Wie funktioniert die traditionelle chinesische Medizin (TCM)?

Die seit Jahrtausenden gesammelten Symptome und diagnostischen Infromationen unzähliger Patienten wurden in Hunderte sogenannter Syndrom-Muster differenziert, die sich teilweise, aber nicht völlig mit den Krankheitsbildern der seit etwas 150 Jahren auf anatomische Grundlagen basiernden Schulmedizin decken. Der Vorteil der chinesischen Syndrommuster ist es, daß man auch eine Krankheit oder Störung behandeln kann, wenn sie nicht schulmedizinisch diagnostiziert oder eingeordnet werden werden, solange nur Symptome existieren.

 

Warum muss ich immer wieder eine Diagnose machen, obwohl die erste Diagnose doch sehr gründlich war?

Gesundheit bedeutet nach den theoretischen Grundlagen der TCM eine Harmonie aller körperlichen und geistigen Funktionen. Eine Krankheit entsteht, wenn diese nicht im Gleichgewicht sind. Nachdem alle aktuellen Informationen durch den chinesischen Arzt wie Puzzlesteine gesammelt wurden, ergibt sich daraus ein aktuelles Gesamtbild, das alle derzeit nicht im Gleichgewicht befindlichen Anteile des Individuums zu erfassen sucht.

Wenngleich der Mensch weit komplizierter ist als ein Auto, kann man die Aufgabe des TCM-Therapeuten mit der eines Fahrers vergleichen:

Nicht nur das sich jedes Fahrzeug vom anderen etwas oder stark unterscheidet, der Fahrer muß aufgrund der äußeren sich verändernden Straßenlage mal Gas geben, mal Bremsen, mal hoch- und mal herunterschalten, muß auf Amaturanzeigen im Inneren ebenso reagieren, wie auf  die nie gleichen äußeren Bedingungen. Die Kontrolle des Fahrzeugs muß also ständig

den Gegebenheiten angepaßt werden und man kann nicht immer im gleichen Gang oder bei der gleichen Geschwindigkeit bleiben.

Beim weitaus komplizierteren menschlichen Netzwerk aus Körper und Geist, der durch Umwelt, Ernährung, Emotion und auch der Therapie selbst Veränderung erfährt, erfordert die individuelle Behandlung immer wieder eine kurze Überprüfung des aktuellen Zustandes und eine “Feineinstellung” der Therapie. Nur so kann durch Nachdiagnosen und die jeweils aktuelle Modifikation der Rezeptur die optimale Wirkung erreicht werden. In China nimmt der Arzt 1-2 mal wöchentlich eine solche Nachdiagnose vor.

Die große Stärke der 2500 Jahre alten Arzneimitteltherapie in der TCM liegt demnach in ihrer exakten Reaktion auf die individuelle und aktuelle Situation. Ihre präziseste Anwendungsform ist daher die jeweils einzigartige Rezepturmischung und deren Modifikation.

 

Kann man immer die gleiche Mischung von Arzneien/Kombination von Akupunkturpunkten verwenden ?

Nein, denn verschreibt man zu lange die gleiche Mischung ohne zu überprüfen, ob sie noch zum diagnostizierten Ungleichgewicht passt, so kann man auch über das Ziel hinausschießen, d.h. einem häufig frierenden Patienten wird es durch wärmende Arzneien irgendwann zu heiß, wenn “der Fahrer immer nur Gas gibt”, um beim obigen Beispiel zu bleiben.

 

Wie lange muß man denn eine TCM-Behandlung durchführen?

Sinn und Ziel der TCM-Behandlung ist die Wiederherstellung der gesundheitlichen Balance. Ist dieses Gleichgewicht erreicht, dann ist die Behandlung nicht länger notwendig. Bei Schmerzen sind dazu etwa zwischen 3 und 12 Behandlungen mit Akupunktur notwendig, je länger der  Schmerz besteht desto länger benötigt er, um wieder zu verschwinden.

Bei Arzneimitteltherapie sind etwa 1-4 Monate notwendig, zusätzlich  nochmals jährlich eine Kur, wenn die Gesundheit aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Nur schwere chronische Erkrankungen wie Parkinson, Multiple Sklerose und bestimmte Krebsformen erfordern eine langfristige oder dauerhafte Behandlung mit chinesischer Arznei.  

 

Welche Krankheiten kann die TCM behandeln?

Die Chinesische Medizin behandelt seit 2500 Jahren alle Störungen und Krankheiten die es seither gibt. Aufzeichungen von Spezialisten für Frauenheilkunde, Kinderheilkunde, Hautkrankheiten usw., gibt es ebenfalls schon seit dem 5 Jahrhundert. Man weiß mittlerweile, wie sich schulmedizinisch definierte Krankheiten mit Mustern der TCM überschneiden, doch da diese individuell verschieden sein können, gibt es weit mehr Muster als Krankheiten, so daß die Therapie exakter auf den einzelnen Menschen und sein aktuelles Syndrommuster abgestimmt werden kann. Die WHO hat ca. 50 Krankheiten veröfentlicht, die besonders gut auf die Behandlung ansprechen.

 

Wo liegen die Schwächen der TCM?

Krankheiten, die im Frühstadium noch keine Symptome erzeugen, aber bereits im Labor feststellbar sind (z.B. AIDS oder Hepatitis C), können zwar aufgrund pharmakologischer Forschungsergebnissse behandelt werden, weil man weiß, auf welche Pflanzen ein Virus empfindlich ist, doch kann ohne Symptome nur die Krankheit, nicht aber jeder Mensch individuell behandelt werden. Normalerweise behandelt die TCM nicht die Krankheit, sondern individuell den Kranken. Dazu müssen aber Symptome existieren, die sich in die Syndrom-Muster (s.o.) einordnen lassen.

 

Warum bekommt ein Patient Kräuterabkochungen, einer Pillen und einer ein Pulver?

Je nach dem, welche Therapieform der TCM am besten geignet ist, also Qi-Gong, Ernährungsumstellung, Massage, Moxa, Schröpfen, Akupunktur oder Pflanzenarznei, alles sind Teile der TCM. Bei der Arznei gibt es die Abkochung das Pulver, eine Fertigarznei oder Kombinationen daraus, es wird die geeignetste Anwendung gewählt.

Bei der Einnahme von Arzeien hat jede Form ihre Vor- und Nachteile: Während eine individuelle Mischung aus Kräutern genauer auf den momentanen Zustand des Ungleichgewichts eingestellt werden kann, deren Kochen jedoch zeitaufwendig ist, schmecken Fertigarzeien, z.B. Dragees besser, können aber nicht jede individuelle und aktuelle Störung berücksichtigen. Pulver liegen als Kompromiß dazwischen, da sie individuell gemischt und schneller zubereitet werden können, aber etwas langsamer in der Wirkung als Abkochungen sind.

 

Was macht denn der TCM-Arzt bei der Diagnose?

Da es vor 2000 Jahren noch keine Maschinen gab, legte und legt man Wert auf das präziseste Messinstrument, das Veränderungen des Gesundheitszustandes sofort erkennt: Den eigenen Körper des Patienten als subjektives Maß, der genau nach Symptomen befragt wird.  Als objektives Maß werden die fünf Sinne des Therapeuten eingesetzt, nämlich  durch Begutachten von z.B. Haut, Haaren, Körperausscheidungen usw., durch Beobachten des Klanges, z.B. beim Sprechen oder Husten, durch Analyse der Zunge und des Zungenbelages und Ertasten empfindlicher Stellen und vorallem des Pulses. Diese werden mit Gesunden verglichen und nach jeder Behandlung mit dem Zustand vor der Behandlung. Da der Körper sich auch durch die Behandlung verändert, entsteht so eine dynamische Behandlung, die stets dem aktuellen Zustand entspricht.

Einem chinesischen Arzt käme es also absurd vor, immer wieder die gleiche Arznei oder Akupunkturkombination zu verwenden, da der menschliche Körper ständig im Wandel ist, und ein Teil des Wandels auch durch die Therapie verursacht wird.

Den Körper sieht er also nicht anatomisch wie im Westen, sondern eher wie eine “Black Box”, eine Schachtel mit unbekanntem Inhalt, die durch die Diagnose Informationen an ihn herausgibt. Beispiel: Wenn ein vormals gesunder Körper plötzlich fiebert und schwitzt, der Mensch also Informationen ausgibt, die den Arzt auf “Hitze” schliessen lassen, dann geht er davon aus, das die gesunde Balance des Systems Körpers z.B. durch Informationen in Form einer eingedrungenen Krankheit in Richtung “Heiss”  (yang) verschoben ist. Aus Erfahrung weiß er, das bestimmte Punkte oder Kräuter kühlend wirken, also einen Gesunden frieren lassen würden. Gibt er nun die Information “Kühle Arznei” (yin) in das System mit der “heissen Krankheit”, dann wird die  Harmonie wieder hergestellt.

Das klingt sehr einfach, aber durch die umfassende pharmakologische Forschung weiß man heutzutage, das z.B. genau diese durch Erfahrung gefundenen Arzneien, fiebersenkend, entzündungshemmend oder antibakteriell wirken.

 

Ist die TCM also wissenschaftlich bewiesen ?

Wie auch in der Schulmedizin kennt man längst nicht alle wissenschaftlichen Erklärungen von Wirkweisen, und man begann auch erst vor wenigen Jahrzehnten in China und Japan und noch später im Westen nach Erklärungen zu suchen. Viele interessante Forschungen sind noch unübersetzt, so daß man bei uns noch weit weniger weiß, wie Akupunktur und chinesisische Arznei wirkt, geschweige denn Qi-Gong oder Moxibustion. Dennoch gibt es bereits eine Menge Erklärungen und Studien, z.B. im Rahmen des Münchner Modells oder einer staatlichen Arzneimittelstudie der australischen Regierung. Es fehlen aber noch viele Gelder zur Forschung, die weitere Ergebnisse herbeifördern würden.

Aufgrund ihrer zunehmenden Erfolge auch an deutschen Patienten, wird die TCM aber schon an deutschen Universitäten, im Rahmen in Begleitung zur medizinschen Ausbildung gelehrt. Auch wird die Akupunktur, die als Teil der TCM ihren Weg in den Westen bereits vor mehr als 40 Jahren fand, mittlerweile von fast allen privaten und im Modell einigen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Wie erfolgreiche Behandlung von Tieren und Kleinkindern zeigt, wirkt die TCM auch, wenn man nicht an sie glauben kann.

 

Wie erkennt man denn einen guten TCM-Therapeuten?

Ein guter TCM-Therapeut muß nicht unbedingt Chinese oder Arzt sein, es gibt auch viele Heilpraktiker, Ernährungsberater, Physiotherapeuten, Masseure, oder Tai-Chi Chuan-Lehrer, die sich bereits seit Jahrzehnten auf einen Aspekt der TCM spezialisiert und so viel Erfahrung gesammelt haben. Auch ein Diplom einer chinesischen Universität kann von einem “Urlaubs-Kurzstudium” stammen, und ist für Patienten schwer zu beurteilen.

Dennoch ist es ein gutes Zeichen, wenn jemand längere Zeit in China oder Taiwan  studiert hat, oder im Westen eine hohe Anzahl an Ausbildungsstunden einer TCM- oder Akupunkturgesellschaft absolviert hat.

Ein gutes Zeichen dafür, das jemand mehr als nur die Grunddlagen der Akupunktur beherrscht ist es z.B. wenn er eine ausführliche Zungen- und Pulsdiagnose (mindestens 10 Minuten) beherrscht. Die Befragung sollte auch viele subjektive Empfindungen wie Temperaturempfinden, Schweißbildung, Schlaf, und ähnliches beinhalten.

Nach wie vor gilt es, das eine gute Empfehlung eines erfolgreich Behandelten mehr Wert ist, als jegliche Werbung in den Medien oder Anzeigen, wie es z.B. Krankenhäusern gestattet ist.

 

Kann man auch gleichzeitig TCM und Schulmedizin anwenden?

Natürlich. In China wird die TCM schon jahrzehntelang sowohl alleine wie auch in Kombination mit der westlichen Medizin verwendet. Dies ist besonders in der Krebstherapie der Fall, wo die Chemo- oder Radiotherapie den offensiven Angriff und die TCM-Arzneien, die defensive Stärkung von Abwehr und Verminderung von Nebenwirkungen übernimmt.

Auch für den normalen Patienten gilt, daß er nicht nur seine herkömmlichen Medikamente weiternehmen darf, sondern sie sogar am Tag der Diagnose weiter nehmen sollte, wenn sie ein Teil der täglichen Einflüsse geworden sind, die ihn ebenso wie Ernährung und Umwelt  beinflussen, und somit ein Teil des komplizierten Netzwerks geworden sind, das wir unseren Körper nennen.

 

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Letzter Update: 02 May 2003