei Lungen-Qi Leere mit spontanen Schweißen und Sommerhitze oder niedrigem Fieberkontinua bei Kindern. Es wird in China auch manchmal als preiswertes Qi-Tonikum eingesetzt.

Sha Shen, Bei (nördlicher) Sha Shen und Nan (südlicher) Sha Shen

Radix Adenophora seu Glehniae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Adenophora tetraphylla (Nan Sha Shen) und Glehnia littoralis (Bei Sha Shen) Fr. Schmidt ex Miq. (Familia Umbelliferae). Die Unterscheidung der beiden Arten besteht erst seit dem 17. Jahrhundert.

1. Nan (südlicher) Sha Shen, Glehniawurzel

Geschmacksqualität: fade, geschmacklos; Temperaturqualität: kühl; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Magen

2. Bei (nördlicher) Sha Shen, Adenophorawurzel

Geschmacksqualität: süß, leicht bitter; Temperaturqualität: kühl; Funktionskreisspezifische Wirkung: Lunge, Magen

Beide Arten befeuchten Trockenheit der Lunge und wirken gegen Husten, wobei Adenophora eine schwächere Yin-nährende Wirkung hat, und keine Körpersäfte (jin-ye) erzeugt. Glehnia hingegen ist schwächer in seiner Wirkung gegen Husten.

Ferner nähren beide das Äußere (Exterior) und das Magen- Yin und kühlen Hitze.

Sha Shen wird angewendet zur Stärkung des Yin von Lunge und Magen, bei trockenem Husten, trockenem Mund oder Hals und trockener Haut (besonders im Winter bei trockenem Wetter).

Xuan Shen; Yuan Shen

Radix Scrophulariae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Scrophularia ningpoensis Hemsl. (Familia Scrophulariaceae). Geschmacksqualität: salzig, süß, bitter; Temperaturqualität: kalt; Funktionskreisspezifische Wirkung: Niere, Lunge, Magen

Xuan Shen kühlt Hitze im Blut und tonisiert das Yin, leitet Feuer und Hitze-Toxine aus und erweicht Verhärtungen und Knoten.

Es wird verwendet zur Nährung des Yin nach Warm-fiebrigen Infektionen (Wen Bing) mit Reizbarkeit und Stuhlverstopfung, sowie während Warm-fiebriger Infektionen (Wen Bing), wenn die Hitze sich im Bereich des Blutes befindet, also Symptome wie Erytheme, Blutungen, Fieber und Trockenheit auftreten. Ferner wirkt es bei trockenem und/oder schmerzhaftem Hals, geröteten Augen und Schwellungen der Hals-Lymphknoten durch Hitze-Schleim, bei eitrigen Entzündungen, Furunkeln und Karbunkeln.

Hai Shen

Strichopus Japonicus. Hier handelt es sich um eine getrocknete Molluske des nordchinesischen Meeres, die auch oft als tonisierende Speise zu finden ist (Trepang). Geschmacksqualität:salzig; Temperaturqualität: warm; Funktionskreisspezifische Wirkung: Herz, Niere

Hai Shen tonisiert die Niere, fördert die Jing-Essenz und das Yang, ferner wirkt sie blutstillend. Sie wird verwendet bei Impotenz, Spermatorrhoe, Polyurie und bei Blutungen, besonders bei Hämophillie.

Hua Shan Shen; Re shen

Radix Physochlainae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Physochlaina infundibuleris Kuang (Familia Solanaceae). Geschmacksqualität: süß, leicht bitter, adstringierend; Temperaturqualität: heiß; leicht giftig, d.h. NW beachten; Funktionskreisspezifische Wirkung: Herz, Lunge, Milz, Niere

Tonisiert Herz und Milz, wärmt Mitte, beruhigt und stillt Husten. Es wird verwendet bei Husten und Asthma mit Schleim, bei asthmatischer Bronchitis, Schlafstörungen, Herzklopfen, spontanen und Nachtschweißen, sowie kälte- oder leerebedingter Diarrhoe, gastrischen oder abdominalen Schmerzen. Außerdem wirkt es bei Leere durch Erschöpfung oder Überanstrengung. Im Westen kaum und in China meist nur lokal in einigen Provinzen verwendet.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

  1. Nicht-Tonisierende

Dan Shen:

(Bitte auf Bild klicken zur Vergrößerung)

Radix Salvia Miltiorrhizae, Geschmacksqualität: bitter, Temperaturqualität: leicht kalt

Funktionskreisspezifische Wirkung: Herz, Leber

Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln und Wurzelstocke von Salvia miltiorrhiza Bge. (Familia Labiatae). In China verwenden wir es traditionell, um den Blutkreislauf zu fördern und zum Entfernen der Blutstase, besonders für die Behandlung von Dysmenorrhoe, Amenorrhoe, abdominale Massen durch Stagnation von Blut, Karbunkel und Geschwüre; es kann auch als beruhigendes Mittel benutzt werden. Es wird heutzutage häufig für die Behandlung von koronaren Herzleiden gebraucht.

Neue Pharmazeutische Forschungsergebnisse:

Herz: Erhöht die Herzleistung und koronare Durchblutungskapazität

Blut: Verbessert Mikrozirkulation und wirkt antiarteriosklerotisch und gegen Thrombozytenaggregation

Ferner: Entzündungshemmend, antimycotisch anticarzinogen, beugt Leberschäden und ischämischen Nierenschäden und Lungenschäden vor, antiulcerativ, verhindert Endotoxin- induzierten Schock, bindet freie Radikale, wirkt östrogenartrig, schützt vor Bronchialasthma und wirkt beruhigend.

Neue Klinische Anwendungsweisen:

Bei der Erkrankungen Herzgefäße, bakterieller Myokarditis bei Kindern, hoher Blutviskosität, Hämorrhoiden, apoplektischem Insult, Hepatitis, Thrombose der Retinarvenen, bei Keuchhusten, Nephhritis, Diabetes, hämorrhagischem Fieber, malignen Lymphomen und Sklerodermie

Ku Shen

Radix Sophorae Flavessentis. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Wurzeln von Sophora flavessens Ait. (Familia Leguminosae).

Geschmacksqualität: sehr bitter; Temperaturqualität: kalt; Funktionskreisspezifische Wirkung: Blase, Herz, Leber, Dickdarm, Dünndarm

Ku Shen wirkt Hitze kühlend und Nässe trocknend, sowie Wind vertreibend und harntreibend. Es wird verwendet bei akuten Dysenterien, vaginalem Ausfluß mit Jucken und Gelbsucht (wirkt cholagog), sowie chronische, nässende und juckenden Hautläsionen (auch extern verwendet), Dermatomykosen und als Antiparasitikum bei Ringwurmbefall mit Pruritus. Ferner auch bei schmerzhaftem Urinieren. Am besten als Pulver verschreiben, da ziemlich bitter.

Pharmakologische Wirkung: Ku Shen wirkt cholagog, beruhigend, antimykotisch, antibakteriell, antiallergisch, fiebersenkend, entzündungshemmend, gegen Krebsbildungen, Ischämien des Herzens und Arrhytmien, sowie antiasthmatisch.

Quan Shen, Cao He Che, Zi Shen

Rhizoma Bistortae. Bei diesem Arzneimittel handelt es sich um die getrockneten Rhizome von Polygonum bistorta L. (Familia Polygonaceae). Geschmacksqualität: bitter; Temperaturqualität: neutral bis kalt; Funktionskreisspezifische Wirkung: Leber, Magen, Dickdarm

Quan Shen wirkt Hitze kühlend, Hitze-Toxine auflösend und blutstillend, sowie bei Schwellungen. Es wird angewendet als bei Dysenterie, Enteritis; ebenfalls verwendet als Hämostyptikum bei gastrointestinalen und vaginalen Blutungen, sowie aus Nase und Mund; verwendet extern bei infizierten Insekten- und Schlangenbissen und Verbrennungen. Außerdem bei Malaria, Ulzerationen, Halsschwellungen und in der Karzinomtherapie.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

C. Vergleich der wichtigsten Mittel aus der Sicht der traditionellen Medizin

1. Qi-Tonisierende Arzneimittel

Ren Shen (Ginseng)

Angewendet bei Herz-Qi Schwäche, Zusammenbruch des Nieren-Qi, muß der Ginseng in höherer Dosis eingesetzt werden, wie z.B. in Sheng Mai San (Wiederherstellung des Pulses Pulver), worin natürlich bei lebensbedrohlichen Zuständen der extrem teure, wilde Ginseng am besten wirkt. Bei Zusammenbruch von Herz und Niere, ist der Ginseng besonders zur Rekonvaleszenz des Yuan-Qi geeignet. Beispielsweise wenn bei Schleim-Mukus (Tan-Yin) Herz und Niere zusammenbrechen, das Lungen-Qi sich schon zerstreut und kein tiefes Atmen mehr möglich ist, dann steht der Körper kurz vor dem Zusammenbruch, dann wird in China meist ein Ginseng-Auszug injiziert, wie es z.B. oft bei Mao in den Siebzigern der Fall war (wie sein Leibarzt Lee in seiner Biographie erzählt). Ginseng kann also auch ein Notfallpräperat bei lebensbedrohlichen Zuständen sein.

Dennoch oder gerade weil es stark wirkt, ist Ginseng keine "Modeaufputschdroge" und auch kein täglich einzunehmendes mildes Tonikum: Es hat, wie alle wirksamen Arzneimittel auch Neben- und Wechselwirkungen, sowie Kontraindikationen. Da diese meist nicht erwähnt werden, wollen wir kurz darauf zu sprechen kommen: Ginseng ist kontraindiziert bei noch nicht abgeklungenen Infektionen, wie Erkältungen oder Nässe-Schleim im mittleren Erwärmer, also Fülle-Zuständen, wo keine Fu-Zheng-Therapie angebracht ist, d.h. bei Erkältungen stärkt es auch das pathogene Qi und verlängert so die Krankheitsdauer. Die moderne Pharmakologie erklärt dies durch die in beide Richtungen wirkende regulative Wirkung auf das Immunsystem, wenn dieses bei Infektionen stark reagiert, wird es durch den Ginseng gedämpft. Nässe und Schleim im mittleren Erwärmer hemmt die Absorption von tonisierenden, süßen und klebrigen Arzeneien wie Ginseng, Shou Di, usw. und bildet so eine weitere Stagnation, die dann auch leicht Hitze entwickelt. Unter Beigabe von verdauungsfördernden und qi-bewegenden Arzneien kann der Ginseng hier in Maßen -wenn nötig- eingesetzt werden. Es gilt aber das Prinzip: Wenn das Qi sich nicht bewegt, darf man nicht noch mehr Qi zuführen!

Nebenwirkungen des Ginseng, z.T. erwünscht, sind seine appetitanregenden und muntermachenden Wirkungen; er sollte also möglichst nicht vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Er hat Wechselwirkungen mit anderen stimulierenden Substanzen, wie z.B. Coffein. Sein Mißbrauch in den USA macht sich genau diese WW zu nutze: Es führt mit Coffein zu einer Überstimulation des Nervensystems, mit Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Schweißausbruch, Nervosität etc. Es sollten also immer mindestens 2-3 Stunden vor und 12 Stunden nach Einnahme von Ginseng kein Kaffee (bei Tee noch länger) getrunken werden. Am besten während einer ginsenghaltigen Arzneimittelkur koffeinhaltige Getränke gar nicht oder nur zum Frühstück einnehmen, dann die Arznei zu Mittag und gegen sechs Uhr Abends, damit ein guter Schlaf und die WW vermieden werden.

In der TCM ist außerdem der gleichzeitige Verzehr von Rettichwurzel kontraindiziert, da sonst die Wirkung vermindert wird (Rettich wirkt qi-bewegend). Darunter fallen wohl auch die bei uns häufiger gegessenen Radieschen. Ein letztes Wort noch zur Zubereitung: Ginseng wird immer separat von den anderen Arzneien gekocht, und zwar in nicht-rostenden Stahltöpfen, oder noch besser Glas- oder Keramiktöpfen, um eine verfrühte Reaktion der Bestandteile mit dem Eisen zu vermeiden. Nach dem Weichkochen kann die Wurzel auch gegessen oder mit anderen Wurzelgemüsen vermischt eingenommen werden.

Dang Shen und Hai Er Shen

Der Dang Shen wirkt vorwiegend auf den mittleren Erwärmer, eignet sich also besonders bei Leere mit chronischem Durchfall und nach Erschöpfung wie z.B. nach Abklingen einer Enteritis, starken Infektion oder anderen Erschöpfungszuständen zur Rekonvaleszenz, ferner Lao-Leere-Zustände mit Nachmittagstemperaturerhöhung, spontanem Schweiß, Insomnia, kalten Gliedern, usw. Ferner bei Blutungen der Lunge, des Magens, aus der Nase oder im Stuhl, übermäßige Mensesblutungen, starken Lochien u.a. Blutverluste (Pharmakologische Tests wiesen seine blutbildende Wirkung nach) und Blut-Leere Zuständen mit Blässe, Schwindel, Herzklopfen usw. wie auch generell nach Geburten. In China wird der Dang Shen auch oft als preiswerter Ersatz für Ginseng eingesetzt, wobei seine vergleichsweise limitierte Wirkung auf die Mitte zu beachten ist. Der Hai Er Shen ist allerdings noch schwächer und begrenzter: Er wirkt praktisch nur auf das Qi von Lunge und Magen und kann als mildes, preiswertes Tonikum auch langfristig z.B. im Senium eingesetzt werden.

2. Yin-Nährende Arzneimittel

Xi Yang Shen

Der Xi Yang Shen aus USA oder Frankreich hat eine andere Wirkung: Er stärkt nicht das Qi, sondern das Yin, die Körpersäfte (Jin-Ye) und kühlt pathogene Hitze und Leere-Hitze, wie z.B. bei Schleim-Hitze in Milz-Magen, oder er senkt emporschlagendes Leber Yang bei Yin-Leere, Trockenheit der Lunge bei Yin-Leere usw., also bei allen Feuer, Trockenheit oder Hitze-Zuständen, die mit Yin-Leere in Verbindung stehen. Sein Preis, obwohl er mittlerweile dort auch angebaut wird, ist der höchste der "Shen"-Wurzeln in ganz China.

Bei Sha Shen und Nan Sha Shen

Die beiden Sha Shen Arten (Nord und Süd) wirken ähnlich bei Schädigung der Lunge durch Yin-Leere und Feuer, sowie bei Yin-Leere des Magens. Der größte Vorteil des Sha Shen ist, daß das Milz und Magen-Yang nicht beeinträchtigt wird, wie bei vielen anderen klebrigen Yin-Nährenden Arzneien, deshalb ideal bei Störungen der Mitte z.B. Leere-Kälte mit Unverträglichkeit von nährenden Arzneien (=Blähungen, Durchfall, oder vermehrte Schleimbildung als Folge). Außerdem bei Wind-Kälte Husten mit Nässe und Schleim. Darum heißt es: "Sha Shen nährt das Yin, doch nicht die Yin-Pathogene (Nässe, Kälte etc.)"

Xuan Shen

Bei einer Erkältungsepidemie im Sommer des trockenen Städtchens Kunming/Yunnan (Luftfeuchtigkeit ca. 30 Grad) hatte fast jeder Patient u.a. einen trockenen, schmerzhaften Rachen mit Angina und jeder der sechs Ärzte, bei welchen ich AIP war, setzte u.a. Xuan Shen dafür ein, obwohl sie unterschiedlichen Schulen und Richtungen angehörten. Xuan Shen ist nämlich das Mittel bei Yin-Leere mit Halsschmerzen, Feuer-Toxinen mit Halsschmerzen und ähnlichen Hitze-Fülle/Yin-Leere Indikationen, einschl. Feuer oder Hitze in Magen, Herz oder Lunge. Daneben wird es aber auch bei Nieren-Leere Tinnitus, bei Herz-Feuer Palpitationen und Insomnia, bei Schleimbedingten Lymphknotenschwellungen und bei warm-febrilen Infektionskrankheiten (wen bing) eingesetzt.

3. Blutbelebende Arzneimittel

San Qi und Dan Shen

San Qi und Dan Shen

San Qi, der "Ginseng des Südens" (Ginseng kommt aus dem kalten Norden von Qi Lin, San Qi aus dem warmen, milden Yunnan) ist wie Ginseng ein bemerkenswertes Tonikum mit regulatorischer Wirkung. Allerdings wirkt es vorwiegend auf die Blutgerinnung regulierend, und etwas auf das Immunsystem, während Ginseng stärker und alleine auf das Immunsystem wirkt. In der TCM gilt es sowohl als blutbelebend als auch blutstillend, dieser scheinbare Wiederspruch wurde auch pharmakologisch nachgewiesen: Verschiedene Bestandteile des San Qi verhindern durch einen Mechanismus Thrombosebildung und Hyperviskosität, erhöhen aber durch einen anderen die Gerinnungszeit u.a. wenn eine Blutstillung notwendig ist, d.h. bei Wunden, inneren Verletzungen etc. Auch ist es weniger warm und trocknend, kann also auch längerfristig eingenommen werden.

Dan Shen, eines der heutzutage am häufigsten bei Blutstase eingesetzen Mittel, findet nicht nur in der Gynäkologie bei Menstruationsstörungen Verwendung, es wird nun auch viel bei Herzkrankheiten, insbesondere Angina pectoris eingesetzt. In der TCM ist es auch indiziert bei Nasenbluten durch Magen-Hitze, Insomnia durch Herz-Blut-Leere und bei äußeren Verletzungen.

4. Nässe trocknende Arzneimittel

Ku Shen

Ku Shen

"Ku" bedeutet bitter auf Chinesisch. Wenn sein bitterer Geschmack nicht wäre, hätte der Ku Shen wohl schon wie seine anderen Namensverwandten weitaus mehr Ruhm im Westen erlangt, denn seine Wirkung, sei es aus der Sicht der TCM oder der Pharmakologie ist sowohl tief, wie auch breit gefächert: Sowohl Innen wie Außen kühlt er Hitze, trocknet Nässe und vertreibt Wind, wirkt in der Dermatologie ebenso wie in der inneren Medizin. Er wirkt in fünf Funktionskreisen, nämlich Blase, Herz, Leber, Dickdarm, Dünndarm, und wirkt laut Forschungsergebnissen cholagog, beruhigend, antimykotisch, antibakteriell, antiallergisch, fiebersenkend, entzündungshemmend, gegen Krebsbildungen, Ischämien des Herzens und Arrhytmien, sowie antiasthmatisch. Im Grunde genommen ein universeller Held, den jeder mögen würde, wenn - ja, wenn nur - sein Geschmack erträglich wäre. Es empfiehlt sich hier :Nase zuhalten und runter damit, das süße Plätzchen gleich daneben gelegt, oder aber die Menge reduzieren und die Rezeptur als Pulver verabreichen und herunterspülen.

Wu Jia Pi

Der Vierte im Bunde der Panaceen, wie seine Vettern Ren Shen, Xi Yang Shen und San Qi ein kraftvoller Universalheiler, der bei seinem klassischen Einsatz bei Wind-Nässe Krankheiten eigentlich unterschätzt wurde. Auch hier gibt es den nördlichen und den südlichen Wu Jia (bei Wu Jia und Nan Wu Jia), üblich ist der Südliche, da der in der Mongolei wachsende Bei Wu Jia (Periploca sepium Bunge) leicht giftig ist, d.h. längerfristig unerwünschte Nebenwirkungen zeigt. Außer seinem Wind-Nässe vertreibenden und blutbelebenden Einsatz im rheumatischen Formenkreis und bei Nässe mit Ödemen und Oligurie wirkt der Nan Wu Jia nämlich auch tonisierend auf Niere und Leber, also bei Impotenz, Rückenschmerzen durch Nieren-Leere, Entwicklungsstörungen bei Kindern u.ä. Seine durch die Forschung erwiesenen Wirkungen bescheinigen ihm eine stoffwechsel-spezifische Wirkung: er senkt den Blutfettspiegel, wirkt cardiotonisch und antithrombotisch, antiulzerativ und reguliert den T3 und T4-Spiegel. Diese regulative Wirkung in beide Richtungen fanden wir auch bei Ginseng und San Qi. Es muß wohl in der Familie liegen.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

D. Schlußwort

Bei Wang Ang (Tang Tou Ge Jue) heißt es: "Ginseng stärkt die Milz, Sha Shen stärkt die Lunge, Zi Shen stärkt die Leber, Dan Shen stärkt das Herz, Xuan Shen stärkt die Niere. Ku Shen obwohl ein "Shen" ist nicht darunter gelistet, er stärkt sei alles gleichermaßen." Wenngleich der Ku Shen heute nicht mehr unter den Tonika gelistet wird, hat sich doch seit der Qing-Dynastie hinsichtlich des Arzneimitteleinsatzes nicht viel verändert. Im Gegenteil, die meisten der modernen pharmakologischen Forschungsergebnisse unterstreichen und bekräftigen nur, was man schon seit Jahrhunderten wußte. Daneben hat sich noch die Einsatzbreite etwas vergrößert, wie z.B. beim Einsatz des Dan Shen bei Angina pectoris usw. und es sind neue Wechselwirkungen z.B. Ginseng mit Kaffee hinzugekommen. Im großen und ganzen aber, können wir uns auf die jahrtausendalten Erfahrungen der chinesischen Medizin im Einsatz der Arzneimittel verlassen, solange wir uns an die ihr inhärenten Regeln halten.

Gunter R. Neeb

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

E. Literaturhinweise

  1. Zhou: Recent Advances in Chinese Herbal Drugs, Science Press, Beijing und S.A.T.A.S. Brüssel, Belgien 1991
  2. Fuller: The Tao of Medicine, 1982, Eastland Press, seit einger Zeit umbenannt in: The Book of Ginseng, (erhältlich bei Redwing: http://www.redwingbooks.com )
  3. Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie, VfM-Fischer
  4. Bensky/Gamble: Chinese Herbal Medicine: Materia Medica, Eastland Press
  5. Geng: Materia Medica der chin. Medizin, VGM-Kötzting
  6. Zhong Yi Yao Da Ci Dian Vol. I-III, Jiang Su New Medical College, Shanghai, Shanghai Science & Technology Press 1977, 1995, sowie diverse andere chinesische Quellen (Details auf Anfrage)

Zurück zum Inhaltsverzeichnis

 

zurückBack Home Up Nextweiter

Zum Anfangder Seite

Fragen oder Kommentare per e mail bitte an: Webmaster@TCMinter.net.
Copyright © 1999-2002 TCM International GmbH
Die in dieser Homepage veröffentlichten Artikel sind, sofern nicht anders ausgewiesen, Erstveröffentlichungen. Alle Urheberrechte liegen jeweils beim Autor. 
Letzter Update: 02 May 2003