Wie ich Hundert Jahre alt wurde

Von Chen Li-Fu (Artikel aus Taiwans „Lianhebao“, Zeitung vom August 1999)

 

Zusammenfassung: In diesem Artikel beschreibt Chen Li-Fu, der 1899 geboren wurde, wie er es geschafft hat, ein Hundertjähriger zu werden, der sich noch recht guter Gesundheit erfreut.

Er führt dafür 4 Hauptgründe an, nämlich:

  1. Vorhimmlische (durch Geburt und Gene begünstigende) Faktoren
  2. Gesunde Verhaltensweisen im Laufe des Lebens (nachhimmlische Faktoren)
  3. Glückliche Umstände durch die er Katastrophen und Gefahren entging
  4. Begünstigende Geisteshaltung

Wir übersetzen hier die etwas gekürzte Fassung des Artikels.

 

Vorhimmlische (durch Geburt und Gene begünstigende) Faktoren

1.Ich schlafe besonders tief

Daß ich schon nach dem schlafen gehen fest und tief Eingeschlafen bin, halte ich für eine wichtige Bereicherung meines langen Lebens, da ich dadurch die Kraft durch Anstrengungen des Tages wieder auffrischen kann. Schlaf ist eine Quelle der Erholung.

2. Ich ärgere mich nicht

Immer wenn ich auf Probleme oder Hindernisse stieß, so suchte ich die Ursache dafür bei mir selbst, statt bei anderen. Als ich noch als Sekretär für General Chiang Kai-shek arbeitete, erlebte ich oft wie Chiang extreme Wutausbrüche herausließ. Ich schlug ihm daher oft vor, sich ein Beispiel am deutschen General Hindenburg zu nehmen, der sich nie zur Wut hinreißen ließ und sich zum Motto machte, daß eine Beschuldigung nicht gegen andere, sondern gegen sich selbst gerichtet sein sollte. Über sich selbst kann man sich einfach weniger ärgern.

 

3. Ich habe ein gutes Gedächtnis

Durch ständiges Training meines Gedächtnisses hatte ich oft Gelegenheit dieses immer weiter Fit zu halten. Um mein Gedächtnis zu trainieren erfand ich z.B. das schnelle Eingabeverfahren von Schriftzeichen beim Tippen. Dabei wird jedes Schriftzeichen in 5 verschiedene Arten differenziert, die man auswendig kennen muß. Auch hatte ich Gelegenheit zu guten Taten, weil ich ein guter Schüler nahmen mich meine Lehrer oft mit, beim (buddhistischen) Brauch des Freilassens gefangner Lebewesen.

 

4. Ich bin mit großer Ausdauer gesegnet

Ich stand schon immer morgens sehr früh auf. Als kleiner Junge traf ich eines Morgens einen Taoisten, der immer drei schritte lief, und sich dann zum Gebet niederwarf, immer wieder. Ich fragte ihn warum er das täte, und er antwortete mir: „Das verstehst du noch nicht. Ich tue dies um die Menschen dazu zu bewegen, Geld für den Bau eines großen taoistischen Tempels zu stiften.“ Und nur weil du jeden Tag auf diese Weise betest, glauben Sie genug Geld zusammen zu bekommen ?“ Der Taoist sprach: „Das ist ganz gewiß, aber Du bist noch zu jung um dieses Prinzip zu begreifen.“

Achtzehn Jahre später hatte ich mit einem Mitstudenten in den Bergen zu tun, um für meine Forschung nach geologischen Begebenheiten und Minen zu suchen. An diesem Tag, verliefen wir uns jedoch etwas und gerade als ein Gewitter aufkommen wollte, trafen wir einen Taoisten, der uns zu seinem fast fertig Tempel führte um Unterschlupf zu finden. Dabei stellte sich heraus, daß er der gleiche war, den ich als Kind getroffen hatte: Seinem Tempel fehlte nur noch die Goldlackierung der Heiligenstatuen, alles andere war so wie fertig.

Dieses Wiedertreffen prägte mich tief indem es mir zeigte, was ein Mensch alles erreichen kann, wenn er nur Willen zur Ausdauer hat. Dies ist auch wichtig, wenn man andere Ziele erreichen will.

 

Gesunde Verhaltensweisen im Laufe des Lebens (nachhimmlische Faktoren)

1. Den Körper durch Bewegung nähren und den Geist durch Ruhe nähren

Die weisen des Altertums stellten bereits fest, das Wasser nicht faul wird, wenn es fließt und sich bewegt und die Würmer die Angeln einer Tür nicht befallen, da diese sich ständig bewegen. Auch der menschliche Körper folgt diesem Prinzip: Durch Bewegung bleibt der Stoffwechsel im ständigen Fluß. Ich stehe schon seit 50 Jahren morgens um 5:30 Uhr auf, und massiere mich nach den alten Gesundheitsregeln. Als ich noch jünger war nahm  ich auch oft an Sportaktivitäten teil um fit zu bleiben. Die Massage die ich heute täglich mache ist die taoistische  Übung der Acht inneren Brokate (Nei Ba Duan Jin, s.u.).

Außerdem gehe ich seit 20 Jahren nach jeder Mahlzeit 500-600 Schritte spazieren um in Bewegung zu bleiben.

Was die Ruhe des Geistes angeht, so habe ich auch während der Zeit, in der ich General Jiang Kai-shek als Sekretär diente, nie versucht mir große Gedanken um Macht oder eigene Vorteile zu machen und mich aus allen Kämpfen und Fehden herauszuhalten.

2. Regelmäßige Ernährung und geregelter Tagesablauf

Im Altertum hieß es bereits als Lebensweisheit , das man früh aufstehen und körperlich etwas tun sollte. So bin ich z.B. immer zu Fuß in die Schule gegangen, da ich genug Zeit hatte langsam dorthin zu kommen. Nach meinem 70. Geburtstag begann ich morgens zwischen 6:30 und 7:30 Kalligraphie zu üben oder etwas zu schreiben. Außerdem begann ich zu dieser Zeit auch immer eine gesunde Schwalbennestersuppe mit chinesischen Arzneikräutern zu verzehren (Rezept s.u.).

3. Viel Obst und Gemüse essen und wenig Fleisch

Obwohl ich aus einer wohlhabenden Familie stamme, in der mehr Frauen als Männer Vegetarier sind, habe ich auch immer viel Wert auf Gemüse gelegt. Dennoch habe ich es nie abgelehnt, Fleisch zu essen  wenn mir z.B. meine Verwandten einen Enten- oder Hühnerkopf auf den Teller legten (eine höfliche Geste der Verwandten, da dieser als nährend für die geistige kraft gilt). Auch diese Art von Toleranz ist einem langen Leben förderlich.

 

4. Nur Gekochtes Wasser trinken und erhitzte Nahrung essen

Heutzutage wird viel mehr rohes Fleisch oder andere Nahrung gegessen als früher, ich glaube aber das auch viele neue Zivilisationskrankheiten hiermit im Zusammenhang stehen. Ich habe jedenfalls niemals die Regel gebrochen, nur abgekochtes Wasser zu trinken, und nur erhitzte Nahrung zu mir zu nehmen.

 

5. Den Kopf kühl und die Füße warm halten

In den USA wurde einmal von einem fast 120-jährigen berichtet, der von Presse und Verlagen nach seinem Gehheimrezept für langes Leben gefragt wurde. Sein Sohn schließlich sagte, er könne alle Aufzeichnungen seines „Geheimrezeptes“ an einen Verlag weitergeben. Doch nach dem Kauf des „geheimen Rezeptbuches“ stellte sich heraus, das nur 2 Sätze drinstanden, nämlich: erstens der Kopf sollte immer kühl bleiben und  zweitens die Füße sollten immer warm bleiben.

Dies entspricht auch dem, was unsere Vorfahren schon wußten, die immer vor dem Schlafen ein warmes Fußbad nahmen und niemals - außer bei sehr kaltem Wetter - eine warme Mütze trugen. Ich glaube auch an dieses Prinzip und halte mich immer daran.

 

6. Der Genügsame erfreut sich des Lebens und der Wunschlose ist zufrieden

Wer sich durch eigene Leistungen auf sich selber verlassen kann, ist nicht in Freude und Enttäuschung auf andere angewiesen. Doch dazu bedarf es auch einer Genügsamkeit an dem, was man bisher erreicht hat. Sonst liegt Erfolg und Mißerfolgt und damit auch die eigenen Gefühle immer von anderen abhängig, und das herz findet keine Ruhe.

 

Glückliche Umstände durch die ich Katastrophen und Gefahren entging

Letztlich ist auch das Glück am langen Leben  ein Faktor: Ich habe mehrmals unter Lebensgefahr gestanden. In den Konfuzianischen Klassikern heißt es: „Leben oder Tod, Reichtum oder Armut sind oft schicksalsbestimmt.“ Alle meine Bedrohungen fanden während meiner Arbeit statt und irgendwie hatte ich auch immer eine Vorahnung. Man mag dies sowohl den guten Taten seiner Vorfahren zuschreiben, oder aber schlicht für schicksalsbestimmt halten. Wie dem auch seie, auch diese Umstände ließen mich die Hundert erreichen.

 

Vermeiden von Überflüssigem und ruhige Lebensweise

Nachdem ich 75 Jahre lang im Dienst meines Landes enorm viele Leute kennengelernt habe, wäre mein tägliches Leben ununterbrochen mit sozialen Verpflichtungen erfüllt, was sich aber schlecht auf die Gesundheit auswirken würde. Daher habe ich seit meinem 80. Geburtstag rundheraus abgelehnt, an Hochzeiten, Festreden, Geburtstagen und anderen Feierlichkeiten als Redner oder aktiver Teilnehmer mitzuwirken. Dieses Prinzip habe ich aufgestellt und auch bei engsten Verwandten nicht gebrochen, was einem älteren Menschen daher eine Menge unnötiger Anstrengungen erspart. Mein Körper ist nicht besonders stark, so daß ich seit dem 58. Lebensjahr Diabetiker bin und allerhand Operationen wegen Gallen- und Blasensteinen über mich ergehen lassen mußte.

Obwohl das Schicksal sicher auch eine Rolle spielt, glaube ich dennoch das im Alter das Schonen durch eine unnötige Verausgabung ebenfalls zu meinem hohen Lebensalter beigetragen hat, was wieder zeigt das man auch selbst etwas hierzu beitragen kann.

 

Anhang

Die acht inneren Brokate (Nei Ba Duan Jin)

1. Kopf

  1. Hundert mal mit beiden Handflächen die Ohren abdecken und mit den Fingern hinter den Ohren gegen den Hinterkopf schnipsen (bekannt als „die himmlische Trommel schlagen“)
  2. Mit beiden Händen mit zeige- und Mittelfinger die Schläfe 100 Mal am extrameridianen Punkt Tai Yang massieren.

2. Augen

Mit beiden Händen die Handflächen warm reiben und die Handflächen auf die nicht geschlossenen Augen legen. Die  Augen im und gegen den Uhrzeiger hundertmal hin- und herrollen.

3. Ohren

Mit den Händen hundert mal die Ohren abdecken und öffnen, dann hundertmal mit dem Zeigefinger die „Klappe“ vor dem Ohreingang zudrücken, und schließlich hundertmal den Zeigefinger ins Ohr stecken und je eine Halbe Drehung mit und eine halbe gegen den Uhrzeigersinn  machen.

4. Nase

Mit den beiden Zeigefingern je links und rechts des Nasenrückens hoch- und herunterreiben (die Punkte vom Augeninnenwinkel über Shang Yin xiang bis Yin xiang)

5. Brust und Bauch

Mit der rechten hand gleichzeitig die rechte Brust und mit der linken hand den Bauch kreisend massieren, dann die linke Hand nach oben wechseln und die rechte am Bauch massieren

6. Kreuz

Mit den beiden Handflächen im Bereich der Nieren hundertmal hoch und herunterreiben.

7. Beine und Füße

Mit beiden Händen die Ober- und Unterschenkel hundertmal massieren, dann mit der linken hand die rechte Fußsohle reiben und mit der rechten Hand die linke Fußsohle, ebenfalls hundertmal.

8. Hoden und Penis

Mit beiden Handkanten links und rechts der Hoden und mit den Handflächen den Penis reiben. Beides ebenfalls hundertmal.

 

Rezept zur Prävention von Herzinfarkten

  1. Ein halber Kopf großer Sellerie
  2. Nachdem Einweichen die Menge einer Reisschale voll schwarzer Mu-Er Pilze (Judasohren aus dem Asia-Laden)
  3. Nachdem Einweichen die Menge einer Reisschale voll  Shitake Pilze (chin. Xiang Gu)
  4. Etwa 60g Shan-Zha (Fructus Crategi, chin. Weißdornfrüchte)
  5. Dan Shen (Radix Salvia Milthiorrhiza) und Huang Qi (Radix Astragali) jeweils 60g
  6. Alles zusammen in den Gemüsemixer geben zum Zerkleinern
  7. Dann im Kochtopf gar kochen und nach dem Abkühlen in den Kühlschrank geben.
  8. Jeden Morgen einen Teil der Suppe zusammen mit Schwalbennestern kochen und trinken.

 

 

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Letzter Update: 02 May 2003