Was man bei der Verschreibung chinesischer Arzneimittel beachten sollte:

1. Dosis : In China sind die Patienten an den teils bitteren Geschmack chinesischer Arzneimittel gwohnt, in Deutschland nicht. Verwendet man bittere Arzneien wie Ku Shen, Huang Qin, Huang Lian u.a. kühlende Mittel, oder solche von seltsamem Geschmack wie z.B. Di Long (Lumbricus), A-Jiao (Gelatinum Asinini), A-Wei (Asarum) oder Aussehen wie Chan Tui, Tu bie chong, Mang Chong u.a. Insekten, so steht zur Debatte, ob nicht Pulverformen verabreicht werden können, Dabei ist natürlich die Menge entsprechend zu reduzieren. Auch wenn relativ gute Qualität an Arzneimitteln verwendet wird, wie z.B. solche aus taiwanesischen Quellen, die entsprechend gesäubert und verpackt wurde, ist oft eine geringere Dosis anwendbar, man kann dann etwa um ¼ bis ½ reduzieren. Natürlich ist dabei auch die individuelle Konstitution des Patienten zu beachten, da so mancher schon bei kleinen Mengen Sheng Di (Rehmannia) mit dünnem Stuhl reagiert.

2. Syndromdifferenzierung: : Vergessen Sie nicht, das alle Rezepturen, seien sie auch noch so gut, nur als Anhaltspunkt gedacht sind. Ein guter TCM-Arzt modifiziert jede Rezeptur nach der individuellen Krankheits- und Konstitutionslage des Patienten. Dies macht einen der großen Unterschiede zur Schulmedizin aus, und zeigt den Könner. Fertigarzneien können zwar bei etwaiger Übereinstimmung mit dem Syndrom verschrieben werden, doch sind diese eher für die allmähliche Besserung eines chronischen Zustandes geeignet, während bei akuten Zuständen keine Darreichungsform (von Injektionen abgesehen) schneller wirkt als Dekokte.

3. Anleitung: Geben Sie jedem Patienten eine kleine gedruckte Anleitung über die Zubereitung eines chinesischen Arzneidekoktes mit. Inhalt etwa wie folgt: Zubehör: Kochtopf ( ca. 2 Liter), feinmaschiges Metallsieb, verschließbare Flasche (ca. 1 Liter), ein Küchenwecker o.ä.

Vor dem Abkochen ca. 20min. in kaltem oder lauwarrmen Wasser eingeweichen. Die Wassermenge richtet sich nach dem Volumen der Arzneimittel. Bei einer durchschnittlichen Rezzeptur von 100-200g werden die Bestandteile mit insgesamt ca. ¾ - 1 Liter Wasser angesetzt. Es gilt die "über den Daumen" Regel: Die Arzneimittel im Topf sollten 1-2 Daumenbreiten mit Wasser bedeckt sein, da sie beim Kochen viel Wasser aufsaugen. Dies gilt für die 1. Abkochung. Bei der zweiten genügt es, wenn die Arzneimittel gerade mit Wasser bedeckt sind.

Nach dem Einweichen kann das Wasser kurz zum Aufkochen gebracht werden (Vorsicht! Schäumt z.T.), das sogenannte "kriegerische Feuer". Dann wird die Temperatur sofort auf ein Köcheln reduziert, das sog. zivilisierte Feuer und mit Deckel bedeckt. Die Kochdauer hängt von den Arzneien ab:

Wurzeln und Hölzer (besonders tonisierende Arzneien) brauchen 40-60 min., Blüten, Blätter u.ä. 20-30min. und Arzneimittel mit flüchtigen Wirkstoffen und Ölen wie Bo He (Mentha), Mu Xiang (Rx. Aucklandia) etc. 5-15 min.

Manche Arzneimittel wie Da Huang (Rheum) wirken je nach Kochzeit verschieden: Soll z.B. die blutbewegende Wirkung im Vordergrund stehen, so kocht man 20-30 min., soll eine purgierende Wirkung erreicht werden so muß man es in den letzten 5 Minuten zugeben. Die Kochzeit kann auf einem Küchenwecker eingestellt werden.
Nach Beendigung der Zubereitung das Derkokt durch ein Sieb abgießen. Die im Sieb zurückbehaltenen Arzneimittel können Sie zur besseren Ausnutzung der wertvollen Inhaltsstoffe ein zweites Mal abkochen. Wassermenge ist zu reduzieren (s.o.) und Kochzeit um etwa 10min. zu verlängern. Diese wieder durch ein Sieb abgießen und mit der ersten Abkochung mischen. Das Gemisch einen Moment stehen lassen, damit Sand, Staub und Pflanzenteilchen absinken können. Anschließend in eine verschließbare Flasche füllen, dabei den Bodensatz weglassen.

Das Dekokt sollte im Kühlschrank aufbewahrt und vor Entnahme einer Dosis geschüttelt werden. Es ist bei gekühlter Lagerung ca. eine Woche Tage haltbar. Am besten nicht kalt einnehmen, sondern erst die jeweilige Dosis auf Zimmertemperatur erwärmen lassen oder etwas warmes Wasser hinzugeben. Dies gilt besonders für Patienten mit Durchfallneigung und empfindlichen Magen.

Je nach Neigung und Abneigung kann die Tagesdosis auf Morgen- und Abendportion verteilt,und auf einmal getrunken werden (meist bei berufstätigen praktischer ), oder über den ganzen Tag verteilt in kleinen Schlucken. Falls dies bei berufstätigen erwünscht ist, kann die Tagesdosis in eine Theromsflasche gefüllt und mitgenommen werden. Möglichst keinen Zucker hinzufügen. Bei zwei Tagesdosen sollte die Einnhame 1-2 Std.nach dem Essen erfolgen, bei Tonika vor dem Essen und im akuten Krankheitsfalle jederzeit.

Wenn nicht kontraindiziert, wie beispielsweise keine Radischen essen bei Ginsengverabreichungen, so kann bei Einnahme der chinesischen Arzneimittel normal gegessen und getrunken werden.

Auch sollten nur Steingut- Glas- oder Töpfe aus garantiert rostfreiem Stahl verwendet werden, um eine Reaktion der Arzneien mit dem Metall zu verhindern.

4. Besonderheiten von Arzneien: Teure Arzneien wie Ginseng, Lu Rong (Cornu Cervi), San Qi (Notoginseng), usw. sollten separat und für lange Zeit gekocht (bis zu 2 Stunden) und der Sud anschließend zu den anderen Arzneien hinzugegeben werden. Ginseng kann danach außerdem zerdrückt und zum Essen hizugegeben werden. San Qi Pulver, ebenso wie Niu Huang (Calc. Bovis) wird mit dem Dekokt zusammen heruntergespült.

Che Qian Zi (Semen Plantago), Xuan Fu Hua (Flos Inula) u.ä. feine oder leichte Arzneien werden in Gazé separat verpackt und mit den Arzneimitteln zusammen gekocht, das sie schwer abzusieben sind und ansonsten den Rachen oder Verdauungstrakt irritieren.

Harte, mineralische oder kalkhaltige Arzneien wie Mu Li (Concha Ostra), Shi Gao (Gypsum), Shui Niu Jiao (Cornu Bubali) etc. werden zuerst vor allen anderen Arzneien ½-1 Std. gekocht.

5. Dauer: Die Rezepturen sollten möglichst wöchentlich neu an den akuten Zustand des Patienten angepaßt werden. Dekoktrezepturen, die wie Allopathika monatelang unverändert verschrieben werden, sind wie ein Eingeständnis des Therapeuten, daß sich nichts im Körper verändert hat.

Auch darf nicht vergessen werden, daß blut- und qi-bewegende Arzneien nicht monatelang ohne blut- oder qi-tonisierende Arzneien, und Purgativa, Drastika u.ä. nur kurzfristig verschrieben werden dürfen.

Einzelheiten zum Einsatz der Arzneimittel finden sich bei Bensky, Geng, Porkert, Paulus und anderen. Einzelheiten der Titel siehe Bücherliste.

zurückBack Home Up Nextweiter

Zum Anfangder Seite

Fragen oder Kommentare per e mail bitte an: Webmaster@TCMinter.net.
Copyright © 1999-2002 TCM International GmbH
Die in dieser Homepage veröffentlichten Artikel sind, sofern nicht anders ausgewiesen, Erstveröffentlichungen. Alle Urheberrechte liegen jeweils beim Autor. 
Letzter Update: 02 May 2003